Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7.?efd?urutt. Seite 109. gewesen, mögen sich mit dem Bewußtsein trösten, sich köstlich amüsiert zu haben. Die Stimmung war eine recht gemütliche, die durch keinen Mißton gelrübt umrde, und da der Besuch, wie schau angedentet, ein recht reger gewesen, so steht, was die Hauptsache ist, zu erwarten, daß auch das Ergebnis für die Waffe ein vollauf befriedigendes genannt werden kann. '1. iK. — Var etwa 11 /-2 Jahren hatte Herr Rudolf Masse die Absicht kundgegeben, eine interkonfessionelle Erziehungsanstalt in der Nähe von Berlin zu stiften, und stellte für diesen Zweck zunächst eine Million Mark zur Verfügung. Der Stiftung wurde jedoch, wie verlautet, die allerhöchste Genehmigung versagt, weil höheren Orts solche Institute nur dann gern gesehen werden, wenn sie in rein-christlichem Geiste geleitet werden. 'Nun scheint die Genehmigung doch erlangt worden zu sein, denn die Eröffnung der Anstalt ist für Ostern dieses Jahres angekündigt und ein Dr. Heinitz zum weiter derselben ernannt. — Wiewohl nur durchaus nicht gegen eine lebhafte Beteiligung an christlichen Wohlthätigkeits- Unternehmungen sind, so müssen wir doch unsere Stimme warnend gegen interkonfessionelle Institute erheben, erstens, weil das Judentum stets, wie natürlich, der herrschenden Religion — wie mannigfache Erfahrungen lehren hintangesetzt wird, und dann, weil die Jnterkonsessionalität bei solchen Gründungen früher oder später ausgelegt wird: mit Ausschluß der Juden! — In der Kreuzzeitung wird vom Pastor Dammann in Essen eine scharfe Polemik geführt gegen Lic. I. Meinhold, Pros, der Theologie in Bou, der in einem vor jungen Pastoren gehaltenen Vortrag die Geschichte unserer Stammväter bis Moses (ob in- oder exclusive geht aus der Polemik nicht hervor') in das Gebiet der dichterischen Sage verwiesen Hut. — An: 7. b. M. hat der Verein „G-emilus Chassodim“ in Dräsel's Festsälen seine diesjährige General-Versannnlung abgehalten, die, von dem ersten Vorsitzenden Herrn I. Rosenthal geleitet, gut besucht war, und gedeihlich verlausen ist. Dieser Verein, aus den wir schon wiederholt aufmerksam gemacht haben, verfolgt edle Zwecke. Dies besagt schon sein Name. Gegen eine Einschreibegebühr von Mk. 6 und einen Jahresbeitrag von Mk. 9 gewährt der Verein seinen Mitgliedern in etwaigen Krankheitsfällen eine wöchentliche Unterstützung von Mk. 12 (20 Wochen lang) nebst freier ärztlicher Behandlung, an die Witwen verstorbener Mitglieder eine einmalige Unterstützung von Mk. 400, sowie Darlehen an erwerbsfähige Mitglieder in Höhe bis NU. 300. Am Grabe verstorbener Mitglieder läßt der Verein aus seine Kosten Trauerreden halten und im Hause derselben während der sieben Trauertage Gottesdienst abhalten. Das ist in kurzen Worten die Tendenz des Vereins. Passive Mitglieder, die kein Recht an die Kaffe haben, werden ohne Einschreibegebühr ausgenommen. — Einnahinen und Ausgaben balancierten im Jahre 1894 mit 19,385 Mk., das Vermögen des Vereins betrug ult. Dezember vor. Jahres 9794 Mk. bei einer ordentlichen Mitgliederzahl von 475. — Wir wünschen auch diesem trefflichen Vereine, daß er wachse und gedeihe! * Der Gesamtvorstand der Synagogen-Gemeinde Hörde hatte sich vor der Strafkammer in Dortmund zu verantworten wegen „Veranstaltung einer Lotterie" ohne obrigkeitliche Erlaubnis und wegen Vertreibens der Lose, ohne einen Stempel entrichtet zu haben. Zum Bau eines Gotteshauses wollte man die fehlenden 5000 Ni. aus dem Wege einer Lotterie ausbringeu. 