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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-03 · 18 (3.5.1895) · p. Seite 277

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
18 (3.5.1895)
Date
1895-05-03
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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Oir. 18 3 o f cf) ti r u n. Seite 277. zu erreichen. Sch null es nad) .Urafteu hindern, und die j Scanner des ^eiitralnereincs in ollen es gl riech mir. Und in dielen, .dumpfe sollte ich Empfindlichkeiteit schonen? Nein, das tverde ich nicht! Ich inill vielmehr alle Empfindlichkeiten ttwckett nnd alle Empfindungen zu Hilfe rufen, damit nicht in der Stille das Verderben fortfchreite, damit Alle, die mit mir gleicher Gesinnung find, die (Gefahr erkennen, in der das Judentum durch die Schuld feiner Berliner Vertretung fchiveln, nnd das schon erstarrende zu neuem Veben erivecken. Zcl> zweifle nicht an dem (Gelingen. Doch bliebe auch der Erfolg versagt ich lieche nicht nach, und die Sieger würde ich nicht beneiden, noch die (dotier verehren, die solchem Siege geläcbelt. üktliucr lirirfr. u) Die Privatgemein den. Vorbemerkung der Neda kt io n. Wir sehen uns veranlacht, gleich am Eingang dieser polemisch - iatyrifchen Briefe zu koustatieren, dach die hier uiedergelegten Ansichten sich nicht in allen Punkten mit den unsrigen decken, Rach der gegenwärtigen vage der Verhältnisse in Berlin, wo an hervorragenden fetten die Snnagogennot ungeheure Dimensionen anninimt. und die Privatsynagogen nicht allein unentbehrlich, sondern geradezu ein Segen für die Mitglieder der (Gemeinde. Die Veröffentlichung dieser Briese, die ein grelles 'eicht werfen auf einzelne Michstände innerhalb einzelner Privatgemeinden, erfolgt aber, um durch sie zu wirken nach innen nnd nach außen. '.Und) innen: damit den an den Privatgemeinden angestellten Beamten eine menschenwürdigere Behandlung zu teil tverde, nnd nach außen: damit ntancher Beamte des Judentums in der Provinz von feiner Sehnsucht nach Großstadtluft geheilt tverde. I. Vielter .dollege! Sehr erfreut hat mich Deute letzte Meldung, dach Du, wenn auch :nit schwere»'. Herzen, Dich endlich entschlosseit hast. Deine Bewerbung um den ausgeschrieben Schainmesvosten bei der Privatgenteinde X. in Berlin zurückznziehen und dem Spruche „Bleibe im Vande und nähr-' Dich redlich", treu ztt bleibeu. Du bin nun von dem Schamtnesfieber kuriert und verlangst von mir als 'Nachkur die Schilderung Berliner Privatgemeinden, die sich ja grocher Beliebtheit zu erfreuen fcheinett. Du willst ihr Veben und Treiben, ihr Sinnen ttnd Trachten kennen lernen. Du willst wissen, ob bedeutende Männer sie gegründet ttnd ob solche an der Spitze stehen, ob die Sondergemeinden besondere Sekten bilden, wie sie entstehen ttnd wie groch ihre Zahl ist? Entschuldige, guter Treund, tveun icch diesmal, gegen jede Regel, die letzte /frage zuerst beantworte. Meine Brille ist mir. eben kaput geworden und icch will die yteinen Angen aut ttäck)sieu liegendett Worte ohne besondere Muhe und Beschwerden lesen ttnd beanttvorlen. Ist Dir die Iaht zehn aus dem jüdischen Schristtunt bekannt? Es gab zehn Bundesworte, zehn Wttnder find unserit Vorfahren am Schilsnteere geschehen, zehn Prüfungen besiattd Abraham, durch zehn Worte wurde die Welt geschaffen uud es gab endlich auch zehn egyptiscche Plagen. Du weicht nun ,oie bedentnnfwvoll die Ja hl zehn