Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 110. AefcHurrrn. Nr. 7. Achtung zuwendcu, da von der Verwirklichung desselben das Wohl und Weh lausender jüdischer l>)emeindebeattlten abhängt! " Nach dem im böhmischen Landtage vom ^andesausschnf; crslaltclen Bericht über den Stand des Volkssämlwesens verteilten sich in konfession. Hinsicht die 287 Privatschulen Böhmens wie folgt: a) katholische: 21 czechische 40 deutsche 2 utraquistische zusammen 03; b) evangelische: .')1 ezechischc, 13 deutsche, zusainmen 04; e) i sr a e l i ti s che: 3 ezechische, 90 deutsche, und interkonfessionelle: 29 ezcchische und 33 deutsche, zusammen 62. - Dem niederösterreichischen LandeSausschuü-Berichte zufolge betrug im Jahre 1393 die Zahl der die öffentlichen Volks- und Bürgerfchulen Niederösterreichs besuchenden Kinder 370. 148. Davon waren dem Glaubensbekenntnisse nach: katholischer Neligion 349.228, evangelisch 3835, Israeliten 16,691, eines anderen Glaubensbekenntnisses 288, konfessionslos 96. Von diesen konfessionslosen Kindern entfallen 92 auf Wien. * Hier und dort. Dem Lehrer der iSr. Okcmeinde in (stcrSseld a. d. Rhön ist seitens der König!. Regierung die Beibehaltung einer Agentur der Lebensversicherungs-Gesellschaft „Victoria" untersagt worden. Hrn. Stadtrabbiner Tr. Lcwi» in Freiburg ist vom Overrat der Israel. in Baden aus dem Vermächtnisse der Michel Wcil'fchen Eheleute in Straßburg in Würdigung seiner geschichtlichen und apologetischen Schriften ein Preis von 920 Mk. zuerkanitt worden- 'Die in Frage stehenden Schriften und: „Juden in Freiburg" (1891); «Das Judentum und die Nichtjuden. €5rinc Darstellung der Entwickelung und des Lehrinhaltcs des Judentums in keiner universellen 'Bedeutung" (1891); „Der ewige Jude. Bon Alwin Dolke" (1. u. 2. Aust. 1891); „beschichte, Geographie und Reiselittcratur" (in Winter und Wünsche'S „Jüdische Litteratur seit Abschluß des Kanons", 1899). Diese Schriften sind sämtlich im Verlage von Sigmund Meyer in Trier erschienen. — Die am 'Neuen Stcinweg in Hamburg belegenc 129 Jahre alte Synagoge der Stadt, wurde am 28. vor. Man. verlassen, da die Baulichkeiten den Anforderungen der Okegenwart nicht mehr entsprechen. In einiger Zeit wird, wenn erst die Gemeindc- Synag. vor dem Dammthor erbaut ist, eine Verschmelzung der kleinen in der Stadt bclegenen Bethäuser mil den Gcmeindc-Snnag. stattsindcn. — In London wird beabsichtigt, die hundertjährige Jubelfeier des Gaon Elia Wilna dadurch zu begehen, daß in Jerusalem der (Grundstein zu einer hebräische» Universität an diesem Festtage gelegt wird. Juni Zwecke einer solchen Gründung sind auch bei der Alliance Jsraelite Universelle beträchtliche Summen von einem Hrn. aus Rußland deponiert worden. Auch der Verein „Ahabat Zion" in Heidelberg soll sein Vermögt» für diesen Zweck bestimmt haben. — Der Vorstand der isr. Kultusgcmeinde in Wien hat die Errichtung eines Kinderasyls beschlossen, durch welches das körperliche 'Wohl und die religiöS-siittliche Erziehung armer verwaister isracl. Kinder gefördert werden soll. Die Anstalt, welche de» Namen „Mannheimer Kinderasyl" führen soll, wird zunächst fünfzig Psteglinge auniehmen. -- Nachdem von dem Ministerium Wekcrlc der Usus, keine Juden zu ordentlichen Professoren an ungarischen Hochschulen zu ernennen, durchbrochen worden, hat jetzt ein zweiter Israelit diese Rangstufe erreicht; der bisherige außerordentliche, öffentliche Profcsior Franz Wiltmann ist zum ordentlichen Professor an der technischen Hochschule ernannt worden. Mit ihm wirken nunmehr drei Bekenner jüdischen EilaubeuS an der Technik. — Nächstens dürfte auch an der Universität ein dritter Professor jüdischen Glaubens, Dr. Heinrich Marczali, zum ordentlichen Profesior cniannt werden. Dr. Marczal«, bisher Dozent, wurde schon vor Monaten vom UnivcrsitälSrat auf den erledigten Lehrstuhl für Geschichte an erster Stelle vorgeschlagen. Seine Kandidatur wurde dieser. Tage von jener Körperschaft erneuert.'