5000 Lose ü 50 Ps. wurden ausgestellt, die Gemeindemitglieder sollten die Gewinne stiften und da inan selbstverständlich aus einen Absatz außerhalb der Gemeinde nicht rechnen konnte, so erachtete man das ganze als eine private Veranstaltung. Die Steuerbehörde war jedoch anderer Meinung. Sie erblickte in dem Thatbestand die Veranstaltung einer Lotterie ohne polizeiliche Erlaubnis, und es wurde die oben erwähnte Anklage erhoben. Das Oiericht schloß sich der Anschauung der Steuerbehörde au, und so wurde denn jeder Beklagte wegen Lotterievergehens mit 30 'Mk. und wegen „Stempel-Steuer-Desraudation" mit je 2500 Mk. bestraft. Die Gesamtgeldstrase, welche der Gerichtshof in dieser Sache sestsetzte, betrug nicht weniger als 17,710 M., im Gnadenwege dürfte die Strafe wohl erheblich ermäßigt werden. *8 Es liegt uns der neuste Jahresbericht der rheinischwestsülischen Lehrer - Unterstützungskasse vor, welcher die größte Beachtung verdient, zumal der Vorstand an der Spitze in treuer Erfüllung seiner hehrsten Pflichten vorangeht und ein warmes Herz den Lehrern gegenüber bethätigt. Der Rechnungsabschluß der Einnahmen beträgt 7268,78 M., welche sich aus ordentlichen und außerordentliche:: Beitrügen und Zinsen zusammensetzen. Verwendet wurden in 101 Gesuchen ca. 4848 M. Das Vermögen, das ureist in 4- und 3ft^- prozentigen Effekten besteht, beträgt 80 374,71 M. Diese Summe repräsentiert einen respektablen Fonds, so daß der Verein in jeder Hinsicht leistungsfähig erscheint. Nichtsdestoweniger ist die Kaffe, wenn sie lebensfähig bleiben soll, noch innner aus Unterstützungen aus Privatmitteln angewiesen, und dürste der Wunsch, welcher in den Begleitworten ausgedrückt ist, gerechtfertigt erscheinen, um dein hohen humanen Zwecke näher zu koiuruen. Aus, ihr Lehrer, schart euch zusammeu, damit euer Alter nicht ganz trostlos nach einem in jeder Beziehung aufreibenden Dienst erscheine. Mühselig ist euer Werk gewesen, und eure Witwen und Waisen sollen wenigstens nicht ganz leer ausgehen, zuinal der Staat noch nicht alle israelitischen Lehrer gleichgestellt hat! Der rührige Vorstand spricht in seinem Vorwort die Bitte aus, daß sie mit Gott vertrauensvoll in die Zukunst blicken, und glauben sie, daß es getingen wird, die noch nicht ganz überwundene Gleichgiltigkeit, den Feind aller Vereinsbestrebungen, immer mehr und mehr zu besiegen, ivas auch . wir von ganzem Herzen wünschen. * Baron Königswarter zahlt doch! Herr Baron KönigSwarter hat alle diejenigen Wohlthätigkeitsinstitute, denen er im Falle seines Uebertritts zum Ehristentum aus grund des väterlichen Testaments insgesamt 1,000000 Gulden auszuzahlen verpflichtet ist, benachrichtigen lassen, daß sie die Beträge am 29 Juni d. I. in der Königswarter'schen Zentral- Kanzlei in Wien erheben können. * Der Vorstand des österreichisch-ungarischen Kautorenvereines in Wien ist mit den Vorarbeiten zur (Gründung einer Alterversorgungsu. JnvaliditütSkasse für Kantorei: und jüdische Gemeindebeamte zu Ende und versendet soeben eine Aufforderung an die Gemeindevorsteher und Beainten Oesterreich - Ungarns. Mögen die betreffenden Kreise dem Unternehmen dieses Vereines, der seit Jahren, wenn auch geräuschlos, aber doch bedeutungsvoll wirkt, freundliche Be-