Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 16 (19.4.1895)
- Date
- 1895-04-19
- Page
- Seite 252 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 252. | f f u r it n. Nr. 16. anderen Festtagen seine Krankenbesuche zu Fuß. Sein Sohn, der vor einem Jahre ebenfalls zum Doktor promoviert wurde und in Gens selbst seine ärztliche Thätigkeit ausübt, braucht nur in den Fußstapfen seines Vaters zu wandelu, um sich ähulichen Ruhm zu erwerben. Seine persönlichen Eigenschaften sind übrigens eine Gewähr für die Realisierung dieser Voraussetzung. Die Leitung der Gemeindeinteressen liegen in den Händen außer des gemannten Dr. Schrob noch in denen der Herren Flegenheimer und Wolf. Beide Herren nehmen in der Geschäftswelt eine sehr geachtete Stellung ein. Die ine Jahre 1858 im orientalischen Style erbaute Synagoge gehört zu den Sehenswürdigkeiten Genfs. Viele unserer Schweizer Glaubensgenossen haben sich in ihrer „Carriere liberale“ eine mehr als geachtete Stellung erworben, so unter Anderen Pros. Schiff, Dr. Lyon, Privat- Dozent, die Anwälte Bing, Dreyfuß und Sachs in Gens, Prof. Stein, Pros. Saitscheck, Universität Bern, Prof. Stern und Privat-Dozent Dr. Guggenheim, Polytechnicum, Haas, Direktor des Kunst-Instituts, Guggenheim, Portraitmaler, und Guggenheim, Anwalt, alle in Zürich, Fürsprech Guggenheim in Baden. Jüdische Aerzte giebt es in Basel: Dr. Nordmann, in Bienne Dr. Levy, in Chaux-de-Fonds Dr. Bacherach und in Endingen Tr. Bollag. Jndeß haben wir nur einen einzigen jüdischen Beamten und zwar Herrn Jaeob Dreyfuß, der früher Sekretär am Ministerium der Landwirtschaft war, jetzt aber den ehrenvollen Posten eines „Chef du bureau de remigration“ einnimmt. Uebrigens sind alle Staatsstellen den Juden zugänglich. So weist die Schweizer-Armee ziemlich viel jüdische Offiziere auf, aber im Großen und Ganzen widmet sich die hiesige jüdische Bevölkerung der kommerziellen und industriellen Thätigkeit und zeichnet sie sich ans diesem Gebiete durch einen großen Arbeits- und Sparfamkeitssinn aus. Große Reichtümer giebt es wohl uur bei Wenigen, aber alle sind durchweg wohlhabend. Sie beteiligen sich mit Geschick an allen Zweigen der Industrie, sie betreiben allerlei Gewerbe, sie gehören ebenso zu den Großkaufleuten wie auch ein Teil von ihnen durch .Kleinhandel ihren Unterhalt finden. Mit Ackerbau beschäftigen sie sich speziell nicht, wohl giebt es aber unter ihnen viele Viehhändler. Hervorzuheben ist, daß es mit Ausnahme des Herrn Dreyfuß in Basel keine jüdischen Banguiers in der Schweiz giebt. Dieser Umstand, wie auch der, daß sie sich an der Politik in ostensibler Weise nicht beteiligen, mag viel dazu beitragen, daß fast in allen Kantonen die Juden nicht nur sehr gut gelitten sind, sondern auch die freundschaftlichsten Beziehungen mit den Nichtjuden unterhalten. Ties ist zum mindesten in der Schweiz wahrzunehmen. Im Kanton Bafel ist sogar vor einigen Jahren der dort wohnende Lithograph Herr Georg Wolf in den Großen Rat gelvählt ivorden, wo er feinen Platz mit viel Geschick behauptete. Schließlich ivollen wir noch auf das einzige seit 1874 in Genf ftd) befindende jüdische interne Knaben - Institut Hinweisen, das in eminenter Weife vom Direktor S. Balizer geleitet wird und dessen erfolgreiche Lehrlhätigkeit auch seitens des Unterrichts-Ministeriums anerkannt nnirde, indem er zum Prüfnngs-Kounniffär an den öffentlichen Schulen Genfs ernannt ivorden Nt. Die Anstalt bietet ihren