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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-02-15 · 7 (15.2.1895) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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eite 108 5 < f 4 u r u n. Nr. 7. form io viel '^eritnüiu’ii sinden, »bertmidu'» mir hiermit die 'tiodiricht, das; soeben das Mebetbucb für die israelitischen ('»emeiiibeii Amerikas fertig und der Preise überleben worden iil In diesem für alle Neformgemeinden bestimmten Bud) in noch ein Minimum Hebräisch beibehalten, in der Haupt sache aber iit es reines Englisd, mit Anweisungen für (ihör, Critel und Predigt, ohne Erwähnung der nibbiiiiidjeii A-cier tage und ohne rabbinische Fasttage, ohne Hinweis auf eine mündliche Delire, körperliche Auferstehung und persönlichen Messias, Nückker nadi Palästina oder Wiedererhebung des verfallenen Thrones Davids. Die ganze Gebetordnung ist ebenso streng amerikanisch-freisinnig, wie ne streng biblisch-jüdisch ist. Und das isi die Liturgie für das gesamte amerikanische Judentum, die paar Nachzügler aus fremden Ländern abge redmet. Das bezeichnet den „Nnck nach rechts im amerika mühen Judentum". Pom Hutabnehmen und dem Beisammen fitzen von Männern und Frauen in der 3ynagoge isi darum die Nede nicht in der Liturgie, weil fid) das alles und an allen Drten von selbst versieht." (Gemeinde, ^Ltinngvge und schule. Berliner Nachrichten. Der Bericht über die letzte 3itzung der Nepräsentanten musite wegen Raummangels Zurückbleiben. — Bor einem großen und erlesenen Inhörerkreise hielt am Montag, 11. d. M. Herr Nektor Dr. Adler im 3aale der Gesellsckiaft der freunde hier in Berlin einen Bortrag über die Judenverfolgungen in Deutschland zur Zeit des ersten BreuzzugeS. Nach einleitenden Bemerkungen über die l,auptsächlichsien Forscher und die wichtigsten Duellen, denen wir ein zuverlässiges Bild über die beiden jener Jett verdanken, ging Dr. Adler auf die Borgeschichte zurück und zeigte, in wie freundlichem Berhältnisie Juden und Ehristen bis zum Jahre KHH) etwa gestanden und wie tidi dieses freundliche Nebeneinauderleben auch auf Teilnahme religiöser Bräuche mandnnal erstreckte. Damals sei der Beiudi des jüdischen Gottesdienstes seitens vorurteilsloser Ehristen keine reiten heit gewesen, bis die Geistlichkeit, die wohl eine tiefergeheude Annäherung aus religiösem Oiebiete befürchtete, durch Bonziisbeschlüsie und Berordnungen dem lebhaften Berkehr der beiden .Uoitfemoneii immer höhere 3chrauken zu ziehen incktte. Der Bedner zeidmete die Juden als Handelsleute, als Bermittler des Berkehrs zivischeu Abend und Morgenland und führte christliche Urteile über die Niedlichkeit und Legitimität ans jener Zeit vor, die mit keiner 3ilbe von einem Wucher der Juden zu erzählen wisien. Der Tana tlsmns, der alle dunklen Dtelleu mit Argnsangeu rasch zu erspähen weiß, kann den Juden von damals keine Unehrlichlidikeit im Geschäftsverkehr vorwerfen, was wiederkehrt, und Anklagen über die Bersiockkheit und Halsstarrigkeit, die sie beim „falschen (Glauben" verharren lasien. Die (Reinlichen wenden fidi immer und immer wieder in 'siede und 3chrirt gegen die „verstockten Ungläubigen", „die Berblendeten", „die Feinde (Volkes", und untersagen aus ioldien C-iründen freilich auch noch mein vergebens jeden Berkehr mit den Juden, Baum konnten die Juden den GenuN der ihnen urkund lidi verbriefte» :)iedue und Freiheiten so recht empfinden, das; für sie den Beginn des messianischen Neiches einzuleiten schien, da