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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-22 · 12 (22.3.1895) · p. Seite 193

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
12 (22.3.1895)
Date
1895-03-22
Page
Seite 193 (sequence 13)
Language
German
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derselben zu überlassen, da hierdurch das Interesse sür ibre Arbeiten nur gewinnen kann. Isidor Popper, Prediger und Kontor Mühlhausen (Tbnringen). ''8t. Aus Amerika. Das; hierzulande auch unsre I-rauen an der religiösen Bewegungen beteiligt und daß sie ganz stramme Partei- — „Männer" hätte ich beinahe gesagt! — Vertreter sind, das geht aus zwei Berichten in der vorletzten Nr. dies. Blattes hervor. Ein in Neiv - Port erscheinendes jüdisches Blatt widmet dieser Erscheinung ein ganzes Kapitel und stellt eine Anzahl von Dhatsachen zusammen, welche aus das neu erwachende Interesse der jüdischen Frauenwelt sür alle jüdischen Angelegenheiten hinweist. Der Bersasser betont die große Bedeutung, welche sür den Bestand des Judentums die Wandlung bedeutet, daß die den gebildeten Ständen angehörenden jüdischen Frauen und Mädchen nicht mehr kalt und teilnahmslos die eigenen Interessen übersehen, sondern sich wieder sür die jüdische Geschichte uitd Vittcvatur begeistern. In dieser Anschauung gipfelte ein Vortrag, den Miß Reichmann über „die junge Jüdin von heute" im „hebräischen Jünglings- Verein" gehalten hat: „Haben wir erst wieder unsere Frauen und Mädchen sür das Judentum zurückgewonnen, dann hat es innere Festigkeit genug, um allen Angriffen, die uns von außen umdrohen, zu trotzen". — Es ist sonderbar, daß man nicht auch im westlichen Europa auf Mittel sinnt, die geeignet wären, die jüdische Frauenwelt sür das Judentum zu interessieren, - zu gewinnen. — Tout comme ehez norm. In Deutschland ist eS in einer Hinsicht nicht anders als in Amerika, wo ein bekannter Gelehrter wie folgt öffentlich klagt: „Die jüdische Litteratur ist das Stiefkind des Büchermarktes." Wenn ein Schriftsteller nicht selbst in der Lage ist, die Druckkosten zu tragen, nluß er sich der erniedrigsten Bettelei aussetzen. Woher das kommt? Hauptsächlich davon, daß diejenigen, von welchen man am ehesten erwarten sollte, daß sie Belehrung über das Judentum suchen, die Juden nämlich, am wenigsten nach jüdischen Büchern greifen. Wenn man sich erinnert, wie in früheren Feiten jedes jüdische Haus eine Mendelssohn'sche Bibel und alle begüterten die landläufigen talmudischen Werke besaßen, kann man nicht leugnen, daß wir heute Rückschritte gemacht haben. Die Familie des Mittelstandes hat nicht einmal eine Bibel und unsere Reichen kaufen höchstens das, wodurch sie durch Subskription moralisch genötigt werden, und auch das nur, um es in die Rumpelkammer zu werfen. Wir müsseu auch zu unserer Schande gestehen, daß die christliche Gesellschaft uns darin weit überlegen ist. Und dabei hört man noch klagen, daß die jüdischen Gelehrten ihre eigene Litteratur vernachlässigen! ,r~ Der Orden „ B' nai B'rith" ist eine der wenigen jüdischen Gesellschaften, welche in Logen ihren Vereinigungspunkt geschaffen, die nicht bloS von der Pstege der Wohlthätigkeit, Mildthätigkeit und Bruderliebe, von Förderung der Bildung und Erziehung spricht, sondern Anstalten gegründet hat, welche die Prinzipien, zu denen sich der Orden vor der Welt bekannt hat, in die Wirklichkeit übertrugen. So hat der Orden eine großartige Waisenanstalt in Eleveland, Ohio, in's Leben gerufen, eine gleiche Anstalt in Atlanta, Ga., eine ähnliche in ' San Franeiseo, Gewerbeschulen, Bibliotheken, wie z. B. die Maimonides - Bibliothek in Rew-Pork, Schulen in verschiedenen Städten des Orients und das Altenheivl in Ponkers, welches wohl keiner derartigen Anstalt in irgend einem Teile der Welt nachstehen dürfte in der herrlichen Veranlagung, in den Begnemlichkeiten, welche es seinen Schützlingen bereitet, un dem Anheimelitden, daß es den alt gewordenen Brüdern und Schwestern bietet. Ein Dollar per Jahr war der ganze Beitrag, den die Brüder vor etwa 30 Jahren tvegzulegen sich verpflichteten und aus diesen einzelnen Dollars wuchs nach und nach ein Kapital