Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 18 (3.5.1895)
- Date
- 1895-05-03
- Page
- Seite 285 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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9tr. is. 3 e f d) u t u tt. Seite 2Kf>. richteten rKunhklneibcii .zesorOerl, das; öüo Interesse an dein jüdischen (Geistesleben durch Vorträge und Kurse für Erwachsene rege gebalten iverden »läge. Religion, Vittevatuu und (beschichte des Judentums »lägen in abwechslungsreicher Folge den Inball dieser Darbietungen bilden. Die schwungvolle Encyttika enthält eine reiche Fülle beberzigenswerter Anregungen: „Es nitis; also etwas geschebeit, meine Herren und teuren Kollegen, um die Lücken einer übereilten und abgenutzten Erziehung auszusüllen, um das dazli Elementare zu eutlvickelu und das dunkel (Gebliebene zu erhellen. Warilin sollen wir nicht auch um die jungen Veute und Mädchen besorgt sein, >oelcl>e das Jünglings-, das Inngsranen-Aller schon erreicht haben V Warum sollen wir uns nicht an die Männer und Frauen erinnern, welche keine Ahnung haben von den ERnndbestiiniiinngen unseres Kultus, von unseren Ueberliefernngen, unserer (beschichte, unserer Sittenlehre'< Alt Ihnen ist es, meine Herren und teuren Kollegen, Ihre segensreiche Dhätigkeit atlch angerhalb der Synagoge nnSzuüben und von den Früchten Ihres Wissens alle Mitglieder Ihrer (Gemeinde genießeil zu lassen. Aach dem Muster der zahlreichen jüdischen Eitteraknr-Dereine, welche im Auslande enstaudeu sind und blühen, müssen auch in Frankreich (Gesellschaften iit'S Leben gerufen iverden, unr auch hier die Kenntnis unserer Vergangenheit uitd Gegenwart, unserer Schriftsteller, unserer Denker, unserer (Geschichtsschreiber und ihrer Werke, unserer religiösen Einrichtungen, unserer sittlicheit tlnd philosophischen lehren zu verbreiten. Hierin besteht das wirksamste Mittel, die erschlafften Ge meinde-Mitglieder zur Treue, zlt solidarischem Empfinden zurückzusühren. Der Einladung, einer Unterweisung, einein Vorkrage, einer Darstellung über eine der drei großen Fragen;, die Vergangenheit, die Gegenwart,. die Zukunft des IudentunlS, beizawohnen, werde man gewiß gerne Folge keiften, zumal Sri, Tag, Stunde nach Belieben der Mehrheit der EBnueindentitglieder gewühlt iverden könne. Auch ltzaien, welche durch Wißen und Geschmack dazu befähigt find, können aufgefordert werden, diese East mitzutragen'. Ich bin der Ueberzeugnng, daß »um für das Erschließen des Schatzes nuferer religiösen, lilterarifchen und historischen Reichtümer nur Dank ernten ivürde. Möge der Höchste Ihr Werk segnen und Ihre Anstrengungen mit Erfolg krönen, um die Irrtümer zu beseitigen, die Eieifier zu erleuchten imb i» den Herzen die Liebe zttr Wahrheit uitd zum (''inten zu neuer Eilut anzufachen!" <<'in ittternationales israelitisches Lpital in in Nizza. Ängeregt von der Hoffnung, die verlorene Erwerbsfähigkeit wieder zti erhalten, gedrängt von der Erstickungsgefahr, mit der das kalte Klima den Lungen- und Halsleidenden droht, find sie gezwungen — ohne die materiellen Verbültniffe berücksichtigen zu dürfen — für die Wintermouate die französische Riviera aufzusuchen. Selbstredend konnten die Mittellosen keine Besserung ihres Zustandes erzielen und wurden von Not und Entbehrungen der Vernichtung ausgeliefert. Von diesem Elend gerührt und von Mitleid ergriffen, wurde vor zwei Jahren auf Anregung des Nizzaer Eirandrabbin Meiß in Nizza (Eimiez) ein Haus, welches in der Mitte einej sehr schönen Wartens und in einer dem Zwecke entsprechende,r Eiegend liegt, angekauft und unter dem Nainen „Asile israölite international“ seiner Bestimmung übergeben. Dieses „international"-jüdische Institut, welches kaum 20 Personen beherbergen kann, muß nun erweitert iverden, was aber nur dann möglich ist, wenn unsere Eilanbens- , genossen dieses humane llnternehmen mit ihren mEden Unterstützungen zu fördern geneigt sind. Das Komitee des genannten „Asile israelite intoi national“ betratite mit der Herbeischaffttug von Mittel» für dieses Haus einen