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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-02-22 · 8 (22.2.1895) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
Seite 124 (sequence 12)
Language
German
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Seite 124. 5 c f cß u r it tt. Nr. 8. der Armenkommission wird Herr Albert Levin gewählt. Die Versammlung erklärt sich sodann einverstanden mit einer Erweiterung der Instruktion der Kassenbeanüen. Danach soll in Zukunft bei Erhebungen von Lummen zwischen 6000 bis 00000 Mk. nicht ein Kaffenbote, sondern ein Kassenbeamter in Funktion treten, bei einer Summe von mehr als 00000 Mark zwei Kassenbeamte. -- Bezüglich der Festgottesdienste des vergangenen Jahres ergiebt sich aus denn von Herrn Ruß erstatteten Bericht, daß die Gesamteinnahmen 29600 Alk. betragen, die Gesamtausgabe 46270 Mk. Von den zur Verfügung gestellten 24000 Mk. sind 9480 Mk. übrig geblieben. Nur die, Lokale Friedrichshain und Philharmonie haben einen lleberschuß ergeben. Herr Geheimrat Kirstein bittet die betreffende Kommission schon jetzt dem Gedanken der Jugendgottesdienste an den hohen Feiertagen näher zu treten. — Für Reperaturen aus. den Grundstücken der Gemeinde, waren im. Etat 19 550 Mk. eingesetzt, welche Summe um 2775 Mk. jedoch überschritten wurde, welche Summe nachträglich bewilligt wurde. Für Rückerwerbung von zwei Stünden in der neuen Synagoge werden 1800 Mk. bewilligt. Damit schließt die öffentliche Sitzung. ZI. AV. — Man schreibt uns: Wie sehr die Auffassung der Tinge inbezug aus die Juterkonffesionalität der Mosse'schen Erziehungsanstalt zutreffend war, als Sie sagten „mit Ausschluß der Juden", beweisen weitere Mitteilungen, die ich zu machen in der Lage bin. Die Anstalt wird nicht rituell geführt, und ebenso soll dem Sabbat der Juden weiter keine Beachtung geschenkt werden, die jüdischen Kinder sollen vielmehr den Sonntag der Ehristen als ihren Ruhetag halten. Jüdische Einrichtungen dürfen ruhig mit Füßen getreten werden; durch diese große Rückschtslosigkeit verschließt sich das Institut solchen Juden, die die Religion nicht gänzlich preisgeben wollen, von selber. Ob das Parität ist, ist eine andere Frage. — Wir können nicht glauben, daß die Vorgesetzte Unterrichtsbehörde über die Nichtbeachtung fundamentaler christlicher Satzungen so gleichgiltig hinwegsehen würde. So versteht man jedenfalls die Parität, wenn es die Anwendung aus die Juden gilt. Daß man aus der anderen Seite für gute christliche Erziehung sorgt, daraus wird schon die regierungsseitige Aussicht bedacht sein. Wer soll aber für die Aufrechterhaltung des religiösen Geistes bei den jüdischen Schülern sorgen? Etwa der (Gründer der Anstalt? Man sieht ja, in welcher Richtung die Dinge treiben. Die Gewissen der jüdischen Schüler sollen aber vergewaltigt werden, der Unlstand, daß der Stifter selber Jude ist, soll dies sein Thun rechtfertigen. Warum versucht es der edle, wohl tbätige Herr nicht, umgekehrt, für seine Anstalt mit Rücksicht aus seine jüdischen Zöglinge und den jüdischen Direktor den Sonntag aus den' Sabbat zu verlegen? Die Antwort ist nicht schwer zu finden. Ein solch eigenmächtiges, verletzendes Eingreifen in so bedeutsame Heiligtümer der Religion würde sich der Herr schon ans Furcht vor dem Provinzialschulkollegium nicht gestatten. Die religiösen Interessen unserer Zöglinge zu vertreten ist aber niemand befugt, und so erachtet sich Herr Moste für berechtigt, jüdische Einrichtungen niederzureißen und spezifisch christliche an deren Stelle zu setzen. Jedenfalls machen wir die öffentliche Meinung auf die seltsame Art von