auf, das über 100,000 Doll, zählte, und mit diesem Grundkapital wurden mehrere Acker Landes in Aonkers angekauft und das prächtige Gebäude mit feinen Parkanlageit errichtet. Es befinden sich gegenwärtig 65 Insassen im Heim, acht verheiratete Paare, 37 Männer und 12 Witwen. Das Heim wird durch den Jahresbeitrag von zwei Dollars seitens eines jeden Mitgliedes des ersten Distrikts und durch gegenseitige Schenkungen und Vermächtnisse erhalten. — Bei uns in Deutschland haben die Logen sich, Gott und der Feitströmung sei es geklagt, rasch überlebt. Red. * Hier und dort. Es wird unsre Leser, welche die „Aordd. Allg. Ztg." selten oder nie zu Gesicht bekommen, sicher die Mitteilung interessieren, daß dieses offiziöse Organ des jeweiligen preußischen M i n i st c r i u in s sich abfällig über die letzten sogen. Jude nd e b a t t e n und über den Antisemitismus ausgesprochen hat. - - Rabb. Dr. SS enter aus Danzig hat fein neues Amt in SA ü n ch e n übernommen. Dem Scheidenden wurden in Danzig seitens der Bürgerschaft und ihrer Vertretung außerordentliche Ehren erwiesen. Einem länger« Bericht, den uns ein Freund unsres Blattes in Danzig schickt, entnehmen wir den Sap: „Obwohl kein Freund der dem Ghetto (?) entstammenden Floskeln, muß ich doch die Ehrung des Hrn. Dr. Werner als einen Xi'ickusob haschem, als eine Ehre für tmsrc engere Gemeinde und unsre weitere Gemeinschaft bezeichnen; alle, alle, mit dem ersten Vertreter unsrer Stadt, Oberbürgermeister Dr. Baumbach angefangcn und den Vorstehern der lokalen Bildungslind anderer Vereine aufgehört, bemüheteu sich zu zeigen, daß der Scheidende ihilen wert gewesen und sie seine Bedeutung sür das kulturelle Leben unsrer Stadt gebührend anerkennen, daß sie feinem Scheiden mit aufrichtigem Bedauern zuschauen und sich immer wieder die Frage vorlegen: Wer soll diesen Mann ersetzen?" — Der „Westdeutsche Missionsverein für Israel" in Köln hat im verflossenen Jahre an Liebesgaben rc. eingenommen 14,681,90 M., ausgegcben 13,222,16 M-, darnnter allein Gehälter, Reisekosten :c. an die Missionare und Kolporteure 11,500 SA. Es gelang nur in Köln drei und in Frankfurt a. SA. fünf jüdische Seelen zur Taufe zu führen. — Heuer gehen bekanntlich alle Geschäfte schlecht! - Ter hannoversche Provinziallandtag hat die veranschlagte Summe von 16,500 M. für das j ü - d i s ch e S ch n l - imb S y n a g o g e n w e s e n ein st i m m i g bewilligt. — Als Nachfolger des an die Waisenanstalt in Fürth berufenen Distriktsrabb. Dr. Deutsch ist Hr. Dr. Sal. Bamberger, Rabb. der israel. Stetig.-(Gesellschaft zu Bingen, gewählt worden. In Eschwege-Schmalkaldeu ist bei der Nachwahl zum Steichstage an stelle des Hrn. L e u ß sein Gesinnungsgenosse Pastor I s k r a u t gewählt worden. In der Stichwahl zwischen diesem und seinem sozialistischen Mitbewerber stimmte, wie es scheint, auch ein großer Teil der Freisinnigen für den Slntisemiten. — Die Teputiertenkammer hat ohne Slmeiidemeut die Sluschläge für die den jüdischen religiösen Instituten tn_ Frankreich während des Jahres 1895 zu zahlenden staatlichen Hilfsgelder angenommen. Die votierten Beträge sind 133,530 Frauken für die Knltnsbeamten (Oberrabb., Stabb. und Vorbeter) und 22,000 Franken für das Seminar. Die Bewilligung für Synagogen- Banteu ist unverändert verbunden mit der Bewilligung für protestantische Kirchen; es werden für diese Zwecke jährlich 58,000 Franken verarisgabt. Das ^Denkmal am Grabe des verstorbenen Großrabb. von Frankreich, SA. Isidor, dessen Herstellungspreis so bedeutend war, daß die mosten durch eine öffentliche Subskription aufgebracht werden mußten, ist soeben erst, nach einem Verzug von sechs Jahren, vollständig fertig geworden. — Die Baronin Salomon von Rothschild hat dem Maire von Paris 25,000 Franken zum Ankauf von Feuerung für die dürftigsten Armen der Hauptstadt übersandt. Vor kurzem wurde gemeldet, daß die Herren Stothschild F-nres zu demselben Zwecke 20,000 Franken gespendet haben. - Große Entrüstung hat bei den aufgeklärten Politikern und Journalisten in Bukarest die Nachricht verursacht, daß die Depntiertenkammer ein von dem Inden

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