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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-04-19 · 16 (19.4.1895) · p. Seite 256

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
16 (19.4.1895)
Date
1895-04-19
Page
Seite 256 (sequence 12)
Language
German
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Seile 256 5 f f u r u n. Nr. 16. Vorstand der (Gesellschaft der Freunde aus weitere 5 Jahre zu verlängern jedoch mit der Maßgabe, daß in Zukunft die Abgabe für Garderobe beseitigt wird, ebenso mit den Direktoren der Philharmonie für -die aus 6000 Mark erhöhte Mietssumme. Neugemietet werden zunächst aus 1 Jahr die Keller'schen Festsäle in der Koppenstraße für eine Jahresmiete von 1500 Mark mit dem Vorbehalt der Verlängerung des Mietsvertrages auf weitere 4 Jahre. Der Synagogen - gemeinde Charlottenburg wird die bisher bezogene Subvention von 7000 Mark auch für das Etatsjahr 1895-96 bewilligt. Der letzte Punkt der öffentlichen Sitzung „Abänderung des Gemeindestatuts" wird auf Vorschlag des Herrn Landsberger vorläufig vertagt, da die Vorbereitung in der Kommission noch nicht beendet ist. Damit schließt die öffentliche Sitzung. — Fro mme Wünsche. In den Festwochen wird gewöhnlich das Interesse der Mitglieder aller Gemeinden ein wenig reger, und da kommt manches zur Sprache, was innerhalb der Gemeinde gewünscht oder nicht gewünscht wird. Da nun die Mitglieder der hiesigen Gemeinde nie Gelegenheit haben, die Vertreter der Gemeinde in öffentlicher Versammlung zu interpellieren, so wenden sie sich mit ihren Wünschen an die jüdische Fachpresse, und wie es scheint in den meisten Fällen: an uns. Wir werden darum fortlaufend Zuschriften dieser Art hier veröffentlichen. Aus einer ganzen Reihe von Vorschlägen und Wünschen geben wir heute nur zwei wieder. Der eine wünscht, daß in dem allwöchentlichen Anzeiger, den Gottesdienst betreffend, auch der Name des amtierenden Vorbeters angegeben werde, damit er dem Vorbeter seiner Wahl nachgehen könne. Ein anderer findet der Würde des Gottesdienstes nicht entsprechend, daß der Chor und namentlich der Dirigent mit seinem nimmer rastenden Taktstock in der Neuen Synag. sichtbar ist; hierdurch mache das Gotteshaus den Eindruckeines Konzertsaales. — Da diese Ausstellungen berechtigt sind, so mögen die Konsilien einschreiten. — Zu dem diesjährigen Peßachfeste wurden von Seiten der Armenkommission der hieß Gemeinde 822 Ctr. Mazzot verteilt. — Unsrer Berliner Vereinstasel reihen wir heute noch einen Verein ein: den Humanitäts-Verein für Gew er b e treibend e. Dieser Verein ist der älteste dieser Art — er ist 1868 begründet — und einer der bestsitnierten. Gegen einen Jahresbeitrag von Mk. 12 gewährt der Verein seinen ordentlichen Mitgliedern ärztliche Behandlung und Medizin kostenlos sowie Krankengeld bis 80 Mk. wöchentlich, dreizehn Wochen lang. Ehrenmitglied des Vereins wird man durch Zahlung eines einmaligen Beitrages von 100 Mk. n. Eine bemerkenswerte (Entscheidung des Herrn Justizministers teilt uns der Vorstand der israel. Gemeinde in Inner mit. Eine jüdische Strafgefangene, welche im dortigen Zuchthaus interniert ist^ sollte am 9. April er., als am ersten Peßachtage, vor der Strafkammer zn Breslau behufs Vernehmung vorgeführt werden. Zn Anbetracht des Festtages wurde der Kultusbeamte Herr Feibel, der gleichzeitig Seelsorger der jüdischen Insassen ist, durch die Direktion bei der Strafkammer vorstellig, um eine Verlegung des Termins zu erwirken, wurde aber ohne weiteres mit seinem Anträge abgewiesen. Daraus wandte sich, wenige Tage vor bent Fest, Herr Feibel unter Angabe derselben Gründe direkt an den Herrn Justizminister und bat um Verlegung des Termins, und