Wohlthätigkeit aufmerksam, die Herr Müsse zu üben für gut befindet. H- - In der letzten Rr. eines Wiener Blattes wird eine Episode mitgeteilt, die unsere Glosse in der vorigen Nr. über die Sucht unserer reichen Glaubensgenossen nach Jnterkonsessionalitüt bei wohlthätigen Stiftungen so trefflich illustriert, daß es fast den Glauben erwecken könnte, wir hätten die Publizierung jener Episode in Wien bestellt. Man lese, urteile und — schweige! „Herr Paul-Schiff, der Schwiegersohn des verstorbenen Baron Königswarter, hat eine Reihe von interkonfessionellen WohlthätigkeitSanstalten mit namhaften Spenden bedacht, darunter auch den Verein für Ferienkolonien mit km Betrage von 20 000 fl. Als man ihn fragte, warum die jüdischen Institute leer ausgingen, erklärte er, ein entschiedener Gegner des Separatismus zu sein, rnan müsse dahin wirken, daß Ehristen und Juden einträchtig zusammenwirken. Illach einiger Zeit erbat ein Freund des Herrn Paul-Schiff dessen Verwendung bei dem Vereine für Ferienkolonien zu Gunsten eines armen jüdischen Knaben. Herr Paul-Schiff schrieb eine Empfehlungskarte an den Vereinsvorstand, dieser verzögerte jedoch unter allerlei Vorwänden die Ausnahme. Endlich intervenierte Herr Paul-Schiff persönlich; auch ihn: gegenüber gab es allerlei verlegene Ausflüchte, bis man endlich rund heraus erklärte, der Verein nehme keine j ü difch e K i nd er auf, da es ja einen e i g e n e n, j ü d i s ch e n Verein für Ferienkolonien ge be." — Der Vorstand der „Hilfskasse für deutsch-israelitische Kultusbeamte" beruft auf Sonntag, ben 0. März, vorm. 11 Uhr eine außerordentliche General-Versammlung ein, in der über einen, gegen d'e von der letzten G.-V. vollzogene Vorstandswahl eingegangenen Protest Beschluß gefaßt werden und event. eine Neuwahl vorgenommen werden soll. — Das Erscheinen auswärtiger Mitglieder zur G.-V. wird durch die Wahl des Sonntags als Nersammlungstag kaum möglich sein, da dieselben sonst am Sabbat abreisen müßten! — „Albumblätter, gespendet zum besten des Vereins für Kinder-Volksküchen", ein hübsch ausgestattetes 60 Seiten umfassendes Büchlein versendet soeben der Begründer der israelitischen und der interkonfessionellen Kinder-Volksküchen, Hr. Hermann Abraham an die Freunde der gen. humanitären Anstalten und an solche, die es werden sollen. Die mannigfaltigen, von teils berühmten, teils bekannten Personen gelieferten Beiträgen werden rasch den Weg zu dem Herzen aller finden, mehr noch aber die höchst prosaische Mitteilung, daß in den Volksküchen alltäglich 8000 arme Kinder mit einem warmem, nahrhaften Mittagmahl versorgt werden. *la\ Man schreibt uns aus Thorrr: Rach einjährigem Bestehen des Litteratur- und Kulturvereins fand am 3. Februar die Generalversammlung desselben statt. Jit ihr kamen der Geschäfts- und Kassenbericht zur Verlesung, ferner fand die Wahl der durch das Los nusgeschiedenen Mitglieder des Vorstandes statt. Es wurden wiedergewählt die Herren Rechtsanwalt Dr. Stein, Bäckermeister H. Lewinsohn, neugewählt die Herren Uhrmacher Louis Joseph an Stelle des verstorbenen Photographen Alexander Jaeobi und Kaufmann H. Moskiewitz. Dem Geschäftsberichte entnehmen wir, daß die Mitgliederzahl von 127 auf 195 gestiegen ist, 14 VereinSversammmlungen und 20 Vorstandssitzungen stattsanden. In den ersteren hielten meist hiesige Mitglieder Vorträge, nur zwei auswärtige Redner aus Berlin, Herr Tr. Katz und Frau Dr. Remy sprachen vor Vereinsmitgliedern und Richtmitgliedern. Den Vorträgen schloffen sich stets Diskussionen an und drei Abende waren besonderen dem Fragekasten ent- -K

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