Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 16 (19.4.1895)
- Date
- 1895-04-19
- Page
- Seite 253 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. § c f d) u r u n. Seite 253. schärfen wollte, stets des Bekenntnisses von nu eingedenk zu sein. Auch die von mir angeführten Beispiele vereinigen sich mit dieser Deutung der Zahl 13. Wer die Gebote des Ewigen übertreten und gleichsam den Einzigen verleugnet hatte, erhielt 3 mal 13 Schläge, damit er zur Rückkehr zu Ihm erweckt werde, dessen Namen 13 in Zahl hat. Und da die Zizith bestimmt sind, an die Gebote des Einzigeinigen zu erinnern (4. B. M. 15, 39), so soll an denselben die Zahl 13 erkennbar sein, welche diesen heiligen Namen andeutet; endlich waren (Sukkah 55 d) die Brandopfer des Laubhüttenfestes zu Sühnopfern für alle Völker bestimmt, und mit Recht würde daher mit der Zahl 13 begonnen, gleichsam auffordernd: Kommt herbei, alle Bewohner des Erdballs, und bekennet Den, dessen Name ist “ins* der Einzige. Und nun, wenn das Bekenntnis der Einheit Gottes der Sinn der Zahl 13 ist, so ist es wohl erklärlich, weshalb auf demjenigen Glaubensgebiete man diese absolute Einheit noch nicht zugiebt, diese Zahl des Symbols der absoluten Einheit gescheuet wird; Ihr aber, Inden von Geburt und Erziehung! wie kommt ihr dazu, diese Zahl zu scheuen? immerhin traget ihr doch noch das heilige Bekenntnis des iriK im Herzen, immerhin würdet ihr die Verehrung des Einigeinzigen nur keinen Preis mit irgend einem andern Glauben vertauschen, o, so scharet Euch denn lieber um diese bedeutungsvolle Zahl, gehet voran, die große Verheißung zu erfüllen: „An jenem Tage wird der Ewige als "inn der einzige Gott erkannt werden, und auch was sein heiliger 'Name bedeutet, Einigeinziger für alle Welt. Sch. Feuilleton. Entgleist! Eine galizischc Erzählung von Wilhelm Feldman. Nachdruck verböte». (Fortsetzung). VI. Josef, über das Ausbleiben seiner Tochter beunruhigt, verwünschte im Geiste den Geistlichen und Sophie, und gab sich das Wort, nie mehr Klara zu gestatten, daß sie den Pfarrer besuche, damit ste sich nicht dessen schändlichen und gottlosen Einflüssen anssetze. Er ließ das aber an seinen! Aeußern nicht merken, sondern saß lächelnd und wohlgemut im Gesellschaftszimmer beim rein gedeckten Tische und unterhielt seinen Gast. Das schien and) kein alltäglicher Gast zu sein, denn es wurden heute auserlesene Speisen aufgetragen; das Besteck war aus Silber, am Tische glitzerten silberne Leuchter, Josef wies dem Gaste den ersten Platz an und behandelte ihn sehr höflich, ja respektvoll. Fortwährend war er um ihn beschäftigt^ ihm bald Wein einschenkend, bald einen Teller mit „Sabbatfischen" reichend. Die Zubereitung dieser, unter den Halb-Herren der Umgegend als ausgezeichnete und rare Spezialität geltenden Fische, bildete die Basis von Ebaje'S Renommee und Popularität. Der Gast aber schien kein stark ausgebildetes gastronomtfches Gefühl zu besitzen, er trank wenig, aß noch weniger und plauderte mit Josef über Geschäfte und Politik. Bald streichelte er hintereinander den roten auf seinem dunkelblonden, ovalen Gesichte wie zwei feurige Halbmonde glänzenden Backenbart, bald spielte er mit seiner schweren goldenen Uhrkette und — gähnte verstohlen. Endlich meldete