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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-02-22 · 8 (22.2.1895) · p. Seite 123

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
Seite 123 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8. JescHurirn. Seile 128. * Aus Frankreich. In der Deputiertenkammer fühlte sich ein Mitglied namens Denis bewogen, die internationale Mode der Judenhetzerei mitzumachen und in betreff der Juden in den politischen Verwaltungsämtern eine antisemitisch angehauchte Interpellation zu stellen. Unter lebhaftem Beisalle der Kammer erwiderte Ministerpräsident Ri bot: „Die Stellung der sogenannten Jndenfrage kann die Regierung höchstens zur Erwiderung veranlassen, daß man in diesem Lande jeden Glauben achtet, wie immer er sei. Der Regierung liegt wenig daran, ob dieser oder jener Beamte zur Messe oder in die Synagoge gehe, Jude oder Freimaurer sei. Tie Regierung fordert nur von den Beamten, daß ihr Betragen tadellos sei und daß sie Muster von Rechtschaffenheit, Unbescholtenheit und Pflichtgefühl seien." — Die bekannte Philanthropin Frau Furtado-Heine hat dem Minister des Innern 20 000 Fr., und 10000 Fr. dem Präfekt des Seine-Departements gesandt. — Frau Callman-Lsvy sandte 5000 Fr. und dieselbe Summe wurde von den Gebrüdern Lazard & Komp, öffentlichen Hilfsvereinen zugewiesen. — Am 18. Januar hielt die Looiets des Etudes Juifes in Paris ihre Jahresversammlung ab, bei welcher von M. Albert Reville über Herodes und seine Dynastie gelesen wurde, in Gegenwart des berühmten Autors von: „Israel chez les nations“, M. Leroy Veaulieu und anderer hervorragender Persönlichkeiten. In den eröffnenden Worten verurteilte Reville das Gebühren der Antisemiten und zollte den Verdiensten der jüdischen Race warmen Tribut. Grand-Rabbin Zadok Kahn wurde zum Präsidenten der Gesellschaft ernannt. * Ein Leipziger Blatt hat sich aus Petersburg telegraphieren lassen, daß nach neuester Verfügung des Ackerbauministers Juden, welche eine landwirtschaftliche Schule absolviert haben, in ganz Rußland ohne jegliche Beschränkung Grund und Boden erwerben dürfen. Diese Nachricht gehört neben mancher anderen in das Bereich der Erfindungen. Schon das Faktum, daß in das Statut des höheren landwirtschaftlichen Instituts in Moskau, dessen Gründung unter dem derzeitigen Minister der Landwirtschaft erfolgte, die ausdrückliche Bestimmung Ausnahme gefunden hat: „Juden werden in das Institut nicht ausgenommen", giebt einen sehr deutlichen Hinweis, daß die Strömung in den Regierungskreisen zur Zeit nicht derart ist, um Nachrichten, welche von erfolgten Erleichterungen der Lage der Juden melden, glaubwürdig erscheinen zu lassen. Gemeinde, Synagoge und Schule. * Berliner Nachrichten. Sitzung der Repräsentanten- Versammlung am 10. Februar d. I. Der Vorsitzende Herr- Hermann Landsberger, eröffnet die Sitzung um 11 Uhr und verliest zunächst ein Schreiben des Herrn Justizrats Meyer, in welchem derselbe dein Repräsentantenkollegium für die ihm dargebrachte Ovation anläßlich seines 25 jährigen Jubiläums als Vorstandsmitglied in den wärmsten Ausdrücken seinen Dank sagt und gleichzeitig davon Kenntnis giebt, daß er in dankbarer Erinnerung an jenen Tag eine reich gestickte Kanzeldecke und einen ebensolchen Vorhang gestiftet habe. Desgleichen nimmt die Versammlung Kenntnis von einem Geschenk des Herrn Julius Rosenbaum, bestimmt für die Synagoge in der Lindenstraße und bestehend aus vier Thoramäntelchen, einem Vorhang, zwei Tischdecken und einer Kanzeldccke. Alsdann verliest der Vorsitzende