Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-04-05 · 14 (5.4.1895) · p. Seite 224

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
Seite 224 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4794838-9608360-9608501--0349-9608513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 224. ZescHurrrn. Nr. 14. % läufig nicht erfahren, da eine offizielle Kundgebung an die Presse noch nicht gelangt ist. Bel dieser Gelegenheit gestatte man uns einige Bedenken, die sich infolge des Eingreifens des Gemeindebundes geltend machen, zu widerlegen. Es geschieht dies lediglich im Interesse der guten Lehrersache, die wir allezeit freiwillig vertreten haben und vertreten werden. — Es ist behauptet worden der G.-B. wolle über den L-B. eine Art Oberaufsicht führen. Daran ist ilicht zu denken und daran denkt auch niemand. Der L.-B. wird von Lehrern geleitet und auch der Delegierte des G.-B. — falls diesem ein Sitz im Borstande eingeräumt wird — würde ein Lehrer sein. — Im übrigen ist bisher bei der Besprechung der „Leitsätze" des G.-B. ein wesentliches Mome'.'.t nicht berücksichtigt worden. Der dem Aufruf des G.-B. beigefügte Statuten-Entwurf enthält nichts anderes als B o r f ch l ü g e und W ü n s ch e. Vorschläge werden aber gemacht, damit sie geprüft, und Wünsche werden geäußert, damit sie — abgele h n t werden können. Dies besagt auch ein Absatz des Ausrufes, in lvelcheui die veröffentlichten Leitsätze lediglich als Grundlage eines zukünftigen Statuts bezeichnet und die Vorstände der refp. Vereine ersucht werden, nach Einholung der Vota ihrer Mitglieder ihr Gutachten über die Leitsätze einzureichen, die alsdann mit den Delegierten beraten werden sollen. Ohne oder gar gegen die Delegierten konn und wird nichts beschlossen werden. Mögen daher die Vorstände und Mitglieder der Einzel-Vereine ihre Delegierten gehörig instruieren, damit sie in ihrem Sinne wirken, dann wird alles in schönster Ordnung erledigt werden. * n Man schreibt uns aus Königsberg: In dieser an für uns erfreulichen Ereignissen wahrlich nicht allzureichen Zeit ist die Ernennung eines Juden zum o r d e n t l i ch e n Professor sicherlich als ein hocherfreulicheS Ereignis anzusehen. — Der vor kaum Jahresfrist als außerordentlicher Professor aus Bonn an die hiesige Universität berufene, in dem außerordentlich jungen Alter von nur 29 Jahren stehende Dr. Hermann Minkowski ist vom.Kaiser znm ordentlichen Professor der Mathematik an unserer Albertina soeben ernannt worden. — Herr Pros. M. ist der Bruder des feit einigen Jahren als Prof, der innern Medizin an der Universität Ltraßburg wirkenden Professors O s e a r Al i n f o w s k i und gleich diesem, Jude im besten Sinne des Wortes! — Solcher Glaubensgenossen könnten wir, fürwahr mehr gebrauchen! — Seit unferm letzten Berichte über den vom Pros, der Theologie Dr. Eornill im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" gehaltenen Vortrage (Das alte Testament und die Humanität", 8. Januar er.) hat der Verein folgende Vortrags- und Referats-Abende veranstaltet: am 19. Januar: 1) „Geflügelte Worte aus biblischen'Büchern" (Referent: Herr Gemeindesekretär M. Klein.) 