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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-01 · 9 (1.3.1895) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
9 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
Seite 141 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1). 3 e f c$ u r u n. Seite 141. dessen will Herr Schechter Nachweisen, daß eine derartige Auffassung von den Rabbinern als heidnisch verpönt wurde. Eine mystische Stelle, welche über den Wohnort der Gottheit sich ausdrückt, soll erklärt und die Notwendigkeit dargelegt werden, theosophische Fabeln von gesunder theologischer Aufsassung zu trennen. — Wie weit Herr Schechter den jungen amerikanischen Nabbinern, welche über derartig heikle theologische Fragen mit einem Achselzucken hinweg schreiten, jiuf die Hühneraugen treten wird, läßt sich noch nicht ermessen. Aber es wird jedenfalls durch das Auftreten des Herrn Schechter etwas lebhafter in jüdischen gelehrten Zirkeln werden, und mancher Herr wird wohl daran thun, die alten Schmöcker aus der Rumpelkammer hervor zu holen, um dem englischen Ritter des Talmudismus gegenüber gewappnet zu fein. — Der neunte Jahreskonvent des „Verbesserten Ordens der B'nai B'rith" wurde am 27. v. Ms. in der „Royal- Arcanum-Halle" in Baltimore vom Supreme-Präsidenten Heerman Fuchs von "New Port eröffnet, Rach dem unterbreiteten Jahresberichte des Erekutivkommittees wurden im vergangenen Jahre 95)00 Doll, an Sterbegeldern ausbezahlt. In den Kassen der verschiedenen Logen ist ein Barbestand von 90000 Doll, und die Supreme-Loge verfügt über einen Reservefond von 12000 Doll. — Rev. Dr. 'S. H. Sonneschein, welcher vor einigen Monaten sein Amt als Prediger einer San Francisco'er Gemeinde niederlegte, weil die Mitglieder ihm in seinen Reform - Bestrebungen nicht folgen wollten, ist wieder in Gnaden von seiner ersten Liebe in R e w - P o r k ausgenommen worden, welche er vor mehr als einem Viertel Jahrhundert verließ, um den Sirenentönen der radikalen Gemeind in St. Louis zu folgen. Herr Dr. Sonneschein war, als er zum ersten Mal den amerikanischen Boden betrat, ein strammer Vertreter des altgläubigen Judentums; von einer Aenderung im alten jüdischen Gebetbuch wollte er nichts wissen, und die Gemeinde in Rivington Street, die ihn berufen hatte, war auch allen Neuerungen abhold. Dr. Sonneschcin mar gar bald als feuriger Redner und gelehrter Kasuist bekannt, und sein Ruf drang schnell über die Grenzen der Stadt. Aber der Herr Doktor amerikanisierte sich und die Gemeinde nicht minder, die letztere viel später. Der Rabbiner zog nach seiner Umwandlung in einen radikalen amerikanischen Reform - Lehrer mit Weib und Kind nach St. Louis, ohne aber den Frieden zu finden, der dem Gerechten befchieden ist. Die Gemeinde zog nach einem Jahrzehnt oder mehr ebenfalls neue Gewänder an, kaufte sich einen Tempel und ließ dort von dem Reformer Benjamin das neue Evangelium der Verjüngung predigen. Aber mit den Finanzen ging es abwärts, und Herr Benjamin strikte, ohne aber darauf zu bestehen, daß nur er und kein anderer die Kanzel besteigen solle. Run wandte sich Herr Tr. Sonneschein, der nach vielen Irrfahrten ein Ruheplätzchen suchte, an seine erste Liebe uub sie nahm ihn wieder in Gnaden auf. * Die Juden in Süd-Afrika, haben viel zur Hebung der Goldindustrie, zur Entwickelung der Bergwerke beigetragen. Süd-Afrika hat eine große Zukunft und mit ihm auch die dortigen Juden. Jedoch nicht nur materiellen Interessen wenden sich die Juden Süd-Afrikas zu, die zahlreichen jüdischen Gemeinden und Tempel zeugen von ihrem geistigen Leben. Natürlich herrscht in diesen neuen Ansiedelungen' nicht der Ton^ der althiftorischen Gemeinden, doch der jüdische Oieist hat sich frisch erhalten. Das geistige Erbteil ihrer Väter ist mit den Juden in ihre neue Heimat gezogen. In neunundneunzig von hundert Fällen ist religiöse Entfremdung nur dem Einflüsse schlechter Gesellschaft zuzuschreiben. Desto mehr ist es zu beklagen, daß man nicht