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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-04-27 · 17 (27.4.1895) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
17 (27.4.1895)
Date
1895-04-27
Page
Seite 266 (sequence 6)
Language
German
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„Gamala“, Prag einen Stnbentcnueretn „Maccabaea"-, nnb Ezernowitz, bas man in Bezug auf stnbentisches lieben trotz seiner geographischen Lage zu Westösterreich rechnen muß, einen Stubentenverein „Lasinoiiasa". Alle Stubentenvereine — vielleicht mit einziger Ausnahme bei- „Gamala“ — billigen in nationalen, politischen nnb sozialen Fragen eine opportunistische Politik. So treten sie z. B. bem Antisemitismns nicht mit der Gleichgiltigkeit bes ursprünglichen Zionismus gegenüber, soubern wahren wiber ihn ihre Volksehre mit bem Degen in bei Hanb. Zumal bie „Kabimahner" haben sich ben Rus sehr streitbarer nnb fechttüchtiger junger Herren erworben, bie sich ein Vergnügen baraus machen, mit ben Jüngern Schönerer's zu „steigen". Die opportnnistische Gesinnung ber westösterreichischen Zionisten äußert sich auch in bem österreichischen Kolonisationsverbanbe „Zion", inbem berselbe, soweit er außerhalb Galiziens wirkt, ben nationalunb sozialpolitischen Gehalt ber Palästina-Kolonisation in ber bescheibenen Hülle ber Wohlthätigkeit verbirgt. In Galizien stehen bie Dinge wesentlich anbers. Aehnliche kulturelle unb wirtschaftliche Verhältnisse, wie in ber russischen Jubenheit, mit ber es auch ben hohen Bevölkerungs- Prozentsatz gemeinsam hat, anbererseits bie größere politische Bewegungsfreiheit, — burch bieses Zusammentreffen war bie Richtung bes galizischen Zionismus gegeben. Er nahm notwenbigerweise ben Charakter einer politischen Partei mit einem genau formulierten unb offiziell verlautbarten Parteiprogramm an. Dasselbe ist ein boppeltes, ein äußeres unb ein inneres obet LanbeSprogramm. Das erste hat bie Wieberbesetzung Palästinas burch Juden, bas zweite bie Wahrung ber nationalen, kulturellen, politischen unb ökonomischen Interessen ber Juben im Laube zum Inhalt. Beiden Zwecken bienen jübische wissenschaftliche und hebräisch-sprachliche Bestrebungen, welche von einer Art von Knltnrvereinen, — ber erste nnb bebeutsamste unter benselben ist „Zion" in Lemberg — ausgehen. Der materiellen Seite ber Kolonisationssache sinb eine Reihe von Ortsgruppen bes bereits erwähnten österreichischen Verbanbes „Zion" bienstbar. Riit ben innerpolitischen Angelegenheiten beschäftigt sich bie in Lemberg befinbliche Parteileitung unb ber neugegrünbete jübisch-nationale politische Berein für Galizien unb Bukowina. Im ganzen betrügt bie Zahl ber galizischen Vereine mit national-jüdischer Tendenz ea. 40. Die Parteipresse besteht in brei Zeitschriften, einer polnischen Halbmonatsschrift „Przy.slosc“ („Zukunft"), einer hebräischen Halbmonatsschrift „Hasaron“ nnb bem „Jübischen Wochenblatt" in jübisch-beutscher Munbart. Es wirb auch eine sehr lebhafte Agitation burch Wanberrebner betrieben. Die Frauen unb Mäbehen werben immer mehr in bie Bewegung hineingezogen; in Lemberg wirkt bereits ein zionistischer Frauenverein „Deborah". Die Partei hielt bereits zwei Delegiertenversammlnngeil ab. Die zweite sanb im September 1804 statt nnb war von 70, teils strenggläubigen, teils freigeistigen Delegierten aus allen Teilen bes Laubes beschickt Sie hat sehr interessante Beschlüsse gefaßt, burch welche sich bie Partei politisch aus ben Stanbpunkt rabikalster Demokratie stellt. Es wurde bie Beteiligung an allen politischen Wahlen beschlossen unb es unterliegt keinem Zweifel, bas; über kurz ober lang zuminbest ein ober zwei zionistische