2) 22. Januar er.: „Einiges über die Fnden in Afrika" (Herr Rabbins-Kand. Dr. Diennfertig) am 29. Januar er.: „Ethische Lehren aus alten Tagen" (Herr 8tnU, pliil. Knopping) 4) am o. Februar er.: Vorlesung aus nenhebr. Dichtungen (Herr Kraskal) o) am 12. Februar er.: „Das Judentum unb die Frauen (Herr M. Feinstein) 6) am 19. Februar er.: Vortrag in hebräischer Sprache „über den Zionismus (Hr. Sind. Goldmann) am 27. Februar er.: vor Da me n und Herren : „Das hohe Lied" (Herr Sekret. Klein) 8) am 19. März er.: „Johann Reuchlin als Verteidiger der Juden" (Herr Waisenhaus-Jufp. Ad. Peritz). Es verdient hervorgehoben zu werden, daß sämtliche bisher genannte Herren Redner Mitglieder des hiesigen Vereins sind. Für nächste Woche ist ein Vortrag: „Lessing und Mendelssohn" von dem rühmlichst bekannten Pfarrer der hiesigen freireligiösen Gemeinde Herrn Conrad Ziegler vor Damen und Herren anberaumt und für die erste Mai- Woche ein Vortrag des Herrn Rad. Dr. Rüls-Memel: „Der philosophische Einheitsgedanke im Judentum." — Wie man sieht, ein recht stattliches Stück geistiger Arbeit, das nicht wenig zur Belebung der gut-jüdischen Sache beiträgt! — Besonders ist noch der gleich nach der „Megillah" abgehaltenen Purim-Feier zu gedenken, an ivelcher etwa 2-90 Mitglieder und Gäste teilnahmen und reich an Abwechslungen der mannigfaltigsten Art, die Festgenossen in bester Purim- Stimmung bis zu später Stunde beisammen hielt. Die Festrede hielt, in Vertretung des verhinderten Rabb. Herrn Dr. Bamberger, Herr Rabbinatskand. Dr. Dienstfertig, ihm folgten mit ihren von Ernst und Humor durchwehten Toasten die beiden Vorsitzenden Herr Pros. Saalschütz und Kaufmann Minkowski u. a. mehr. — Unser rühmlichst bekannter erster Kantor Herr Ed. B i r n b a n n, sowie hervorragende Dilettanten aus vokalem und instrumentalem Gebiete, fast durchweg jüd. Studierende der hiesigen Universität — also wahrlich unsere j eimesse doreo!— erfreuten durch vortreffliche Leistungen in Gesang, Violine und Klavier. Auch gediegene Deklamationen und ein kräftiges Tasellied trugen zum besten Gelingen des Ganzen bei. — Mit einem Wort, das echt jüdische Leben innerhalb unserer Gemeinde ist reger und anregender denn je zuvor, ivelcher hochersreuliche Umstand in erster und letzter Reihe dem Wirken und Schaffen des hiesigen „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" zu verdanken ist. — Wenn man s o l ch e Berichte liest, könnte man fast ein Anhänger der Litteratnr-Vereine werden! Red. *y (Hemeindeverhältnisse im Regierungsbezirk Wiesbaden. Im Regierungsbezirk Wiesbaden sind die Gemeindeverhältnisse noch ganz so geblieben, wie sie das ehemalige Großherzogtuin Nassau anno 185)2 im Verordnungswege geregelt hat. Die Simultanität der Schulen ist unverändert geblieben; die jüd. Gemeinden haben für den Religionsunterricht zu sorgen. Die Lehrer werden zwar von den Gemeinden gewählt und vertragsmäßig angestellt, doch können die letzteren nicht nach Belieben ohne Genehmigung der Regierung dem Lehrer kündigen. — Der Regierungsbezirk zerfällt in 9 Rabbinate: Eins, Weilburg, Wiesbaden. Ter Bezirksrabbiner führt die Aufsicht über die Kultusangelegenheiten, namentlich den Religionsunterricht. Er hat jährlich einmal die Schule des Bezirks zu inspizieren und _ an die Regierung Prüfungsprotokolle einzusenden. Aus diese Weise wird selbst in der kleinsten Gemeinde, im geringsten^ Torfe für Unterricht gesorgt. Ist eine Gemeinde nicht int. Stande, den Lehrer zu besolden, so werden ans Veranlassung der Regierung mehrere Orte zu einer Schulgemeinde vereinigt, und der Lehrer geht dann von Crt zu Ort. Würde diese Einrichtung auch in den übrigen Provinzen eingesührt, so wäre es unmöglich, daß so viele Kinder ohne jeden Religionsunterricht answachsen, wie es jetzt geschieht. — Tollte der allgemeine deutsche Lehrerverein ins Leben treten, so wäre es für ihn eine würdige Ausgabe, überall ähnliche Einrichtungen anzustreben. (Er wird in's Leben treten^ Red.) Eine Barmizwa - ftetev bei Rothschild in Wien. Hierüber bringt die ,,Neuzeit" einen ausführlichen Bericht, dem wir folgende Zeilen entnehmen. Sie sind charakteristisch und darum lesenswert: Das Welthaus der t IV % b. i £ :

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.