Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-22 · 12 (22.3.1895) · p. Seite 191

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
12 (22.3.1895)
Date
1895-03-22
Page
Seite 191 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4794838-9608360-9608467--0314-9608478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 12. e f «H u r u n. Sette 191. Ursprung der Ange ls ach s e n, London 1864. Von John Wikson (Risbet.) 'Auf Seite 11 heißt es: „Israel s Grab war des Sachsen Geburtsort. Dies sind zwei Rätsel, die die Geschichtsschreiber lange beschäftigt haben: Wo blieben die verlorenen Stämme Israels, des nach den Versprechungen und Absichten Gottes wichtigsten Volkes? Woher'kamen die Sachsen?" Auf Seite 18 steht zu lesen: „Man pflegte den Anfang eines 'Namens in der Umgangssprache oder wenn man ihn mit einem anderen Worte verband, zusammenzuziehen und so bedeutet Sachse: — Isaaksohn (Saxon rneans Son of Isaac)!‘- — „Sachsen Jsaksen Jsaaksohn" — köstlich! Run weiß man doch, worauf die „Helligkeit" der Sachsen zurückzuführen ist! Was sagt aber der beredte Abgeordnete Sachße mit seinem sächsischen Standpunkt dazu? *t. Ans Oesterreich. Einiges Aufsehen erregt hier eine Enthüllung, die die „Ostdeutsche Rundschau" über den Herausgeber des antisemitischen „Deutschen Volksblattes" Ernst Vergani macht. Dieser war in den Jahren 1882 —1890 Bürgermeister, ja sogar Ehrenbürger der Gemeinde M ü h l d o r f. -Aach Uebernahme des Amtes seitens eines 'Nachfolgers entdeckte dieser manche — sagen wir — Ungenauigkeiten in der Kasse; so feilten 563 Güldene Gemeindeumlagegclder. Auch ein Meineid zu Gunsten Verganis. ist bereits geschworen und als solcher nachträglich festgestellt worden. In einem Schreiben an den Landesausschuß erklärt sich Vergani bereit, den defraudierten Betrag „auf jeden Fall" zu ersetzen, wenn Ulan ihm die Ziffer namhaft macht. — Und Prinz Liechtenstein, der Kavalier und Offizier, ist bei dein Blatte dieses sauberen Vergannew — Mitarbeiter! — Gegenüber der Meldung der Blätter über die Absendung eines Briefes des Papstes an den Prinzen Aloys Liechtenstein in der mit der Reife des Kardinals Grafen Schönborn nach 'Nenn zusammenhängenden Angelegenheit, erklärt Prinz Liechtenstein in der „Reichspost", ein derartiges Schreiben an ihn sei überhaupt nicht ergangen. - Der Verwaltungs-Ausschuß des Heveser Komitats hat die Frage: ob ein Jude Matrikelführer sein kann, aus Anlaß eines konkreten Falles mit Stimmenmajoritüt verneint. Der Ausschuß kandidierte nämlich infolge des bekannten Ministerial-Erlaffes sämtliche Gemeindenotare für die zu kreierenden Matrikelsührerstellen. Rur der Kreisnotar von Bätor-Boes und Aranyos, Jakob Blumenberger, wurde nicht kandidiert, obgleich die liberal denkenden Mitglieder des Ausschusses mit dem Vizegespan an der Spitze mit aller Wärme den Standpunkt vertraten, es dürfe dort, wo es sich um die Verwirklichung einer wahrhaft liberalen Institution handle, der Geist der Intoleranz nicht zur Geltung gelangen. Der Ausschuß beschloß, daß für den genannten Bezirk, obgleich gegen dessen Notar keinerlei Einwurf erhoben werden könne, ein besonderer staatlicher Matrikelführer ernannt werde. ck. Der Zickzack-Kurs in Nuffland. Das gutunlerrichtete „Wolff'fche Delegraphen-Bureau" versendet eine aus Petersburg datierte Nachricht, es sei ein llkas veröffentlicht, wonach der Prozentsatz der jüdischen Zöglinge der Odessa er Handelsschule einzuschränken und das Verhältnis der jüdischen Schüler zu den christlichen nach dem Verhältnis festzusetzen ist, in welchem die Juden am Unterhalte der Schule teil nehmen. Rach diesem Verhältnis werde der Finanzminifter alljährlich den