Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 14 (5.4.1895)
- Date
- 1895-04-05
- Page
- Seite 223 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. JescHurun. Seite 223. Philharmonie und des Handwerkervereins — wird auf Ersuchen des Herrn Direktors Hermann vom Vorstand vorweggenonunen. Herr Leonhard Sachs schlägt als Referent des Finanzausschusses vor, in die Verlängerung des Vertrages betreffend den Saal des Handwerkervereins auf weitere fünf Jahre für eine jährliche Miete von 1500 Mk. einzuwilligen. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Bezüglich der Philharmonie erklärt Herr Sachs, daß der Finanzausschuß sich darüber noch nicht habe schlüssig machen können, da die Direktoren des betreffenden Etablissements jetzt eine jährliche Miete von 0000 Mark (früher 4000) verlangten. Er beantrage, die Sache zur weiteren Verhandlung an die Kommission für gottesdienstliche Veranstaltungen zu überweisen. Herr Direktor Hermann bittet, die Angelegenheit sofort zur Entscheidung zu bringen, da von weiteren Verhandlungen schwerlich ein anderes Ergebnis 511 erhoffen fei. Herr Dr. Tiktin tritt den Ausführungen des Vorredners bei. Herr Heilmann svrach sich für den Antrag Sachs aus; es fei bedenklich, sich auf fünf Jahre - zu binden, namentlich in Anbetracht des Umstandes, daß in nicht allzuferner Zeit im Westen eine Synagoge gebaut werden würde. Herr Leonhard Sachs bittet, die Sache vorläufig noch nicht abzuschließen, weil zu befürchten sei, daß die Erhöhung der Miete von 4000 auf 6000 Mark Rückwirkungen haben könnte auf die Inhaber der übrigen zu gottesdienstlichen Zwecken erforderlichen Säle. Der Vorschlag des Herrn Sachs wird angenommen; zugleich werden der oben erwähnten Kommission auch die zu schließenden Verträge mit der Direktion der Gesellschaft der Freunde und dem Besitzer der Keller'schen Festsäle in der Koppenstraße zur Erledigung übergeben. Ein weiterer Antrag beziveckt die Errichtung einer Zentral-Auskunftsstelle für die jüdische Armenpflege in Berlin. Der Referent, Herr Martin Simon, bittet zu diesem Zwecke vorläufig auf ein Jahr die Summe von 4000 Mark zu bewilligen. Der Plan einer Reorganisation der jüdischen Armenpflege auf Grund einer einheitlichen Zusammenfassung aller Zweige derselben beruhe auf einer Denkschrift des früheren Vorstandsmitgliedes, des Herrn Rechtsanwalt Breslauer. Man hoffe auf diese Weise die Wohlthätigkeit im allgemeinen zu heben. Zur näheren Beschlußfassung über die Einzelheiten des Projektes werde man Zusammenkünfte von Delegierten der verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten veranstalten. Sein Antrag gehe dahin, mit dem Gedanken der Neueinrichtung sich einverstanden zu erklären, alles weitere werde später geregelt werden. Der Antrag findet im großen allfeitige Zustimmung. Herr Louis Sachs erklärt demselben allerdings nur unter der Voraussetzung zustimmen zu können, daß der Repräsentantenversammlung alle Einzelheiten der neuen Organisation, Statuten u. s. w. zur Genehnügung vorgelegt würden. Vom Vorstandstische wird das zugesagt. Herr Mannheimer hofft, daß auf diese Weise der professionsmäßigen Bettelei endlich einmal ein Riegel vorgeschoben werden würde, glaubt jedoch, daß nicht alle Wohlthätigkeitsvereine sich der neuen Einrichtung «»schließen würden, da vielfach Statuten u. s. w. dem im Wege ständen. Der Antrag wird schließlich mit Stimmeneinheit angenornmen. Punkts 3 der Lagesordnung: Vergleich in der Kommerzienrat Moritz-Rosa Gersonschen Rachlaßsache soll in geheimer Sitzung beraten werden. Für die Fortsetzung des Religionsunterrichtes im Erziehungshause am Urban werden 000 Mk. bwiHifllj desgleichen 500 Mk. für die David Hertzog'sche Freitischstistung. Als Subvention für die jüdische Religionsgemeinde in Eharlottenburg werden, wie bisher, 7000 Mark gefordert. 