die Magd leise, daß das Fräulein zurückgekehrt sei. Hastig entschuldigte sich Josef bei seinem Gaste, daß er ihn für einen Moment verlasse und begab sich nach dem Alkoven seiner Tochter. Sie lag da auf dem Sopha, die Hände über dem Haupte verschlungen und seufzte schwer, vor sich hinstarrend. „Wo warst Du bis jetzt", fragte Josef strenge. „Du hast vergessen, daß ich Dir befahl . . . daß ich Dich ersuchte, zum Abendessen nach Hause zu kommen? Ist doch heute Samstag!" — „Ja, heute ist Samstag", wiederholte Klara mechanisch. — Josef aber bemerkte nicht ihre Aufregung und Zerstreuung und ergriff ihre Hand. „Komm, mein Kind, wir haben einen Gast, den Du übrigens kennst." Klara folgte mechanisch. Sie betrat das Gesellschaftszinnner. Bei ihren: Erscheinen erhob sich der Gast rasch und verbeugte sich gewandt mit dem Aufgebot der Galanterie eines Handlungskommis. „Ich habe doch die Ehre Ihnen, mein Fräulein, bekannt zu sein", begann er ans deutsch. Aus ihrem Nachsinnen gerissen, kam Klara bald zu sich. „Wer ist das? Wozu hat mich der Vater hergeholt", fragte sie sich im Geiste, und laut erwiderte sie aus polnisch: „'Nein, ich erinnere mich nicht." - „Wie?" mengte sich Joses, wahrscheinlich aus Höflichkeit für den Gast in deutscher Sprache ins Gespräch, „wie, Du kennst nicht den Herrn Moses?" „Habe ich doch", fügte der Herr Moses zu, „inehr als einmal bereits die Ehre gehabt. Sie in: Hause Ihres Oheims und nieines achtbaren Chefs zu sehen." „Ah, so", war Klara's Antivort, welche sich nicht erklären konnte, welchen Zweck die Anwesenheit des Herrn Moses, der die rechte Hand des Oheims in: Geschäfte, sein Hauptkassierer und Buchhalter war, in Malince haben mochte. Uebrigens war ihr das gleichgiltig. — Sie nahm am Tische Platz. „Ich danke Dir, 'Mutter," sprach sie zu Chase, welche ihr ein Stückchen besalzener Challe (Sabbatbrot) und einen Teller mit Fischen hinschob, „ich lverde nicht essen." „Warun: wirst Du nicht essen? War::»: »nächst Du ::icht mauze?" rief Chase geärgert. „Ist doch heute Schnbbes". Auf einen Wink des Gatten, hielt sie in ihren: weitern Redeflüsse, niit ivelchenr sie ihre Tochter überschütten wollte, inne und begann die Teller zu rucken. Josef verbesserte sich auf seinen: Sitze, Klara saß still mit gesenkten: Blicke, Herr Moses streichelte mit ernster Miene feine schwere Kette und es herrschte ein peinliches Schweigen. „Wissen Sie, Herr Zwiebel, wieviel diese Kette kostet?" Joses zog die Braunen leicht zusammen. „Rein", erwiderte er kurz. Herr Moses lächelte wohlgefällig. „Das wird auch niemand erraten! Sehen Sie diese Kette - - reines Gold, und hier echte Steine, sehen Sie — und kostet, — nun raten Sie! — nur 53 Gulden. Aber dafür habe ich sie auch auf einer Lieitation gekauft", schloß er triuinphierend. Josef hielt es nicht für entsprechend, seine Befriedigung zu teilen, und schwieg. Klara hörte dein ganzen Gespräche zu, ungeduldig an: Tischtuche zupfend, und erhob sich gleich darauf vom Tische. „Der Vater wird gestatten, daß ich midi entferne, denn ich fühle mich erwas unpäßlich". Sie ging, ohne den Gast zu grüßen hinaus. Josef eilte ihr nach. ' „Was ist Dir, Klärchen? Bist Tu krank?" Herr Moses blieb mit Chaje bei Tisch. „Was in das?" spricht er, „Ihre Tochter ist so unge- 7M