eine Zuschrift des Vorstandes des hiesigen jüdischen Krankenhauses betreffend die seitens des Repräsentanten Louis Sachs gemachte Schenkung des Auguststraße 17 belegenen Grundstücks. Dasselbe soll laut Bestimmung des Geschenkgebers ein Heim bilden für die Ausbildung junger jüdischer Mädchen zu Krankenpflegerinnen. Aus den näheren Bestimmungen heben wir nur die eine hervor, daß das betreffende Grundstück nur im Falle einer Verlegung des Krankenhauses veräußert werden darf und daß im gegebenem Falle ein nach der Straße zu gelegenes Grundstück von demselben Flächenmaße und in der Nähe des Krankenhauses gelegen, gekauft werden muß. Wie bereits bekannt, hat Herr Moritz Mannheimer und Frau zum Bau eines neuen Siechenhauses die Summe von 500 000 Mk. gespendet. Wie der Vorsitzende mitteilt, ist die landesherrliche Genehmigung zur Annahme dieser Spende nunmehr eingegangen. Von Frau Johanna Levy geb. Salomon ist der Armcnkommission die Summe von 10 000 Mk. gestiftet für die von ihr im Jahre 1881 im Betrage von 3000 Mk. begründete Stiftung zum Zwecke der Entsendung armer Leute ins Bad. Durch verschiedene im Laufe der Zeit gemachte Zuwendungen hat diese Stiftung nunmehr die Höhe von 21000 Alk. erreicht. Eine weitere Summe von 20 000 Alk. hat dieselbe Dame als Siegfried Magnus Levy- Stiftung dem Erziehungshaus in Pankow überwiesen. Die Zinsen dieser Stiftung sollen dienen zur weiteren Ausbildung junger Handwerker bezw. als Beisteuer zur eventuellen Selbständigmachung. Die Beschlußfassung über diese Angelegenheit wird vorläufig ausgesetzt, um noch über einige formelle Punkte betreffend den Ursprung der Stiftung nähere Erkundigungen einzuziehen. In das Kuratorium der Dr. Eprahim-Stistung wird anstelle des Herrn Maurermeisters Fränkel, Herr Martin Simon entsendet. Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Kirstein erstattete namens der Petitionskommission Bericht über eine Eingabe von jüdischen Bewohnern des NW., betreffend Errichtung einer Synagoge sowie einer Religionsschule in diesem Stadtteil. Die Kommission steht dieser Bitte insofern sympathisch gegenüber, als sie empfiehlt, angesichts des feststehenden Planes der Errichtung einer Synagoge im Westen den Wünschen der Petenten entgegenzukommen und die neue Synagoge an der Grenzscheide zwischen W. und NW., also etwa in der Gegend des Lützowplatzes zu erbauen. Desgleichen befürwortet der Referent die Errichtung einer Religionsschule in der genannteil Stadtgegend. Aus der hieran sich knüpfenden längeren Debatte geht hervor, daß man allseitig die Berechtigung der geäußerten Wünsche wohl anerkennt, in Anbetracht der räumlichen Ausdehnung jedoch und der großen jüdischen Bevölkerungsziffer den Bau einer einzigen Synagoge für W. und NW. nicht für ausreichend hält, während zur Anlage von zwei Synagogen die Mittel fehlen. Herr Justizrat Meyer betont, daß bei dem demnächstigen Bau einer Synagoge in Berlin W., dieselbe im Centrum des Westens, etwa Potsdamerstraße resp. Schöneberger User stehen müsse. Herr Direktor Herrmann warnt davor, durch Vorschläge eines bestimmten Platzes dem Vorstande die Hände binden zu wollen. Herr Ruß erklärt sich gleichfalls gegen eine Verschmelzung des W. mit dem NW. Herr Louis Sachs, als Bewohner des NW., tritt mit 26ärme für die Wünsche der Petenten ein. Eine Abstimmung findet nicht patt, da kein bestimmter Antrag vorliegt, und nimmt die Versammlung von dem Bericht der Konunission einfach Kenntnis. Zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden

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