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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11. § t f <$ u x u *t. Seile 165. Bankerott (35,72 bezw. 21,13 pCt.), Verletzung der Wehrvflicht (7,44 bezw. 8,23 M.), übrige Verbrechen und Vergeben gegen das Eigentum (7,85 bezw. 8,23 pCt.), Beleidigung (8,09 bezw. 5,35 pEt.), Betrug und Untreue (6,73 bezw. 6,93 pEt.) Urkundenfälschung (4,96 bezw. (5,59 pCt.) Die drei letzten Kategorien erheben sich wenig über den Durchschnitt. Wie verteilen sich nun aber die Berufszweige innerhalb jeder Konfession? Darüber geben die Ziffern von 1890 Anbaltüpnnkte, die für das Reich fehlen. Während die Juden 5 pEt. der gesamten Bevölkerung Berlins ausmachen, sind 22,5 pEt. der.Handelstreibenden jüdischer Konfession. Dieser wird noch ein erheblicher Bruchteil der Rentiers zuzuzählen sein. Vom Hausiergewerbe sind 11,5 pEt. weniger wohl, als auch die Antisemiten erwarteten — Juden. Wenn wir nun weiter berücksichtigen, daß u. a. folgende erheblicher das allgemeine Verhältnis übersteigende Bruchteile an jüdischen Berussgenossen in folgenden Branchen ermittelt wurden: Textilindustrie (9,6 pCt.), Ehemische Industrie (8,8 pEt.), Litteratur (7,8 pEt. des betreffenden Bevölkerungsteiles) — so fallen alle Schlüsse der Herren Antisemiten in nichts zusammen. Die Kriminalitätsziffern ergeben das simple Resultat, daß die Verbrechen am meisten begangen wurden, welche dem betreffenden Berusszweige eigentümliche und naheliegende waren. Also dem Handelsstande Bankerott re., den Industriellen Vergehen gegen die arbeiterschützenden Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung, der Litteratur Vergehen gegen das geistige Eigentum. Die Verletzung der Wehrpflicht, welche übrigens bei den Katholiken um das Dreifache höher ist, beruht im wesentlichen aus der Auswanderung, und die etwas höhere Ziffer bei der Beleidigung zum erheblichen Teil gerade auf der antisemitischen Agitation. Und genau so wird es bei der Kriminalstatistik des Reiches sich verhalten. Rein, verehrte Herren Antisemiten, Statistik ist nicht eine so leichte Sache, wie sie sich die Dilettanten vorstellen. Wollen die Herren außer bei ihren gläubigen, urteilslosen Hörern in der Oessentlichkcit statt allgemeiner Wendungen statistisch-exakte Beweise erbringen — jedem Freunde der Wahrheit und Wohlfahrt unseres Volkes kann das nur willkommen sein. Aber nicht Haß, nicht blinde Leidenschaft, nicht Vorurteil regieren in dem Reiche dieser 'Wissenschaft. Und ohne diese Requisiten wo wäre da der ganze Antisemitismus, diese geistige Krankheit dieses Jahrhunderts '< Dir Critfätfc des D.-I. K.-K. kür den verband der israelitischen Lehrer-Nereine Deutschlands. Besprochen von A. Peritz-Königsberg, Mitglied der Sctmliiispektioii der Synagogcii-Gcmeiildeii Ostpreußens. Der Entschluß des T.-J. G.-B., dem abseitigen Wunsche der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands nach eitler allgemeinen Vereinigung dilrch geeignete, vorbereitende Schritte zur Verwirklichung zu helfen, wird in allen jüd. Lehrerherzen eine dankbare mit» freudige Aufnahme und eine begeisterte Znstimmung finden, bietet sich uns doch damit eine glückliche Lösung der Verwirrung, die durch die verschiedensten Gründungsprojekte dieser Art hervorgerusen worden und der Begeisiernng für die Idee eines allgeineinen Bundes bereits Abbruch zu thun begoililen hat. Urtter der weifen und eine unparteiische Förderung aller großen, das Gesamtjndentum berührenden Interessen verbürgenden Leitung des D.