anerkennen will, wie wünschenswert es wäre, um etwaigem Jndifferentismus zu steuern, bewährte Seelsorger für die Kolonieen anzustellen. In den meisten dieser Oiemeinden glaubt man, daß ein Beamter, der den Posten eines Seelsorgers, Vorbeters und Schochet versieht, genüge. In Wirklichkeit hängt jedoch viel, sagen wir alles, von der Vorbildung, Persönlichkeit und Energie des geistigen Führers ab. Und gerade wäre es eine wichtige Ausgabe, in diesen Kolonieen den Lehren des Judentums eine feste Stätte zu verschaffen. Wer weiß, ob nicht in konunenden Jahrzehnten dieses Land berufen fein wird, für die Ideale des Judentums einzustehen! Für einen, talentvollen, energischen und zugleich enthusiastischen Mann wäre Süd-Afrika ein geeignetes Feld, um feine Ideen zum Wohle des Judentums dnrchzuführen. — Die Cap-Town Gemeinde geht jetzt an die Anstellung eines „Ministers". * Hier und Dort. Das Wohlthätigkeitsfest zum besten der Berliner Kinder-Volksküchen, welches jüngst in der Philharmonie abgehaltcn wurde, hat einen Ertrag von 12 144 Mark 35 Pf. gebracht. So meldet auch die gegnerische Presse. Daß der Begründer dieser Anstalten Abraham heißt und Jude ist, das verschweigen sie wacker. - Zum Inspektor des israel. Waisenhauses in Pose u ist Herr Lehrer Katzenstein aus Wetzlar gewählt worden. — Herr Dr. P. Kohn aus Mannheim wurde zum Distriktsrabbiner für den Kreis A n s b a ch ministeriell bestätigt. - Jüdischer Religionsunterricht an den höheren Knaben - und Mädchenschulen einzuführen, war vor einiger Zeit seitens der israelitischen Gemeinde in H a n n o v e r beantragt; der Antrag war fast gleichzeitig mit dem auf Einsührung des katholischen Religiosnnterrichts gerichteten Antrag eiugeaen. Während letzterem Anträge stattgegeben wurde,- ist der ag auf Einführung des jüdischen Religionsunterrichts abgelehnt worden, „da in diesen Schulen nur christlicher Religionsunterricht erteilt wird". — Die Gemeinde in Oppeln hat, in Rücksicht aus den Zuwachs an Mitgliedern, den Bau einer neuen Synagoge beschlossen. - Versetzt wurden durch die Königliche Regierung zu Kassel die Lehrer HH. Plaut von Zimmersrode an die israel. Schnle in Witzenhausen. — Perlstein von Zwesten an die israe Schule zu Gudensberg, — Lo the i m von Baumbach an die israel. Schule zu Netra. — Dem bisher beauftragten Lehrer Hrn. Spier zu Gemündcn tvurde die Lehrerstelle seines Vaters daselbst übertragen. — In den Ruhestand versetzt wurde Herr Lehrer Boley in Mansbach. — Znm Lehrer und Prediger der Synag.-Gemeinde Lehe- Geftemünde wurde Hr. S. Bachenheimer aus Bornheim gewählt. — Die Repräsentanz der i s x a e l i t i s ch e n G c m e i n d e in L ein b erg beschloß einstimmig, anläßlich des 50jähritzen Regierungs- Jubiläums des Kaisers von Oesterreich ein neues jüdisches Spital in Lemberg zu errichten. — Die Federation of Synagogues hat in London Samuel Montagu und Herrn'Herrmann Landau zu ihrem ersten und zweiten Präsidenten gewählt, Rev. Eb. Z. Mackoby wiederum zum Prediger berufen. Sir Montagire hat für die Anstellung eines zweiten Kultusbeamten 20 000 Mark gezeichnet. — Rach einer Meldung aus O d e s s a sind die Komitees, die für die Organisierung der Auswanderung der Juden aus Rußland gebildet waren, mit Rücksicht darauf, daß sich die Lage der russischen Inden zu bessern beginnt, aufgelöst worden. — Aus K urland wird mitgeteilt, daß die dort ansässigen litauischen Juden, über deren Haupt stets das Damoklesschwert der Ausweisung geschwebt hatte, sofern sie nicht im Stande waren »achznweisen, daß sie sich schon seit 1880 an ihren resp. Wohorten befinden, auf eine an den Senat gerichtete Bittschrift telegraphisch den Bescheid erhalten haben, daß de» Inden der A u fe n t h a l t in Kurland nunmehr ohne jede Bedingung gestattet sei. Blätter. * Zur Etymologie des Wortes „Ghetto" teilt uns Dr. Grüuwald-Sophia mit: iß zahlreich die Versuche dieses Wort zu deuten auch sind, so scheint mir dennoch das letzte Wort

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