Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- Seite 192 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 192. S « f 4 u * u tt. Nr. 12. Hirschberg wirkungsvoll vorgetrageu, eröffnet wurde. Hieran reihte sich die von Herrn Felir Hirschberg meisterbaft vorgetragene Rhapsodie Hongroise von Liszt. Es folgten dann einige Deklamationen des Frl. Lydia Kronfeld, sowie ein vortrefflicher Gesangsvortrag des Frl Redia Hirschberg. Jede einzelne Rümmer dieses Programms wurde mit wohlverdientem, rauschendem Beifall ausgenommen. Alsdann begann die sogenannte „Kaffeepanse". ^Dieselbe wurde durch wenige schlichte Begrüßungsworte des Borsitzenden, Herr Levinsohn eröffnet. Hieran reihten sich Ansprachen des Herrn stud. jur. MatthiSsvhn, des 2. Schriftführers des Vereins, des Vereinsarztes Herrn Dr. Rothe, des Herrn Stein und des Herrn Anders, die sämtlich dazu beitrugen, nicht allein die humanitären Zwecke des Vereins, sondern auch die Bedeutung des Abends zu beleuchten. Den Ansprachen reihte sich ein von echt jüdischgemütvollem Humor sprudelndes Tafellied an, und folgten nun mehrere humoristische Vorträge des Herrn Legall, welche sich des lebhaftesten Beifalls zu erfreuen hatten. Mit geradezu stürmischem Jubel wurde die eigentliche pieee de lvsishmce des Abends, das Auftreten des Herrn Martin Beudir des „urkomischen Beudir" begrüßt, dessen Erscheinen ja bekanntlich überall genügt, ihm den Beifall aller Lachlustigen einzutragen. Der vielbeschäftigte Künstler mar noch am Abend nach der Vorstellung zu dem Feste geeilt, um sich in den Dienst echt jüdischer Wohlthütigkeit zu stellen, und lehnte jedes Honorar für feine Bemühungen in liebenswürdigster Weife ab. Als wir den Festsaal in der 4. Morgenstunde verließen, blieben die übrigen Festteilnehmer Terpsichore huldigend noch zusammen, wohl bis Aurora an den kommenden Dag gemahnte. Alle aber nahmen sicherlich das Bewußtsein mit sich, daß dieses vornehme und echt jüdische Fest dazu beitragen wird, dem Stammverein „Linath Hazedek" stets neue Mitglieder zuzuführen und so sein segensreiches Wirken zu unterstützen. I. — Auf dem Friedhose zu Weißeusee hat am Freitag die Beerdigung des Sanitätsrats Dr. Pohl-Pineus stattgesunden. Wiewohl nach dem letzten Willen des Verblichenen die Beisetzung in aller Stille erfolgen sollte, hatte sich doch eine zahlreiche Tranerversainmlung eingesunden. Bon Trägern bekannter 'Namen bemerkten wir den Dberstlieutenant Herrn von Egidy, den Geheimen Legationsrat von Lindenau, den Wirklichen Geheimen Kriegsrat Lifchke, Justizrat Kontenius ii. a. m. Rabbiner Dr. Mapbaum hielt die Gedächtnisrede. - - Unsere kurze Notiz über den Vortrag von K. E. F r a n z o s ergänzend, erhalten wir aus dem Bureau des „Z.-V. d. St. jüd. Gl." einen ausführlichen Bericht, den wir im Auszuge wtedergeben: Herr Franzos erklärte, lediglich einen Beitrag zur Ethnographie und Kulturgeschichte geben zu wollen und sprach dann über die von ihm aus t> Millionen veranschlagte Zahl der Juden in Rußland, über die geographische Verbreitung, die rechtliche und nationale Stellung deiUlben im russischen Reiche. Dort gebe es eine „Judenfrage", die gelöst werden müsse, aber nicht durch Auswanderung gelöst werden könne, sondern nur dadurch, daß die Inden emanzipiert und russische Staatsbürger jüdischen Glaubens ivürdeu. Tie russischen Juden müßten zu diesem Zwecks die frühen Heiraten, die starre Abkehr von weltlichem Wissen, die nationalen Träume gbthun, die von den deutschen Juden vollzogenen Wandlungen an sich selbst vollziehen. Daß die Gleichstellung der Inden.dem russischen Reiche nur vorteilhaft sein werde, daß