am 8. dies, abends traf eine Depesche von der Staatsanwaltschaft zu Breslau bei der AustaltS-Direktion ein, des Inhalts, daß der Termin aufgehoben fei. Die Direktion gab sofort dem Herrn Feibel davon Kenntnis. * Wir bringen oft ausführliche Berichte über Ehrungen, die einzelnen geistlichen Leitern des Judentums erwiesen werden; der Abwechselung halber lassen wir einen Bericht über die Ehrung eines weltlichen Vertreters nuferer Glaubensgenoffenschast unverkürzt folgen, obwohl der Bericht im wesentlichen nur ein lokales Interesse hat. Alan schreibt uns nämlich aus Ortelsburg: Eine schöne und erhebende Feier war es, die unsere Gemeinde am Abend des 27. v. M. zu Ehreu ihres bisherigen 1. Vorstehers, des von hier scheidenden Herrn Rechtsanwalt Guttseld veranstaltete, der nunmehr seinen Wohnsitz in Berlin genommen hat. Jahre hindurch hat er segensreich an der Spitze der Gemeinde gestanden, mit seltener Hingebung für ihr Wohl sich gemüht, sie nach innen und außen gefördert und gefestigt und so durch seine mannigfachen Verdienste um unsere Gemeinde, besonders um unsere neu erbaute prächtige Synagoge, sowie durch sein echt jüdisch fühlendes Herz und sein edles Wesen die Liebe, die Hochachtung und Verehrung unserer Gemeindemitglieder in hohem Maße sich erworben. Es hielt es daher jeder für eine angenehme Pflicht, an der dem Scheidenden zu. Ehren veranstalteten Abschiedsfeier sich zu beteiligen, und so war denn die Zahl der Erschienenen sehr beträchtlich. Eingeleitet wurde der Festakt durch das Maariwgebet, worauf ein Festmahl folgte. Während des Mahles überreichte unser nunmehriger 1. Vorsteher Herr I. Salinger im Namen der Gemeinde dem Gefeierten einen kunstvoll ausgeftthrten, mit entsprechender Widmung versehenen Pokal, begleitet von warm empfundenen, die Verdienste des Scheidenden würdigenden Worten. Sicht- ■ lich bewegt dankte Herr Rechtsanwalt Guttseld für die ihm erwiesene Ehre, hob n. a. besonders den Frieden und die Eintracht hervor, die in der hiesigen Gemeinde seit jeher herrschen, so daß die Erfolge seiner Bestrebungen als Vorsteher nicht allein ihm, sondern auch jedem Einzelnen in der Gemeinde zuzuschreiben seien. Das Geschenk, das ihn stets an seine lieben Drtelsburger Glaubensbrüder erinnern werde, sehe er als für ihn etwas sehr Wertvolles, gleichsam als erste greifbare, köstliche Frucht seiner Bemühungen an, über die er, wie - nach Vorschrift über jede neue Frucht, das Schehechijanu zu sprechen sich verpflichtet fühle. Darauf füllte er den Pokal und sprach nach dem üblichen Segenspruch Schehechijanu, um alsdann mit einem Hoch auf die Gemeinde zn schließen. — 'Nachdem auch der Vorsitzende der Repräsentanten iin Namen seiner Kollegen für all das Gute, das Herr Rechtsanwalt Guttseld in der Gemeinde gestiftet, diesem dankte, ergriff der Lehrer der Gemeinde das Wort, worin'er nicht allein ans das große Interesse hinwies, das der Scheidende für feine Gemeinde gehegt, sondern besonders noch sein warmes Empfinden für das Judentum und sein wackeres Eintreten für die Zndenbeit betonte, und schließlich noch sein wahrhaft wohlwollendes Verhalten als Vorsteher den Beamten gegenüber hervorhob. —7 Abermals erwiderte Herr Rechtsanwalt Guttseld, berührte sein Streben als stellvertretender Vorsitzender des ostpreußischen Synagogenverbandes und versicherte, stets dein Judentum:' zu bleiben, was er ihm gewesen: ein ireuer Anhänger und Verteidiger desselben. —' Befriedigt in jeder Weise und im Bewußtsein, Ehre gegeben zu haben, dem sie gebührte, verließen die Festteilnehmer gegen Mitternacht den Saal. — Am darauffolgenden Sabbat, dem letzten seines Hierseins, besuchte der

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