Mann, von dessen gutem Eharakter es überzeugt ist und der gegenwärtig zu diesem Zwecke in Wien weilt. Hoffentlich ivird dieses Krankenhaus, da es eine Humanität ersten 'Ranges ist, nach Möglichkeit unterstützt werden. * Israel Jangwilt, der als Dichter trotz seiner jungen Jahre eine'hervorragende Stellung in der englischen Litteratnr einniinmt, hat int Apriiheste der „North Anteriean Review" einen Artikel über die Stellung des Judentums veröffentlicht, der, wenn auch gerade keine neuen Gesichtspunkte aufstellt, doch das, was sich über diese Sache sagen läßt, mit klassischer Eleganz auSdrückt. Zangwill giebt zu, daß das Judentum gleichzeitig Raffe und Religion sei, aber das ist kein Nachteil. Er findet, daß das Ehriftentum sich dem Judentum in negativen Gesichtspunkten nähert; in negativen insofern, als die gebildeten Ehristen, unter ihnen die vornehmsten Theologen den Eilauben an die Gottheit Jesu ausgegeben haben; in positiver Richtung insofern, als für die Erfüllung deS Menschheitsbernfes Thaten in erster Linie erforderlich sind. Jedenfalls ist es eine höchst erfreuliche Thatfache zu sehen, daß im Gegensatz zu Isaak Israeli, Heine und Börne die führenden Geister aus unserer Mitte dein Judentum Verstäikdnis und Interesse entgegenbringen. Kier und dort. — Am 27. April verschied in Ai e i n in g e it der dortige Laudesrabb. Tr. Dessau er nach kurzem beiden. Ter Entschlafene hat diesem Blatte und seinem Herausgeber scbr nahe gestanden, wie er überhaupt jeden Versuch zur Hebung der arg daruiederliegeudeu Sache des Judentums ein reges und thateufreudiges Interesse cutgegeubrachte. Durch einige schön-wisseuschattliche Schriften ist er weiteren Kreisen bekannt geworden, und sein mildes, offenes, von jeder Prätension freies Wesen brachte ihn allen nahe, die ihm näher traten. Lei der am Montag erfolgten Bestattung, an welcher die Spitzen der Staats- Behörden, die Protest, und kath. (Geistlichen der Stadt, die israel. Lehrer des Landes teiluahmen, hielt Herr Kirchenrat Tr. Kroner- Stnttgart aus Berufung der (Gemeinde die Grabrede, während der Großherzogl. Laudrabdiner Herr Tr. Salzer, als 'Nachbarkollege des Verstorbenen und namens des ISr. Lehrer-Vereins 'Mitteldeutschlands den schmerzlichen Verlust betrauerte. Ehre seinem Andenken! .1. 4>. -Aus der Vewegung innerhalb der deutsch-israelitischeu Änltusbeamteuwelt sind an Versetzungen zn melden: die Berufung der Herren Tr. Hannes, Zögling der Hochschule in Berlin, nach Spandau, A. Gottschalk von Lauten nach Esens, I. Nenmaun von Warstein nach Könitz, I. Bloch von Könitz nach Wronke. . -- Aus A n h a lt wird uns geschrieben: Am 27. d. M. hat unser Herzog anläßlich seines Geburtstages den Bankier Herrn N. Herzberg zu Eoethen zum Kommerzienrat ernannt. Herr H. als auch sein Vater Herr Saiuncl Herzberg sind durch ihre Wohlthätigkcit weit und breit bekannt. — 'Man schreibt uns ans S a n de r s l e b e u: Gestatten Sie, daß ich Ihnen von einem Akt mitteile, der in gegenwärtiger Zeit der llnduldsamkeit und Intoleranz besonders erfreulich ist. Ter Prokurist im Bankhanse des Herrn Bleichröder in Berlin, Herr 'iU a r Frank, welcher hicrselbst geboren ist, hat an den Magistrat Hierselbst jährlich namhafte Summen zur Verteilung an Arme ohne Unterschied der Konfession gesandt. Am 24. d. Mts. feierte Herr Frank seinen scchszigsten Geburtstag, aus ivelchem Anlaß ihm auf Antrag des Magistrats mit einstimmigem Beschluß des städtischen Gemeinderats das hiesige Ehrenbürgerrecht verliehen worden ist. Wenn man bedenkt, daß Herr F. Israelit und überhaupt der einzige, welchem bisher der hiesige Ehrenbürgerbriet verliehen, sowie ferner, daß der Antrag nur von Nicht israeli te n ansgcgangen, da im Gemeinderat nur ein Israelit sitzt, so gereicht uns dieses zur besonderen Freude, v. Im Abgeordnetenhaus,: in B n dape st stand die Beratung"des NnntiumS des Magnatenhauses über die Rezeption der israelitische» Religion auf der Tagesordnung. Ter Knltnsminister beantragte die Annahme des Gesetzes in der ursprünglich von dem 'Abgeordneten-