dringt zu ihnen die Bunde, das; die in Frankreich fid) sammelnden 3charen von Breuzfahrern die Juden Frankreichs mit Bernichtung bedrohen, falls sie sich nicht zum Ehristentnm bekehren. Nun entsteht das 3chauergemälde von den beiden, von dem Bertreiben, Plündern und Niedermetzeln der Juden. Des edlen Baisers Heinrich IV. eigene Ohnmacht isi nidu im 3lande, die Juden an Netzen und Eigentum zu schützen. Aus Frankreich wälzt sich das Berderben heraus, immer neue Horden, ungezügelte Mordgesellen, beutelüsierne Brandstifter übersduvemmen die rheinischen 3lädle und ver üben nun (Greuel an deit wehrlosen Juden. Zwei volle Monate wütete die fanatisd) entfesselte Bolkvelemente, überall auf ihren Mordzügen die grauenhaften 3puren ihrer Thätigkeit hinterlassend. Boll dramatttcher Lebendigkeit, des Hörers Mark erzittern machend, sdiildert der Bortragende, den Untergang der rbeinifdien Gemeinden, die Hinschlachtung aller Juden in 'Worms, Mainz, Bbln, Tanten u. s. w. Db wrhl die Nückkehr Heinrichs lV. aus Nom dem Gemetzel Einhalt gebot, so konnten die so sd)mählich getäuschten Inden kein Zutrauen zu ihren dirisilicchen Mitbürgern mehr fassen. Nun gab der Nedner in wenigen 3trid)en ein Bild von dem geistigen und iitateriellen Berfall der deutschen Juden. Die Breuzzüge wirkten lähmend und ertötend auf das frit'd) pulsirende religiöse und iuiffenfd)of11id)e Veben. Man sah die erlittenen Berfolgungen als ein von Mott verhängtes (Bericht zur 3träfe von vernachlässigten Borschriften. Man suchte und grübelte und sand immer mehr Gründe für jene erschütternde Heimsuchung, man wollte Mott durch strengere Hebung, bitrd) Büßfertigkeit und streun es Befolgen auch den ehrwürdigen rabbinischen Anordnungen wieder versöhnen und zur Gnade stimmen. Zaun reihte sich an Zaun und die Oiesetzesnmzäuuungen beengten mit der Zeit den freien Blick und die unvoreingenommene Betrachtung der Dinge. Die edle Darstellung, der lebendig dahinfließende Bortrag und der warme Ton des Nedners waren im Berein mit den erschütternden Borgängen von einer Wirkung, der fidi auch härtere 3eeien nicht gilt entziehen konnten. Erhebend uttd versöhnend erhob sich aus dem Blutgemetzel und Beuteplündern der Breuzfahrer die Begeisterung, die Hingebung, der willige Dpfermut unserer Ahnen, die gern und sreudig ihre Tochter und 3öbne, um sie vor Abfall und 3chmach zu retten, in reinem Erglühen für ihr Heiligtum dem Ewigen dem Mott Israels hingaben, und selber mit dem Bekenntnis auf den Rippen sich in den Tod stürzten. Bern lia r d Traube n berg. Der Humanitäls Bereut ul 7'tUlxv hatte am t». d. M. znm Besien ieiner Witiveiikasie in Beller's Teil sälen eine Festliäiteir für «eine Mitglieder veranstaltet, die trotz ihres intimen Eharakters eine recht ansehnliche Zahl von Teilneliitiern attfwies. Der größere Naum war allerdings, wie das bei Familienkränzchen üblich, dem Tanze eingeräuint worden, dodi audi Genüsse geistiger Art hatte das Bergnügnugskomite herbeizuzaubern vernauden. Munkalifche und deklamatorische Darbietungen wechselten mit ernsten und huniorisiisdien Borträgen in freier Nede und in poetischer Fassung. Ia> selbst 'die unvermetdlichen 3pezialitäten waren nicht ausgeblieben, wie denn sdiließlidi eine große Berlosung von allerlei niedlidieu und nützlichen (Gegenständen mand) einer holden Mäddienblnme ein köstliches mtd entzücknrdes Andenken an jene froh verlebten 3tunden in den — choß ivarf. Diejenigen dagegeit, denen Fortuna nicht so hold

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