-J. G.-B. werden sich die widerstreitenden Meinungen der jüd. Lehrerschaft über Zweck, Ausgabe und Organisation des zu begründenden Bundes leichter auslösen und die zur Zeit noch im Vordergründe der Bewegung stehenden persönlichen Interessen den höheren, sachlichen, aus die Hebung und Förderung des GesamtjudentlunS hinzielenden Ausgaben unterordnen. Die Beteiligung des D.-J. G.-B. an unseren Bestrebungen wird ohne Zweifel überall als eine sichere Bürgschaft dafür aufgesaßt werden, daß wir nur gemeinnützige, der Schule und dem Judentunl zum Heile gereichende Ziele verfolgen und uns dadlirch besonders in den Kreisen der Gelneinde - Vertretungeil zahlreiche Freunde gewinnen, die bereit sind, den Arbeiten der Lehrer-Vereine zunr Segen der Schule auch praktische Bedeutung zu verschaffen. — Die rückhaltlose Zustimmung zu dem dankenswerten Anerbieten des D.-J. G.-B. kann uns aber nicht davon abhalten, gegen einzelne Beftiullnungen der von demselben veröffentlichten Leitsätze, die, unserer Meinung nach, der Ab- und Ansichteil der Majorität der jüd. Lehrerschaft zuwiderlaufen, öffentlich Widerspruch zu erheben. Im übrigen glauben wir damit auch dem Zwecke der rechtzeitigen Veröffentlichung der Leitsätze zu entsprechen, der doch kein anderer sein kann, als die jüd. Lehrerschaft über gewisse Hauptpunkte der Organisation zu sondieren, um dann ii Gemeinschaft mit den Delegierten der Lehrer-Vereine ein Statut zu entwerfen, das in allen wichtigen Fragen der Meinung der gesamten Lehrerschaft Ausdruck giebt. Das erste und schwerwiegendste Bedenken erweckt in uns der in den Leitsätzen zum Ausdruck gebrachte Gegensatz zwischen seminaristisch gebildeten Lehreril und Lehrern mit autodidaktischem Können. Der Verband, der eine Vereinigung aller bestehendeil jüd. Lehrervereine sein will, darf in sein Statut eine solche Bestimmung unmöglich aufnehnlell, weil die Statuten der Einzelvereine diese Unterscheidung nicht kennen und er dainit ohne Berechtigung in das Selbstbestimmungsrecht derselben eingreist, was grundsätzlich ausgeschlossen bleiben lnuß. Welche praktische Folgen eine solche Bestinilllung unter den gegenwärtigen Verhältnissen.haben kann, zeigt am besten das Beispiel des Vereins der jüd. Lehrer Ostpreußens, der unter seinen ca. 50 Mitgliedern nicht zehn seminaristisch geprüfte Lehrer zählt, also nach den Leitsätzen trotz seiner nmnmerischen Größe kein Recht aus selbständige Vertretung in der Delegierten-Versammlung hat. Es ist uns damit, wenn wir der Würde unseres Vereines nichts vergeben wollen, geradezu unmöglich gemacht, dem Verbände beizutreten, was wir im beiderseitigen Interesse bedauern müffen. Wir können uns zu solchem Opfer an unserer Selbstachtung um so weniger entschließen, als uns der Grundsatz, die nichtseminaristischen Lehrer in unserer Vereinigung von gewissen Rechten anszuschließen, sie also zu Kollegen zweiter Klasse zu stempeln, mit dem obersten Zwecke unserer Vereinigung, der Förderung des Gesamtjudentums durch Hebung der jüd. Schuten und Besserung der Stellung ihrer Lehrer, nicht vereinbar erscheint. Es ist allgemein enerkanut, daß die Lehrer-Vereine die wichtigsten Hilfsmittels für die Fortbildung der Lehrer, die Förderung ihrer Bernfsfreudigkeit, die Stärkung und Hebung ihrer nwralischen^Haltnng^und^ie.Entwickelung .ihres metho-

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