Zöglingen, die sich entweder den klassischen oder den kommerstellen Studien widmen, die größten Vorteile, was Unterricht, Erziehung und Verpflegung betrifft. Wir köitnen unsere amerikanischen Glaubensgenossen nicht genug auffordern, ihr Augennterk auf dieses Institut zu lenken, wenn sie beabsichtigen, ihre Kinder behufs Ausbildung und Erlernung fremder Sprachen in die Fremde zu thnn. Noch einmal die Zahl Drchehu. Die No' 8 dieses Bl. enthält einen lehrreichen Artikel über die Zahl 18, womit der Verfasser diese aus Aberglauben gefürchtete Zahl sehr geschickt zur Ehre zu bringen sucht, indem er auf die wichtigen religiösen Momente hinweist, welche mit dieser Zahl in Beziehung stehen. Wenn Herr L. T. nüttelst der Hinweisungen auf die schönen zum Teil erhabenen Beziehungen und Anwendungen der Zahl 13 die abergläubische Furcht vor derselben beschwichtigen zu können glaubt, so darf man nicht vergessen, daß Aberglauben sehr nahe an Dummheit grenzt, und gegen die Dummheit kämpfen bekanntlich die Götter selbst vergebens. Namentlich wenn der Aberglaube in einer Nachäffung seinen Ursprung hat, da werden ihn seine Anhänger selbst und gerade durch die schönsten Beziehungen der Zahl 13 zu begründen suchen, wie ja aus einer und derselben Blume Honig und Gift gesogen wird, je nachdem die Natur des Saugenden beschaffen ist. „Wie?" sagen die schwächlichen Leute, — „wie?" die Zahl 13 hat so hohe Beziehungen zur Religion, ihren Lehren und Geboten! nun, da haben wir ja unsere Furcht vor dieser Zahl tief begründet; denn eben weil sie furchtbar ist, bietet man alles auf, sie durch Gebete und Zeremonien unschädlich zu machen, allein man weiß doch nicht, ob dieses hilft und darum fürchten wir uns dieser Zahl!" So sprechen Leute, welche nicht selten allen religiösen Glauben von sich weisen, aber an fremdartigem Aberglauben hängen. Für diese giebt es nun schwerlich ein Heilmittel, desto wichtiger dürfte es sein, über den etwaigen Grund nachzusorschen, aus welchem nun wirklich die Zahl 13 zu solcher Würde, mau möchte sagen, zu solcher Ehre im israelitischen Kultus gelangt ist; und da denke ich an jenes erhabene Wort, welches das höchste ausdrückt, wozu der Israelit sich bekennt, an das Wort - nämlich: inr-r „Einzig", einig ist Gott! "tnr< aber hat den Bnchstabenzahlenwert von 13. Und nun ist cs erklärlich, warum die h. Sch. (2 B. Al. 34, 6 u. 7) uns 13 heilige Eigenschaften Gottes offenbart, sie schärft uns damit ein, daß diese 18 Eigenschaften unzertrennlich sind unter sich und unzertrennlich vom Wesen des Ewigen, sie sind vielmehr eins und unteilbar unter sich und eins mit dem heiligsten Wesen Gottes. (Siehe Maimonides: Von der Grundlage der Offenbarung 1, 7.) Es ist ferner erklärlich, warum die Rabbinen so ivarm empfohlen die 13 Eigenschaften Gottes als Gebet zu sprechen <R. Hasch 17. b) wir sollen die Einheit Gottes bekennen, denn dieses ist das wirksamste Gebet, warum sie ferner für die Beschueiduug 13 mal das Wort Berith aufsuchten (Sabb. 132. a) weil dieselbe das Bundeszeicheu für Abraham uw, welcher den Eiuigeinzigen nicht nur bekannte, sondern auch bekannt machte; warum sie ferner die Ausleguugsregel der h. Schrift auf 13 festfetzteu (Bar. derabb. ,sism.) weil sie hiedurch das Hauptziel der ganzeit Offenbarungslehre, den Glauben an den Einzigen in beständige Erinnerung bringeil ivollten; ivarunl daun Maimonides die Glauben-, lehre auf 13 (und nicht wie Abo auf 3) feststellte, weil er daiilit ein-