'Namens des Finanzausschusses beantragt Herr Leonhard Sachs, die Angelegenheit zur weiteren Beschlußfassung an die Kommission zur Subventionierung von Religionsvereinen zu verweisen. Der Antrag wird angenoulmen. Damit schließt die öffentliche Sitzung. — Der Versuch mit einem gemischten Chor in der Reuen Synagoge am letzten Freitag-Abend darf als durchweg gelungen bezeichnet werden. Der stark, vielleicht z u stark besetzte Sopran füllte den akustisch unglücklichen weilen Raum des Gotteshauses in allen Teilen vollständig aus und die Gesänge klangen voll und harmonisch. Dieser gelungene Versuch dürfte wohl die Einführung eines gemischten Chores auch für die Reue Synagoge zur Folge haben. — Wie aus dem Anzeigeteil ersichtlich, besteht hier ein Bechorim - Verein, der sich am Crew - Peßach von dem traditionell gebotenen Fasten durch Anhören eines talmudischreligiösen Vortrages sowie durch Spenden zu Gunsten der Armen dispensieren läßt. Die diesjährige Sijmn - Feier findet am 8. d. M. vorm. 6 72 Uhr im Saale des Vereins junger Kaufleute (Beuthstr. 20) statt. Den Vortrag hält Rabb. Dr. Rosenzweig. Der Verein besteht schon seit 26 Jahren. — Die Jubiläumsfeier des Herr Kantor Marksohn am 1. d. M. hat einen würdigen Verlauf genommen. Von nah und fern liefen briefliche und telegraphische Gratulationen ein, und die Synagogen-Vorstände sowie die Amtsgenossen des Jubilars ließen es an Beweisen der ehrenden und freundschaftlichen Anerkennung nicht fehlen. Der allerseits ausgesprochene Wunsch, den Gefeierten noch lange in Rüstigleit seines Amtes walten zu sehen, war wohl kaum je so aufrichtig, wie hier. — Die hiesige jüdische Reformgemeinde feierte am Dienstag-Abend das 50jährige Jubiläum ihres Bestehens durch einen Festgottesdienst. Alle drei Prediger der Gemeinde hielten angemessene Festreden: Dr. Levin über die Entwickelung der Reformbestrebungen innerhalb des Judentums, Dr. Oppenheirner über die Heimgegangenen Gründer, Prediger und Wohlthäter der Gemeinde und Dr. Klemperer über die bedeutsame Stellung, welche die Reformgeineinde sich erworben hat. Ist hier auch nicht der Platz gegen einzelne Ausführungen einzelner Redner zu polemisieren, so können wir doch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Worte Klemperers zum mindesten sehr, sehr übertrieben sind. In Wirklichkeit nimmt die Reformgemeinde innerhalb der deutschisraelitischen Gemeinden gar kein». Stellung ein. Ihre Einrichtungen haben noch keine einzige Gemeinde zur Nachahmung veranlaßt, vielleicht schon darum, weil sie sich überaus unselbständig und wankend erweisen. Die Gemeinde hat beispielsweise seit ihrem Bestehen nicht weniger als vier Gebetbücher und ebensoviel Religionsbücher verbraucht, — das ist kein Zeichen von Standhaftigkeit. — Am 20. März hat die vierte Generalversainmlung des Mädchen st if te 6 stattgefunden. In derselben wurde der vom Vorstande erstattete Verwaltungsbericht entgegengenommen und wurden die ausfcheidenden Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Der Vorstand bittet, bei besonderen Veranstaltungen des Stiftes zu gedenken, damit dieses als eine Pflegeschnlc wirtschaftlicher und sittlicher Tüchtigkeit einen erfolgreichen Fortgang nehme. * Der ^ehrerbund. Es verlautet, daß die Gründung dieses Bundesdefinitiv gesichert ist. Näheres konnten wir vor-