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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-04-05 · 14 (5.4.1895) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
Seite 225 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 14. 5 e f c§ u r u n. Seite 225. Rothschild entstammt der geschichtlich denkwürdigen Bälden gemeinde in Frankfurt a. M. N'och kann man daselbst das bescheidene Hein: in seiner ursprünglichen Banart sehen, aus dem die Milionäre in die nambastesten Städte Europas hinausgezogen sind. In derselben (Kasse konnte man wiederholt den jungen Goelhe sehen, der, wie er in „Wahrheit und Dichtung" erzählt, daselbst das sogenag.nte Iudendeutsch erlernte, so daß er mit zwölf Bahren dieses Idiom geläufig sprach und schrieb und sogar zu poetischen Persuchen benützte. Auch die Wiege des geistreichen Ludwig Börne stand innerhalb des Ghetto, das gegenwärtig seinen Slawen trägt und „Börnegasse" genannt wird. In den Werken dieses meisterhaften Stylisten findet sich folgende Mitteilung aus seinen Jugenderinnernngen: „Wenn man durch die Jndengasse ging und vergnügte Gesichter sah, so konnte man überzeugt sein, es war der alte Rothschild vorübergegangen. Er war ein guter Mensch, der jeden Armen reich beschenkte." Diese fromme, schöne Sitte erhielt sich als heiliges Erbe inmitten seiner Nachkommen, sowie der Glaube und die treue Anhänglichkeit an die vieltanseudjährigen Satzungen des Judentums. Im Geiste dieser Lehre werden aud) die blühenden Sprossen des Hauses erzogen. Sie erhalten Unterricht in: Hebräischen und das Verständnis der Gotteslehre wird ihnen zeitlich beigebracht. Unvergessen wird der Name und das Angedenken de: leider allzufrüh verblichenen Freifrau Bettina v. Rothschild bleiben, die als Gattin, als Mutter, wie als Bekennerin des Judentums alle Vorzüge und Tugenden in sich zu vereinigen und mit ihrer hohen sozialen Stellung harmonisch zu verknüpfen verstand. Der edle Geist dieser hochedlen ist in ihrer Familie zurückgeblieben und Freiherr Albert v. Rothschild kultiviert denselben und impft ihn auch frühzeitig den Herzen seiner Kinder ein. An: Sabbat den 16. März d. I. feierte dessen dritter Sohn, Louis Nathaniel seine Bar-Mizwah. Der Konfirmand fand sich in Begleitung, des Vaters und der beiden älteren Brüder im Teinpel der Seitenstettengasse ein. Der Konfirmand wurde nach der Väter Sitte zur Thora gerufen und rezitierte die Segensprüche und die ziemlich umfangreiche Hafthara mit lauter Stiiume in verständnisinniger Weise. Der Vater, Herr Albert Freister v. Rothschild, spendete bei dieser Gelegenheit 2000 sl. für wohlthütige Stiftungen. Mittags 12 Uhr fand im Palais in der Heugasse ein Diner zu 25 Gedecken statt, zu ivelchem auch Oberrabb. Dr. Güde- :nann und Oberkantor Singer geladen und erschienen waren. Nach den, bei solchen Anlässen unvermeidlichen Reden seitens des Oberrabbiners und des Konfirmanden, fungierte letzterer bei dem nach hergebrachter Weise verrichteten Tischgebet als Vorbeter in ansprechender und erakter Weise. Hm Hilft Port. — lieber die preuNischen und deutschen Universitäten hat Prof. Dr. A. Petersilie eine statistische Studie veröffentlicht, die in der Zeitschrift des königl. preußischen Statistischen Bureaus erschienen ist. Dem Bekenntnis nach waren 0089 Evangelische, 2306 Katholiken und 1134 Bude n unter den dentschcn Studenten, dem Prozentsatz nach waren unter den drei nicht theologischen Fakultäten 68.80 v. £>. Evangelische, 18.82 v. H. Katholiken und 11.9» v. £>. I „den. Auf ' 10,000 männliche Bewohner des betreffenden Bekenntnisses kamen 8.87 evangelische, 4.4» katholische und 57.18 jüdische Studierende, überhaupt K>2 studierende. , — Herr Tr. Joseph Wohlgemut!), bis vor kurzem Rabbiner an einer Privatgemeinde in Hamburg, ist zum Dozenten am Berliner tHildcsheimerichen) Rabbinerseminar gewählt. Dr. W. hat seine Ausbildung an eben diesem Seminar