Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 18 (3.5.1895)
- Date
- 1895-05-03
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. IN. 3 e f c§ u r u tu Seite 279. „Die jiii>. Ziinstzrsktzc" »o» Ralili. vr lüirufr.) 1. Mau müßte wahrlich ein Herkules sein, um den Augiasstall resp. das oben genannte Buch des Herrn Rabbiners Dr. Wiener, dessen eigentümlichen Inhalt wir in Stürze besprechen möchten, von allem in demselben sich befindenden Blendwerk, von aller Verirrung und M'pstisikation säubern zu können! Herr Wiener giebt seinem Buche einen deutschen und einen lateinischen Titel, warum nicht auch einen hebräischen? Wir erlauben uns das von ihm Versäumte uachzuholen und verleihen dem inbaltsreichen Werke den wohlverdienten bebräischen Namen vVrn“! Wir machen kein Hehl daraus und sprechen es gleich im vorhinein aus, die mit großem Ileiße gearbeitete Schrift des Herrn Dr. Wiener erinnert leise an die gediegenen und unsterblichen Werke eines Eisenmenger, Rohling, Justus u. s. w. Dieselbe glühende Liebe zur Wahrheit, dieselbe flammende Begeisterung für die Religion, für den Erlauben unserer Väter, dieselbe Ehrfurcht vor den Weisen und Lehrern Israels, mit einem Worte, dieselbe edle, lautere Gesinnung gegen alles, was dem Judentum hoch und heilig! Was ist denn das eigentlich Verwerfliche an den Schriften eines Rohling, Justus u. s. w? Sie reißen in ihrer bodenlosen Unwissenheit aus der nach Jahrtausenden zählenden, überreichen Litteratur des Judentums einige Stücke heraus, die dem Scheine nach rätselhaft, dunkel oder verfänglich, und suchen kraft ihres Hasses und ihrer Verachtung gegen das Judentum, diesen Sätzen eine willkürliche — vor dein Richterstuhle der Wahrheit absolut unhaltbare Deutung zu unterschieben, um das Judentum zu verhöhnen und zu erniedrigen, es in den Rot zu zerren, die alten Weisen und Lehrer des Judentums aber als eitle Narren hinzustellen. Und was thut der ehrwürdige und gelehrte Rabbiner in seinem Buche über „Die jüdischen Speisegesetze"? Er zitiert eine talmudische Stelle nach der anderen, die er in den meisten Fällen aud) nicht im entferntesten in ihrer ganzen Tiefe erfaßt, und anstatt, wie es einem bescheidenen Talmid Ehacham vom Range des Herrn Dr. Wiener geziemt, zu fragen, sich belehren und unleriveisen lassen, handelt er wie einer der „vier Söhne" in der Hagadah fragt einzig und allein: sc* E2", 22" rar: mzy.“ „Wozu sollen Euch diese Thorheiten und Albernheiten im jüdischen Speisegesetze! Warum nicht „Hinterviertel" essen, ivarum sich nicht einen feinen Rinderbraten in Butter geschmort wohl schmecken lassen! Und Ihr edlen jüdischen Tranen, habt Ihr nicht's anderers zu thun, als das blödsinnige „Aussalzen und Auswässern" des Fleisches zu beobachten, brennt, lodert nicht mehr das „ewige Teuer" der Liebe auf dein Altäre Eures Herzens, wollt Ihr Eure Männer und Binder töten, indenr Ihr das saftige, trnstsprühende Fleisch durch das unsinnige „Aussalzen und Bluswässern" in leeres Stroh umwandelt? Herr Wiener verhöhnt und verspottet die unsterblichen Herren des Judentums, die ewig leuchtenden Sterne am Himmel Israels, und nachdem er also den unveriiegbaren Born, den Stolz und die Zierde des jüdischen Volkes, den Talmud und die Lehrer des Talmud dem Hohn und der Verachtung preisgegeben, wäscht er seine Hände in Unschuld und fordert zur Beschickung einer Synode, zur Verherrlichung und Erhaltung, zur Stärkung und Kräftigung des Judentums auf! Wie gerne würden wir dem Rufe "des fronuuen, greisen Rabbiners folgen! Was kann die Phantasie Schöneres ausdenken, wer möchte nicht den goldenen Tag erleben, wo 2—800 Rabbiner, wir meinen die Mitglieder der von Herrn Dr. Wiener berufenen Synode, nach gethaner schwerer Arbeit, sich zu einem Diner oder Souper versammelten, jeder Rabbiner ein gedrucktes „Menu" etwa folgenden Inhalts in der Hand haltend: l) „ungeschlachtetes" Beefsteak, 2) „unansgesalzenes" Hinterviertel, -) Kalbsbraten in Butter, 4) „Spannader" in Margarine- Sauee, 5) Milch, Sahne, Läse und diverse Rompots. Wer kann sich etwas Schöneres, Erhabenderes denken als eine solch fromme, fürs Judentum begeisterte und die „Speisegesetze" des Herrn Dr. Wiener streng beobachtende Synodal-Verfammlung? Wie gerne würden wir dem Rufe folgen! können wir aber folgende Bedenken unterdrücken? Maimonides (Hilchot Mamrim D. 8. H. 2) sagt: „So es offenbar ist, daß jemand die mündliche Lehre leugnet, wird er betrachtet wie irgend ein Epiknräer, wie ein Leugner der Göttlichkeit der Thora, wie ein Verräter, diese alle zählen nicht m e h r z u r G e in e i n s ch a f t Israels"! Wir fragen nun, wie kann Herr Dr. Wienerin seiner Eigenschaft als Rabbiner einer jüdischen Gemeinde, wie können die 200 Rabbiner die jene „Erklärung" unterschrieben, Teil nehmen an einer Synode, deren Urheber ein Mann ist, der nach Maimonides kaum mehr zur Gemeinschaft Israels gehört, der >ücht mehr .."Sir1 VV22“ ist? Der Talmud (Synhedrin 09 a) sagt: "2asn r,*2"r; 22" ,2" -2"22>" p mir vs Derjenige ist ein Verächter des Gotteswortes, der da sagt, die Thora, sei es die schristftliche oder die mündliche, ist nicht von Gott." Wie kann ein Herr Rabbiner Dr. Wiener, wie können jene zweihundert Rabbiner sich um eine Fahne scharen, die ein Mann entrollt, der in solch' himmelschreiender Weise das Wort Gottes verachtet" Wir sind weit entfernt uns mir Herrn Wiener in eine Diskussion über die Göttlichkeit der mündlichen Lehre einzulassen, ein Spötter und Verächter des Talmud vom Kaliber Wieners ist nicht zu überzeugen: aber die „Wahrheit und (Gediegenheit" seines das Andenken ZunzensG entehrenden und entweihenden Buches möchten wir beleuchten und vor aller Welt enthüllen, damit es sie auch nach Gebühr zu würdigen wissen! Feuilleton. Entgleist! Eine galizische Erzählung von Wilhelm J-cldina u. VIII. Nachdruck verboten. Von diesem plötzlichen Schlage verblüfft und betäubt, konnte Rlara durch eine längere Zeit nicht zu sich kommen- Der Vater mit Herrn Moses hatten ihr Zimmer bereits ver- Breslau IH'jö. Schlei. Buchdruckerei und Berlagsanüalt besprochen von einem bckannleu konservativen Rabbiner, der am Schlüsse der Artikelserie zeichnen wird. Red. ) Auf dem Tiielblakte wird mitgcleilt, daß das Buch mit Unter» stnpnng der ftnnzttistnng ediert worden sei.