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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-03 · 18 (3.5.1895) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
18 (3.5.1895)
Date
1895-05-03
Page
Seite 283 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18. 5 e I u l u n. Seite 283. werden könne. Nachdem aber Herr Repräsentant Ohiftnu V o eiv enberg erklärt hatte, einen solchen Anträgen der R'eprüsentantenversammlnng zu stellen, zog Herr Seegall seinen Antrag zurück. Die Versammlung am Montagabend im Süden wurde von Herrn ,V e i n b erg, dem „Vater dev Zentral- Vereins", geleitet. In dieser hielt Herr Nevräsentant Leonhard Lachs ein Neferat über'die Snnagogen und Religionsschulen, und suchte die in diesem Blatte erhobenen Vorwürfe des Herrn ,H l a n s n e r .zu widerlegen, wenigstens aber zu entkräften. 'Aach der Rechnung des Herrn Lachs und nicht 10000, sondern nur 3000 Kinder ohne jeden Religionsnnterricht. Dieser Gegenstand erscheint uns so wichtig, daß wir ihn demnächst in einem besonderen Artikel objektiv beleuchtet werden. Auch in diesen beiden Versammlungen wurden die Debatten änderst lebhaft geführt, fast immer provoziert durch das Eingreifen des Herrn Klausner. Ein Provinziale, iit eine solche Versannnlung verschlagen, würde wähnen, eine politische Wühlerversammlnng vor sich zu haben, so scharf sind hier Rede und Oiegenrede, Angriff und Abwehr gewesen. Viel besser jedoch als in politischen war die Leitung in allen diesen jüdischen Wählerversammlungen, die von parlamentarischer Schulung der Präsidenten wie der Zuhörer zeugte. Atich über deit Oiesamteindruck, den die fünf Versanunluugen des Zentralvereins auf den unbefangenen Beobachter gemacht haben, werden wir in einem besonderen Artikel referieren. Am letzten Freitagabend gastierten Vorbeter und Ehor der Lindenstraßen-Svnagoge wiederum in der Reuen Synagoge. Der durch den gemischten Ehor erzielte Eindruck soll auch diesmal ein überaus günstiger gewesen sein. — Es wird hier geflissentlich das Gerücht verbreitet, Herr Redakteur Klausner habe sich mit einer Anzeige au das Kultusministerium gewendet, in welcher er den Gemeindevorsiand der Pflichtverletzung angeklagt und die strafweise Entlassung desselben gefordert habe. Diese Darstellung ist nicht richtig. Herr Klausner hat die Anklage nur in nnferm Blatte, das allerdings iin Kultusministerinm gelesen wird, erhoben, eine Beschwerdeschrist an jene hohe Behörde aber n i ch t gesandt. Die Oberin des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, Fränlein Rose Blau, ist in voriger Woche in ihr neues Amt feierlich eingefuhrt worden. Die Einführungsrede hielt der Vorsitzende des Vereins. Herr Alb. Ph. Meyer, unter Ucberreichnng des von Iran Dr. Frankl gespendeten, an einer goldenen Kette befestigten Vereinsabzeichens, während Iran Kommerzienrat Julie Gerfon-Liebermann namens der Damen und Stadtverordneter Louis Sachs namens des Krankenhauses die neue Eberin herzlich begrüßten. Ans die Feier folgte ein gemeiirsames Abendessen der Schwestern. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen verfügt zur Zeit über fünf anvgebildcte Schwestern und elf Schülerinnen. Man schreibt uns: Die Anmeldungen in den Religionsfchnlen sind diesmal überall weit zahlreicher als sonst erfolgt. Während sonst zum Sommer stets ein Stillstand, wenn nicht gar ein Rückschritt in der Schülerzahl einzntreten pflegte, ist jetzt in säst allen Schulen ersrenlicheriveise ein starkes Steigen derselben zu verzeichnen und diese erfreuliche Dhatsache wird mit vollem Recht zumeist aus die unsere Glanlnmsgenossen ansrüttelnden Alarmrufe in Ihrer Zeitung zurückgesührt. Gar manchem ist durch diese erst die ganze Größe und der Umfang der Gefahr, in der die Zukunft unsrer