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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-01 · 9 (1.3.1895) · p. Seite 142

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
9 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
Seite 142 (sequence 14)
Language
German
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Seite 342. I e s <H ri r rr rr. Nr. 9. hierüber noch nicht gesprochen zu sein; die allgemein angenommene von getto „Gießerei" trifft im günstigsten Falle für Venedig zu; der verewigte Oberrabbiner Mortara leitete es vom griechischen Worte „geiton" (Nachbar) ab, und mm lese ich in W. D. Howell's Venetian life (Leben in Venedig) Vol. 3 eine Erklärung von Mantinelli in dessen Buche De] commercio dei Yeneciam (über den Handel der Venetianer) ivonach das Wort Ghetto vom hebräischen Worte nny (Eda-Gemeinde) (von den Italienern nAlreda ausgesprochen) stammen soll. Da diese Erklärung aus dein 35. Jahrhundert, also dem Ursprung des Ghetto, stammt, scheint sie mir jedenfalls beachtenswert. * Die größte Bibel der Welt befindet sich in Ronl im Besitze des Papstes. .Sie ist in hebräischer Sprache geschrieben uitd wiegt 320 Pfund. Drei Männer können sie kaum tragen. Jur Jahre 3572 soll ein Syndikat venetianischer Juden dent Papst Julius II. die Abgabe der heiligen Schrift gegen das Gewicht derselben in Gold angeboten haben; doch der Papst vermochte sich nicht, trotz der großen Sumine, voit feinem Schatz zu trennen. Bei dem jetztigen Goldwert würde das heilige Buch nach feinem Gewicht in Gold 34/2 Millionen Mark wert sein — gewiß das teuerste Puch, das augenblicklich existiert. * Mit einem hübschen Worte begrüßen die indischen Priester die neugeborenen Kinder. „Weinend kornmst du zur Welt" — heißt es — „während alle um dich her lächeln. Strebe so zu leben, daß du mit Lächeln von hinnen scheiden kannst, mährend alle um dich her weinen." * Warum läßt Ehamisso seinen „Peter Schlemiehl" feinen Schatten verlieren? Daß der Name Schlemiehl dem biblischen Fürstennamen Schlumi-el „mein Heil ist der Allmächtige" entlehnt ist, ist jedem Bibelkenner gewiß bekannt; dem Midrasch zufolge ist Schlumiel ben Zurischaddaj, der Fürst des Stammes Schimeon, ohne sein Verschulden eines plötzlichen Todes gestorben. Wenn wir nun noch hinzunehmen, daß dem Talmud zufolge die meisten Lehrer dem Stamme Schimeon angehören, weil sie nach dem treffenden Worte des römischen Dichters Horaz*) als die von den Göttern gehaßten Personen zu betrachten sind, weil ja das Lehramt und ganz besonders das jüdische schwierig und undankbar wie nur möglich ist, so wird uns die Wahl des Narnens Schlemiehl, in welchem viele Forscher das Selbstporträt des Dichters und Botanikers Ehamisso finden wollen, nicht nur nicht überraschen, *) Quem dii ödere, paedagogum i'ecere. „Wen die Götter hassen, haben sie zum Pädagogen gemacht. sondern sogar unsere Billigung finden. Doch warum unser Schlemiehl auch seinen Schatten verlieren muß! Daß damit ein hoher Grad seltenen Unglücks ausgedrückt werden soll, liegt aus der Hand. Wir glauben für die Schattenlosigkeit Peter Schlemiehl's den Grund und nächsten Anlaß in der Bibel zu finden. Jur 4. Buche Mosis (Numeri) wird uns nämlich die Geschichte der 32 Fürsten, die das Land Kanaan erforschen sollten, mitgeteilt; und der Bericht sämtlicher Stammeshäupter mit Ausnahme von Kaleb und Jehoschua ist ein äußerst besorgniserregender, so daß das ganze israelitische Volk in Klagen und Jammern ausbricht. Jofua und Kaleb jedoch beruhigen das Volk mit den denkwürdigen Worten (Numeri, Cap. XIV. Vers 9): „Nur von Gott fallet nicht ab und fürchtet nicht das Volk des Landes, denn unser Brot, unsere Beute sind sie, ihr Schatten ist von ihnen gewichen." Die letzteren Worte bedeuten: Diese Leute sind schutzlos, sie sind der glühenden, verzehrenden Sonne ausgesetzt. Und wer war und ist mehr schütz- und rechtlos als der jüdische Lehrer! So ist nach unserer Ansicht dieser Bibelvers die erste Veranlassung für Ehamisso gewesen, in so meisterhafter Weise seinen Schlemiehl seines eigenen Schattens zu berauben. Großrabbiner Dr. M. Grünwald-Sophia. Aphorismen und Sfiitrnsfii. 3. Weder das Leben noch der Geist stehen stille. Das Werk der Väter setzen die Söhne und die Enkel fort; niemand vollendet es, und nirgends ist die Grenze. 2. Suche keinen neuen Pfad, denn du wirst dich getäuscht finden; wer den Weg der Väter fortsetzt und ihn weiter führt, bem gelingt es. 3. Lobe die vergangenen Zeiten, aber verachte nicht die Gegenwart und verliere die Hoffnung nicht für die Zukunst: sie alle sind von Gott. 4. Wer die Mensch en verachtet, schmäht Gott, denn es heißt: „Gott schuf sie in seinem Ebenbilde". Fürchtest du die Menschen mehr als Gott, wehe dir — denn es heißt: „Fürchtet nicht die Schmach der Menschen und vor ihren Züchtigungen zaget nicht!" 5?Wer dem Geiste zuruft: Stehe still! der nimmt ihm auch, was die Väter ihm vererbten, denn er wird es nicht mehr verstehen. Wer dein Geiste zuruft: Bis hierher und nicht weiter! der maßt sich die Macht Gottes an und mißbraucht sie zugleich, denn Gott hat uns zwar Grenzen gesetzt, aber in seiner Gnade sie verdeckt mit lebendigeil Hecken, daß wir sie nicht gewahren. (Wird fortgesetzt). wseheir- Maerz 1895. Adar 5655. Jireitag . 1 5 (Sabb.-Anf. 5,41- Sonnabend . . 2 6 norm (Sabb. Ansg. Sonntag . . . 3 7 Montag . . . 4 8 Dienstag . . . 5 9 Mittwoch . . 6 10 Donnerstag . . 7. 11 Areitag . . . H 12 Israelitische Heil- und Mege-Anstalt für Nervenuttd Gemütskranke zu Sayn bei Coblenza. Rhein . Bestand seit 1869. Gesonderte Abteilungen für 156 Kranke beider Geschlechter. Prospekte durch die Unterzeichneten M. Iaeoü;i. Dr. Vettrendt. Dr. Nosettiyal.

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