genossen. Tie Wahl eines ehemaligen Schülers als Kehrer an einer Hochschule galt stets mit Recht als besondere Ehre sür beide Teile. Herr Ephraim Rothschild, Guts- und Fabrikbesitzer sowie Vorsteher der Israel, Gemeinde in S t a d to l d e n d o r s, welcher in weiteren Kreisen durch seine philanthropischen Bestrebungen und in jüdischen durch seine Teilnahme an den beiden deutsch-israelitischen Spnoden bekannt ist, ivurde.i» einer öffentlichen Versammlung des Bürgervercins, in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um das Gedeihen des Vereins, zum Ehrenmitglied ernannt und ihm ein künstlerisch ausgestattetes Diplom überreicht. Herr Rothschild zeigt, trotz seines hohen Alters noch immer ein jugendlich-reges Interesse nir alle Fragen, die im jüdischen Gemcindeleben auttanchen, und die Redaktion dieses Blattes hat ihm manche ersprießliche Anregung und lehrreiche Fingerzeige zu verdanken. — Man schreibt uns ans Thorn: Am nächsten Sabbat, den Sabbat hagodol würde der weit über den hiesigen Ort bekannte Privatgelehrte Hirsch Kalischer s. A. seinen 100 jährigen Geburtstag gefeiert haben. Derselbe war ein berühmter Gelehrter des Talmuds, und har sein Wissen schriftstellerisch verwertet, wovon mehrere hebräische Werke Zeugnis geben. Nebenbei entwickelte er eine sehr fruchtbare Thätigkeit für die Kolonisation Palästinas, so daß es durchaus angemessen erscheint, diese» Tag in gebührender und anerkennender Weise hcrvorznheben. Er. — Ter » n fl fl r i s ch e Ministerpräsident Graf.Banffy erklärte dieser Tage im liberalen Klub in Budapest, daß die Regierung die Vorlage über die Rezeption der Juden unverändert dem Oberhaus zurückseudeu werde. — Ob's nützt? — Die am 1. d. M. in Wien vollzogenen Gemeinderatswahlen fielen zu Gunsten der Antisemiten aus, so daß die Gefahr nahe liegt, daß sie die Verwaltung der österr. Residenz bald ganz an sich reißen werden. Unsre (Glaubensgenossen herben sich an den Wahlen wenig beteiligt, weil sie in dem eigenartigen Liberalismus in Oesterreich nicht den Schutz für ihre bürgerliche Gleichberechtigung finden, wie man ihn vom wahrhaften Liberalismus erwarten müßte. Zitteratur. * Litterarische Notiz: Im Verlag von S. Ealvary, Berlin W., erscheint demnächst ein 15 Bogen starkes Werk: „Die gegensinnigen Wörter im Alt- und Ncuhebräischen", sprachvergleichend dargestellt von Dr. Landau in Weilbnrg a. L. Das Buch füllt eine Lücke in der hebr. Lerikogrcrphie aus, wirft auf manche schwierige Bibelstellen ein neues Licht und ist deshalb nicht nur für Theologen und Lehrer, sondern auch für gebildete Laien von Interesse. * Lohar, Talmud und Antisemiten. Bon Dr. Adolf Rothenbücher. (91 Seiten). Berlin. Reuseld und Henius. — Diese in No. 11 d. Bl. erwähnte Schrift führt der bekannte Dr. Moritz Schwalb, bis vor einem Jahre erster Pastor an der Domkirche in Bremen, in der „'Nation" mit folgenden Zeilen ein: 'Nicht für Köche, sondern für Gäste hat Dr. Rothenbücher hier ein, trotz einiger Mängel, gesundes und erquickliches Mahl bereitet. Die geistige Speise, die er uns darbietet, wird allerdings nicht den Ansprüchen und Wünschen der Feinschmecker, wohl aber den Bedürfnissen manches Hungernden genügen. Denn soviel ein gebildeter Lecke über die Entstehung und den Inhalt des Sohars zu wissen braucht und wünscht — erfährt er hier durch Herrn Rothenbücher's Vermittelung von zuverlässigen, autoritativen Lehrern, nämlich von Prof. Tholuck und von Dr. JoG. Von Professor Tholuck teilt Herr Rothenbücher in beträchtlichem Umfang gut übersetzte charakteristische Stücke des Sohars mit, und von Dr. JoEl giebt er uns in einem nicht zu kurzen Auszuge eine Darstellung der Soharischen Lehre. Zwei Thatsachcn gehen aus diesem die erste Hälfte der angezeigten Broschüre ausmachenden Teile hervor: erstens, daß der -Lvhar weder das überschwängliche Lob seiner pietätvollen

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