Staatsraison und Menschlichkeit gleichmäßig für dieselbe sprechen, dafür führte der Vortragende aus einer erst von der russischen Zensurbehörde genehmigten, dann aber von der Polizeibehörde beschlagnahmten bedeutsamen Schrift zahlreiche Zeugnisse russischer Staatsmänner, Rationalökonomen und Dichter (u. a. Korolenko) an. Die Behauptung, . daß religiöse Gründe in Rußland gegen die Emanzipation sprächen, widerlegte er unter Hinweis auf viele bemerkenswerte Aeußernngen berühmter russischer Erzbischöfe. Die Tüchtigkeit der russischen Juden im Heeresdienst bewies er durch Zeugnisse russischer Generäle und des Militürblattes „Jnwalid". Rach Anführung bedeutsamer Kundgebungen Michael Katkoffv und Turgeuieffs schloß der Vortragende mit dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß das, was gerecht und vernünftig sei, nach harten Kämpfen schließlich doch geschehen wird. In der Diskussion teilte der Vors i tz e n'd e de s Z e n t r a l - V e r e ins, H e r r R e ch t s a n w a l t Dr. Horwitz u. a. mit, daß der Verein demnächst e in e Ri o n a t Ss ch r i s t herausgeben werde. Ferner berichtete er über eine mit dem ZeutrumSsührer Herrn Dr. Lieber gepflogene Korrespondenz, in welcher sich Dr. Horwitz gegen die Bezeichnung derHarden'schen „Zukunft" als ein von „jüdischen Federn bedientes Blatt" verwahrte. An der „Zukunft" hat beispielsweise u. a. auch der vormalige Abg. Leuß mitgearbeitet. Tr. Lieber antwortete in einem verbündlichen Schreiben, in welchem er der „hervorragenden sriedesördernden Thütigkeit" des Zentral-Bereins Erfolg wünscht. v. * Für Kantoren! Wir erhalten folgende Zuschrift: Hierdurch möcht ich mir erlauben, die Aufmerksamkeit meiner geehrten Kollegen aus die Liturgie zu richten. Der Mangel an Abwechslung im Synagogengesang ist ein ausgesprochener. Wie soll sich nun ein strebsamer Kantor, der nicht immer denselben Lecho dodi singen, aber auch keine profane Melodien verwenden möchte, Helsen? Entweder er muß sich eine Anzahl Gesangswerke kaufen, oder er wendet sich an Kollegen und Gesangvereine, um .sich von diesen Abschriften zu erbitten. Im erfteren Falle muß er zu tief ins Portemonnaie greifen und im zweiten Falle erhält er meist abschlägige Antwort. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, ein Sammelwerk zu schaffen für Solonnd Ehorgesang, in dem der Kantor für die meisten Teile, die von ihm oder vom Ehore gesungen werden, mehrere melodiöse Gesänge vorfindet, unter denen er sich die für seine Stimmlage und Vortragsweise geeignetsten auswählen kann. Die Hauptsache ist und bleibt allerdings bei den musikalisch schönsten oder schwächsten Gesängen stets der innige, würdige, vom Herzen kommende und zu Herzen dringende Vortrag. Jedoch kann auch der Kantor nicht zum wenigsten durch Abwechslung in seinen Gesängen bei dem hierfür nets dankbaren Auditorium das Interesse für seinen Gottesdienst erwecken, erhalten und erhöhen! — Deshalb habe ich mir erlaubt, au die Kollegen größerer Gemeinden in einem Zirkulair den Appell zu richten, mir dieses schöne Werk durch Ueberlaffuug einiger ihrer Komvositionen zu ermöglichen. Der Zweck dieser Zeilen ist nun, alle diejenigen Kollegen, die sich berufen fühlen und für berechtigt halten (selbst wenn sie kein Zirkulair empfaugeu haben) an diesem Werke, das nicht teuer werden darf, milzuarbeiteu, zu bitten, baldmöglichst ihre Arbeiten eiuzuseuden, und hoffe ich weiteren Bericht über Entwicklung und Beteiligung in diesem gelch. Blatte geben zu können. (Wir lütten darum! Red.) Diejenigen Kollegen, die selbst eine Herausgabe . ihrer Kompositionen beabsichtigen, werden gut thuu, inir einige Proben