—"Am 9. d. M. begannen an der Landcsrabbinerschule in P e st die mündlichen Schluß- Prüfungen acht junger Rabbinatskandidaten, nachdem diese ohne Ausnahme ihr schriftliches? (Hainen abgelegt haben. Am 14. gelangen dann diese Rigorosen zum^Abschlusie. Der einzige Jude, der den Rang eine» Generals einer A r mee bekleidet, ist in I t a l i e n zu sinden, denn die jüdischen Paschas in der Türkei, welche als solche den Titel „General" führen, sind Zivilisten. Bis jetzt war Guö'eppe Ottolcnghi TGeneral'Major.s Kürzlich wurde er zum General- Lieutenant ernannt, und zwar als Befehlshaber der gewichtigen Turiner Abteilung. — Ter höchste Grad eines Ritterordens, der eine» hohen Offiziers der .Krone Italiens, wurde vom König Humbert, motu proprio, dem Signor Romanin Ja kur, Unterstaatssckrctär und eines der vielen jüdischen Mitglieder der Deputiertenkammer, zuerteilt. Dieselbe Auszeichnung erfuhr der Philanthrop Signor Leonetto Ottolcnghi aus Turin — Dr. Vittorio Belleri, der den Posten eines mediz. Tcleg. und Direkt. im.SanitätSr. zu Port Saidinne hat, wurde vom König Humbert zum Ehevalicr der Krone Italien» erhoben. — Das'.ital. Ministerium de» Auswärtigen hat sich veranlaßt gciehen, dem Rabb Ottlenghi in Salonichi, der zugleich auch Direktor der Talmud-Thoraschule ist, für seine Bemühungen um die Förderung des italienischen Sprachunterrichtes in der von ihm geleiteten Anstalt, seinen Dank in einem besonderen Dekrete ausdrücken zu lassen — Am 22. Januar verschied der allseitig hochverehrte Rabbiner der „chasiidischcn" Gemeinde St. Petersburg'», Rabbi Jekuthiel Salomo» Laildau. Der'Verblichene entstammte einer lehr angesehenen, reichen Familie in Wilna und besaß nicht allein ein hervorragende» talniudischcs Wisien, sondern auch eine für einen „chasiidischcn" Rabb. außergewöhnliche allgemeine Bildung. Er war ehemals einer der reichsten Kansteute von Witebsk, verlor aber durch eine Feucrsdrunst jeiil ganze» Vermögen und widmete sich seitdem dem geistlichen Stande. Obgleich seine Gemeinde eine verhältnismäßig reiche war, verzichtete er doch auf ein hohes Gehalt und lebte in größter Dürftigkeit. Briefkasten. An unsre geehrten Postabonnenten! Die letzte Nr. untre» Bl. ist wegen der Titcländerung vom Postzeikungsamt nicht bewrdert worden, daher die verspätete Zustellung der No. 6 Bis Ende des Quartals werden wir darum den durch die Post bezogenen Exemplaren eine Titelseite bcigeben müssen. Es ist aber danir gesorgt, daß keinerlei Störungen mehr eintretcn. Hrn. I. S. in RomanSwciler. „Jüd Lebcn in Won u. Bild" von Sacher-Mat'och enthält eine Anzahl Novellettcn. die nickt immer jüdisch sind. Die einzelnen Geschichtcken sind fast nur graziös gearbeitet und pikant verbrämt, io daß liian geradezu ein exegetisches Verfahre» anwenden muß, um aus den Sächelchen eine apologetische Tendenz hcrauszulesen — Die „Stimmen vom Jordan und Euphrat" von Sach» sind natürlich ganz etwas anderes: Oine Sammlung ernst gehaltener, schwungvoll geschriebener Poesien, die den Leser anregen, manchmal sogar aufregen. Wählen Sie nun! Hrn. S. I., Stuttgart. Heber da» Gemeindcleben in Berlin werden wir in allernächster Zeit eine Reihe kritischer und orientierender Artikel bringen. Hrn. D. E. in Dr. So sehr uns der Inhalt Ihre» Schreiben» auch interesiiert hat, - gedrucktlkann es nicht' werden, da der Vorgang ein allgemeines Interesse selbst für die Beamtenwelt nicht hat. Hrn. E 0t. in Filchne. Wir werden Ihren Vorschlag bringcn. wiewohl ein Erfolg nicht zu erwarten ist. Tie Lauheit einerseits und der Egoismus andererseits lasien keinen Plan zur Ausführung bringen.