Prozentsatz der zuzulassenden jüdischen Schüler bestimmen. Ergo: B e s ch rä n ku n g. Warschauer Blätter dagegen melden, der Kultusminister habe -ine an ihn gerichtete Frage dahin beantwortet, daß es allen Schülern, ohne Unterschied der Konfession, o_auch den j ü disch en, frei stehe, jede ihnen beliebige höhere Schule des Reiches zu besuchen. Ergo: Freiheit. — Ein klares Urteil gewährt nur eine am Sonnabend durch die Tagespresse bekannt gewordene Thatsache, nämlich bie, daß die russische Oberpreßverwaltung an die Redaktionen verschiedener Blätter ein Schreiben gerichtet hat, in welchem der Ansicht entgegengetreten wird, daß ntit der inneren Politik des verstorbenen Zaren gebrochen werden solle. Die Regierung denke nicht daran, eine andere Richtung einzuschlagen.— Run weiß man doch wenigstens, woran man mit dem freiheitlichen Traume ist! * Juden und Katholiken in Amerika. Die reichen Juden in Amerika haben fast durchweg der republikanischen Partei angehört Auf die an sie ergangene Einladung hin, sich den antikatholischen Vereinen anzuschließen, sind sie samt und sonders aus der republikanischen Partei ausgetreten; sie haben jene Einladung, jenen Appell an den Haß der Andersgläubigen durch den Beitritt zur demokratischen Partei beantwortet. Es ist leicht möglich, daß bei der nächsten Präsidentenwahl der von den Apaisten aufgestellte Kandidat nicht die Mehrheit der Stimmen erhalte. In diesem Falle würde denn der Sieg der katholikenfreundlichen Partei zum großen Teile den Juden zu verdanken sein, denselben Semiten, die in Oesterreich von dem niederen Hetzklerus so rücksichtskos angefeindet werden. Heute nimmt der Episkopat gegen diese subversiven Elemente, die sich feiner Autorität nicht mehr fügen wollen, Stellung. 'Man erwägt in der Oeffentlichkeit die Hoffnungen, welche sich an die Mission das Kardinals Schönborn knüpfen dürften. — In sülchen Tagen ist es nicht unangemeffen, zu erinnern, daß der Rew-'Aorker Bankier Jesse S e l i gmann von dem Papste in einer Privataudieuz empfangen wurde. Bei dieser Gelegenheit bekundete der Papst, daß ihm die katholischfeindliche Strömung in Nordamerika wohl bekannt ist, und rühmend hob er die konziliante Gesinnung der Juden gegen Andersgläubige hervor. Er erklärte auch ausdrücklich, daß er die Gehässigkeit gegen die Juden auf das lebhafteste bedauere und daß kein gläubiger Katholik den jüdischen Stamm, aus dem doch der Stifter der christlichen Religion hervorgegangen sei, verfolgen könne. Dieser Ausspruch läßt aunehmen, daß der Papst die Thätigkeit der Christlich- Sozialen nach Gebühr zu würdigen wiffen werde. Gemeinde, Synagoge und Schule. * Berliner Nachrichten. Den Aufsatz des Herrn Klausner über den „jüdischen Religionsunterricht in Berlin" in der vorigen 'Nummer dieses Blattes ergänzend, sind wir in der Lage mitzuteilen, daß die königliche Regierung den Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde durch das Provinzial- Schullollegium ersuchen ließ, einen Bericht einzureichen über die Frage, ob und wie für den Religionsunterricht der jüdischen Kinder seitens der Geineinde gesorgt wird. — Der Stamm-Verein Linath Hazedek (es giebt bekanntlich zur Zeit bierselbst zwei Vereine', die, gleiche Tendenzen verfolgend, denselben Namen führen) beging am Donnerstag, den 14. d. M. in dem Festsaal des Berliner Handwerker- Vereins die Nachfeier des Purim-Festes, welche denn auch in weihevoller Stimmung verlies. Eine zahlreiche gewählte Gesellschaft hatte sich in dem prächtigen Festsaal zusammengefuudeu. Um 11 Uhr begann die offizielle Festlichkeit, welche durch einen schwungvollen Prolog, von Frl. Martha

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.