Abgeorbnete in ben österreichischen Reichsrat nnb ben galizischen Lanbtag einziehen werben. Die Einigkeit in ber Partei ist burch die Erklärung ber Religion als Privatsache vorläufig erhalten worben. Zur.allgemeinen sozialen Frage, resp. zur sozialbemokratischen Partei ist offiziell noch nicht Stellung genommen doch ist von ben Führern bekannt, baß sie persönlich zumeist aus sozialistischem Staubpunkte stehen. In bem polnischen Parteiorgan, welches eine sehr scharfe gesellschastskritische Sprache führt, sinb sogar Ausfälle gegen bie reichen Juden unb gegen — bourgeoise Hanblnngsweise nicht selten. Aber bavor, aus ihren sozialistischen Allüren bie Schlußkonsequenz zu ziehen, nämlich etwa ben Zionismus als eine Bewegung des jübischen Proletariats gegen bie jübische Bourgeoisie zu proklamieren, schrecken bie Führer zurück. Man hört sie oft die Entfesselung ber Klassengegensätze innerhalb ber Jnbenheit als ber Ausbreitung ber zionistischen Jbeale gefährlich erklären, jebensalls rechtfertigen sie den Bestand einer besonderen zionistischen Partei burch den Hinweis aus die Anomalie eines Volkes ohne völkerrechtlichen Schutz gewährendes Heim, — eine Anomalie, bie auch im sozialistischen Zeitalter, welches die Rationen nicht beseitigen werbe, als solche gefühlt werben. Darum müsse die Jubensrage, gerade im Interesse der sozialen Sache, eine gesonderte Lösung erfahren. Weniger organisatorisches Talent als die anderen osteuropäischen, zeigten die rumänischen Zionisten. Zwar erreichte die Bewegung gleich nach ihrem Beginne in Rumänien gaitz bedeutende Dimensionen, schlief bann aber wieder vollständig ein. In der letzten Zeit werben lebhafte Bemühungen gemacht, um die Sache wieder in Fluß zu bringen. Eine Organisation der Kolonisationsvereine ist durchgeführt, und es erscheinen zwei zionistische Zeitschriften in jübisch-beutscher Mnnbart. Zn die übrigen Balkan länber ist mit Ausnahme Bulgariens, wo kleine Anfänge vorhanden sind, die Zionsbewegung fast gar nicht gedrungen. Ebensowenig hat sich, anS übrigens leicht begreiflichen Gründen, in der europäischen Türkei eine Parteigruppe gebildet, obwohl unter den dortigen Juden die Sympathien für die Sache die größten sind. Umsomehr ist Palästina selbst, bas Mekka der Bewegung, in ihren Kreis gezogen. (Schluß folgt.) Trachte» der Aide» im itlittrtoltfr. Wenn wir unsere nach neuester Mode und im reichsten Lurus gekleideten Damen, wenn wir unsere an Eleganz und Schmuck ihre christlichen Mitbürger noch überbietenben jungen Herren betrachten, so drängt sich uns tinwillkürlich die Frage ans: War es ehedem wohl ebenso im deutschen Reich, oder ist diese Prunk- und (Gefallsucht nur ein — ich möchte sagen, krankhafter Zug unserer Tage? Leider fließen die Ouellen, welche diese wahrlich nicht aus Neugierde ausgeworfene Frage beantworten könnte, nur sehr spärlich; Mobezeitungen und.Journale ans der Zeit des Mittelalters sind uns nicht ausbewahrt, und wären sie auch — von den Zuden wurde in dieser Beziehung wenig Notiz genommen. Es mag dies der Vergangenheit' sehr zu Nutzen kommen und ihr den Namen der „guten, alten Zeit" vielleicht mehr zuwenden, als sie es verdient. Hiermit soll keineswegs der Atlswanb, une er in der Jetztzeit sich kunbgiebt, entschuldigt iverden, in einer solchen auffallenden und mit Recht oft gegeißelten Weise haben es unsere durch die Umstünde an Einfachheit und Schlichtheit gewöhitte» Altvordern aus beutjchem Boden nicht getrieben, wiewohl auch sie im großen und ganzen ihrer Zeit Rechnung getragen haben. Die jüdischen Frauen kleideten sich während des Mittelalters schlicht nnb recht wie

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