heiligen Religion sich befindet, klar vor Angen geführt worden. Es wäre gut, wenn jedesnial vor Beginn des neuen Schulhalbjahres solche Weckriife ansgestoßen ivürden. Sie und Ihre Mitarbeiter, geehrter Herr Redakteur, würden sich dadurch ein unschätzbares Verdienst um die Sache des Judentums erwerben. Darum fahren Sie nur fort, furchtlos und treu unsre Fahne hochzuhalten und unerschrocken die Oiefahren, die aus der inneren Leere wider uns heranfzieheit, mutvoll zu signalisieren, unbekümmert um jene Leisetreter und Duckmäuser, die ein festes Mannesivort gleich ins Bockshorn jagt. W- — Die israelitische Volksküch e, Klosterstr. No. 09, hat ihre Thätigkeit am 20. April unterbrechen müssen, um dieselbe nach Fertigstellung des neuen HeinlS Gormannstraße No. 3 wieder zu eröffnen. Die Verwaltung hat im Interesse ihrer Pflegebefohlenen alles mögliche aufgeboten, um Jnterimsräume zu mieten, es war dies aber unmöglich, weil niemand ans Rücksicht ans seine übrigen Mieter, die Räume für diesen Zweck hergeben wollte; selbst in ganz alten Häusern der Reuen Friedrichstraße oder sonstwo, waren dieselben für keinen Preis erhältlich. Es bedurfte großer Blühen mn die Vermieter zu bewegen, wenigstens bis über Peßach den ani 1. April .'e. abgelanfenen Kontrakt zu verlängern, utn die Armen während der Osterfeiertage zu versorgen, und ihnen in gewohnter Weise den Szeder geben zu tonnen. Welch ein Glück, daß die Verwaltung es verstanden hat, in dieser kurzen Zeit des Bestehens außer den großen Leistungen der Freispeisnng so vieler Tausender Armen noch einen Barfond anzuschaffen, der es ermöglicht, an Beschaffung eines eigenen Hauses zu denket!, es hätte sonst dieses segensreiche Institut zu Eirunde gehen ntüfsen. Es war rührend zu sehen, wie noch Tage lang nach Schluß der Küche Arme ganz betrübt immer noch ihre Pflegestätte aufsuchten, nicht begreifend, daß selbe wirklich geschlossen und hoffend es würde ein Wunder geschehen und die Thüren würden sich nochmals öffnen. Uebrigens werben seitens der Verwaltung die armen Studenten versorgt und zwar erhalten dieselben für Küsten der israelitischen Volksküche Mittagessen. * li lieber die A n f l ösnn g d e r j ü d i sch e n V o lk s fch n le in (Hollub wird uns geschrieben: Nr. 17 des Iefchurnn enthält eine Notiz, welche die beabsichtigte Verschmelzung der hiesigen jüdischen mit der evangelischen Schule kurz berichtet. Mit den hiesigen Verhältnissen Unbekannte können durch obige Notiz kein klares Bild von den thatsächlichen Vorgängen erhalten, darum stelle ich Ihnen Nachstehendes zum Abdruck zur Verfügung: Die hiesige jüdische Schule besteht seit dem 10. Oktober 1844 und ist der jüdischen Gemeinde das Anspruchsrecht auf zwei Lehrer, durch Kabinettsordre (König Friedrich Wilhelm IV.), eingeräumt. Die Kosten deü Unterhalts bestreitet, ausschließlich des gesetzlichen Staatszuschusses (bei 2 Lehrern 800, bei einem Lehrer 300 M.), die hiesige Kommune. Ant 1. Januar d. I. wurde die 2. Stelle vakant. Die Regierung ivollte diese Stelle eingehen lassen und sandte einen Kommissar hierher, der in einer gemischten Sitzung der städtischen Behörden diese znm Verzicht auf die 2. jüdische Lehrerstelle veranlassen wollte. Es lag nun in den Händen der jüdischen Stadtverordneten, über das Schicksal der Schule zu bepiinmen, denn die Polen, mit denen sie zusammen die Majorität bilden, wollten für Erhaltung der jüdischen Schule mit 2 Lehrern nimmen. Da der Regierungskommissar sah, daß nichts zu erreichen fein werde, stellte er den Antrag, die jüdische nüt der evangelischen Schule zu verschmelzen. Die jüdischen Stadtverordneten ließen sich verblüffen, denn darauf waren sie nicht vorbereitet, stimmten mit den Evangelischen

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