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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-02-15 · 7 (15.2.1895) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7. DeftHurrrn. Seite 107. spätestes Alter; daß diese Liede eine Mitgift werde für die Zukunft des Kindes, und daß die Kinder von der Erinnerung an ihre Kindheit nichts mit hinübcrnehmen in ihr Alter, als die Liebe, die sie erhielten! Wochen-Chronik. Bürgerliche Verhältnisse. * Drumont, der .,Schöpfer" des Antisemitismus in Frankreich, ist am 5. d. M. aus Brüssel zurückgekehrt und wurde vor dem Nordbahnhof von 2000 Personen, größtenteils Neugierigen erwartet. Rufe wie: „Nieder mit den Juden! Nieder mit Rothschild"! fehlten natürlich nicht. Das Redaktionsbüreau der „Libre parole" hatte illunriniert. Die Menge brachte Hochrufe auf Drumont aus, der aus dem Balkon erschien und, ganz nach Art anderer Großen, eine Dankrede hielt. Der ganze Einzug war eine mißlungene Kopie desjenigen Rocheforts. * Herr Elie Scheid aus Paris, General-Administrator des Baron Edmund v. Rothschildschen Kolonien in Palästina, hat während seines jüngsten Aufenthaltes in Konstantinopel von der Pforte die wichtige Vergünstigung erwirkt, 1000 jüdische Familien in Syrien auf von Baron Rothschild angekauften Ländereien (Soulan in Baschan und in der Nähe von Damascus) anzusiedeln. Herr Haim Cohen wurde beauftragt, diese Ländereien in Besitz zu nehmen. * Der italienische Deputierte Dr. Napoleon Colajanni richtete an den österr. Abgeordneten Dr. Bloch nachstehendes Schreiben: „Geehrter Kollege! Als einer der italienischen Deputierten will ich es nicht unterlassen, Ihr offenes Schreiben an die italienischen Parlamentsmitglieder zu beantworten. Unsere Sympathien für die unterdrückten Rumänen in Ungarn schließen nicht die wärmste Sympathie für die unterdrückten Juden in Rumänien aus; das kann nicht sein und ist nicht in Italien, im Vaterlande von Earl Cattaneon, der vor ca. 70 Jahren eine Monographie zur Verteidigung der Juden schrieb, die, wie ich glaube, bis heute unübertroffen ist; Italien ist das einzige zivilisierte Land, das immun geblieben ist gegen das Gift des antisemitischen Glaubens- und Rassenhasses." * Das jüdische Emigrations-Komitt-, welches für Wilna vom Ministerium des Innern bestätigt ist, eröffnet in kurzem seine Thätigkeit. Mit Eröffnung der Navigation soll durch Vermittelung des Komitös eine Gruppe von Emigranten nach Argentinien abgefertigt werden. Nach Angaben? des „Woschod" wurden im Verlaus der letzten Jahre ca. MO Juden nach Argentinien übergeführt. Von den der jügischen Kolonisations-Gesellschaft in Argentinien gehörigen Ländereien ist mindestens die Hälfte unbewohnt. Die Uebersiedelnng der •5000 Personen hat der Gesellschaft 376 869 Psd. St. oder rund 7*/« Millionen Mk. gekostet; d. h. jeder einzelne Emigrant verursachte eine Ausgabe von 2500 Alk. der Gewinn für das verflossene Jahr belief sich auf 60,000 Psd. St. * Die russischen Juden. Herr Benjamin Pollak in Minsk hat ans eigene Kosten eine kleine jüdische Ackerbaukolonie in der Nähe der Stadt begründet. Der Magistrat erklärte sich bereit, der jüdischen Gemeinde zu diesem Zwecke ein Areal von 30 Desjatin zu überlassen. Da aber die Kolonie aus zehn Familien bestehen soll, so kommen auf die Familie blos 3 Desjatin Landes, was auch bei fleißigster Bearbeitung nicht ausreicht, eine Familie zu ernähren. Auch die Summe für Häuserbau, landwirtschaftliche Geräte, Vieh 2C. (100 Rbl. pro Familie) ist entschieden zu niedrig bemessen, sodaß die Kolonisten jedenfalls genötigt sein werden, nach irgend einem Nebenerwerb zu suchen, wodurch die gedeihliche Entwicklung der jungen Schöpfung beeinträchtigt, wenn nicht gar in Frage gestellt wird. Vielleicht entschließt sich die G emeinde, den erforderlichen Zuschuß zu gewähren. — Der Zar hat die Vorlage des Finanzministers bestätigt, der zufolge das prozentuale Verhältnis der jüdischen Schüler der Odessaer Handelsschule zu den nichtjüdischen Schülern dieser von einer Kaufmannschaft unterhaltenen Lehranstalt gleich dem Verhältnis der jüdischen Kaufleute zu den nichtjüdischen sein soll. * Ueber die ungarische Kirchenpolitik wird aus Budapest gemeldet, daß die Regierung beabsichtigt, die beiden noch rückständigen kirchenpolitischen Vorlagen im Oberhause, unmittelbar nachdem das Abgeordnetenhaus die Budgetberatung beendet hat, verhandeln zu lassen. Von unterrichteter Seite wird bestätigt, daß Ministerpräsident Banffy mit dem gemäßigten Teil der Opposition des Oberhauses Besprechungen pflog, um in der Frage der Konfessionslosigkeit ohne prinzipielle Zugeständnisse seitens des Kabinets einen Ausweg zu finden. Bezüglich der Rezeption der Israeliten hält die Regierung ihre Vorlage unverän d ert aufrecht. * Ans Amerika. Eine eben in New-Pork erschienene hebräische Zeitschrift nennt sich mysn in „Die westliche Lampe". Die Monatsschrift wird von Herrn A. H. Rosenberg unter der Aegide einer Gesellschaft für Verbreitung hebräischer Litteratur in Amerika herausgegeben. Die erste Nummer enthält 72 Seiten und ergeht sich über die verschiedensten und fremdartigsten Gebiete, ein wahres Quodlibet von Nachrichten, Dichtungen, Orthographien, Lexikographien, Alphabeten-Archüologie, Analekten, Witzeleien und Satyren re., wie wir nie in irgend einem Magazin angetroffen haben. — Die Studenten des „Hebrew Union College" in Cincinnati haben einen wissenschaftlichen Klub gebildet, der jeden zweiten Sonntag einen deutscheil Abend hält. Zweck dieser Abende ist, die Kenntnis der deutscheil Sprache, welche dein jüdischen Theologen für seine wissenschastlichen Zwecke ganz unentbehrlich ist, zu fördern. Sonntag, am 27. Januar, fand die erste Zusammeilkunst statt. — Der guten „Deborah" in Ciilcinnati ist namentlich die Ueberschrift, mit welcher der hier gebrachte Bericht über die Versammlung in New-Orleans versehen war, („Ein Ruck nach rechts in Amerika") in die Glieder gefahren, so daß sie es bis heute noch nicht verwinden konnte und immer wieder darauf zurückkomint, bald grob, bald fällst — „wies trefft". Um auf ihr greises, inl Sturme bewegtes und bewährtes Haupt feurige Kohlen zu sa>nmeln, geben wir ihr Entrefilet aus der letzten Nnminer ohne Glosse wieder: „Unseren Herren Kollegen im deutschen Reiche, die an dem Rückgang der Re-

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