ist und nur ft leicht erraten, wie viel 'Privatgemeinden wir sin Berlin haben; ich tünch jedock) hinzusügen, dach diese nicht zu den Sehenü- und Merkwürdigkeiten Berlins gehören. Mit dieser Trage wäre" wir also rasch nnd ganz fertig. Schwieriger schon ist die vorletzte Trage: „Wie entsteht eine Privatgenteinde in Berlin?" die wir jetzt zu beantworten haben. Diese Trage kann auch nur ich, nur ich, und am allerbesten ich, der ich seit Jahren itt Fühlung und Verkehr mit Sondergetneinden siehe, ich, der ich feit Jahren als Beatnker — ich bin ja, wie Du weicht, selbst Schammes — angesiellt biu, ich, der id) das Entstehen, Wachsen, Gedeihen und Blühen mit ureigensten Augen mit angesebett, ich, der ich unzähligen Gemeindesitzungen beigewohnt, wenn auch oft nur int Nebenzimmer oder hinter der Thür, ich, der ich mir schmeicheln kann, den Gedankettgang meiner Gemeindemitglieder ntessen, wiegett und zählen zu können, nur ich weich Bescheid in allem, nur ich kann aus alles aukworteit, nur ich kann ttach Wunsch über alles Auffchluch geben. Aber Dtt erschrickst, Freund, wirst bleich und rufst verwundert aus: Auch Du, Brutus? Du hast ja Weib und .dind, wovon leben die denn? Oder rufst Du wie jener Napoleonische Grenadier aus?: „Vach sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind". Guter Treundreg' Dich nicht auf und werde nicht blach und ball' nicht die Faust uud reun' nicht Thür' und Wände ein, es nützt Dir uicchts. Du utußt Dich gedulden, und das um so mehr, als ich bei der Beanktvortung der vorletztett Trage bin: Wie entsteht tu Berlin eine Privatgemeinde? Zu Deiner Beruhiguttg will ich jedock) vorher ganz kurz bemerken, daß bei einer Privatgenteinde das Gehalt Privatsache oder rick)tiger Nebensache ist, es kommt sogar vor, dach eine Privatgemeinde gar nicht bezahlen will. Ich bekomme nicht viel und tröste tuich damit, daß der Rabbiner und der Ehasen auch nicht viel mehr bekommen. Die Weisheit des Vorstandes diktiert, daß bei der Ausschreibung einer Stelle g e slissent li cki kein Gehalt angegeben werde, jetzt lausen eilte Anzahl Meldungen eilt und wieder ii> es die Weisheit des Vorstandes, der mit scharfem Blick den hinausgreist, der atu besten geeignet ist, der Gemeinde ztt nützen und ihr recht viel einzubringen. Und wieder fährst Du erstaunt aus: Was hat ein Beamter mehr zu lhun, als fein Antt zu versehen, was geht ihn das Ein¬ oder Ausbringen der Sondergemeinde an? Geduld, Treund, bring' mich nicht mit Deinen voreiligen Fragen in Verwirrung, lach titick) ettdlich die Trage beantworten: Wie entsteht eilte Privatgenteinde itt Berlin? x. Dir,.Öcttifpiuj. Von Matthias Acher. IV. Palästina ntttch es sein! — ist die Parole der Zionisten. Eine anfangs innerhalb der Partei hervorgetretene Gegenströmung, welche das künftige territoriale Zentrum des jüdichen Volkes in der neuen Welt suchte, konnte sich nicht behaupten. Die Zionisten entkräften die gegen die Wahl Palästinas erhobenen Einwände, dach dieses Vattd früher oder später Rußland znsallen tverde, oder daß die christliche Welt dett Boden, ans welchem sich das heilige Grab besindet, dett Juden nicht überlassen tverde, mit dem Hinweise aus den Rückgang der absolutistischen uttd kirchlichen Idee. Den hie und da gemachteit Etnivtirs, Paläsiiita sei, atich meint man die allerdings sehr spärliche gegetttvärtige Bevölkerung nicht in Betracht 0760

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