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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-02-15 · 7 (15.2.1895) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
7 (15.2.1895)
Date
1895-02-15
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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fite 102. P e f u r n n. Nr. 7. macht, der fclbft eines Nohling unwürdig in, begleitet diese Hagada mit der Bemerkung: „Aus dieser kalmndischen Na seren sehen wir, daßPäott wie wohl er des N. ElieserS Meinung durch so grosses Wunder destätliget haben soll, dennoch endlich habe gestehen müssen, daß er Unrecht gehabt und non den weisen Nabbinen mit dem Disputieren seye überwunden worden." Natürlich wird diese Erpektoration des gottesfürchtigen Eisenmenger non den großen Talmudisten unter den Anti semiten wiederholt, um zu beweisen, welche lächerliche Vorstellungen die talmudischen Inden von (siott sich machen. Was in das für ein Oiott, rufen sie aus. Er laßt sich von den Nabbinen besiegen; so viel Macht besitzen diese; sie sind noch mächtiger als Olott im Himmel. Hören wir jetzt den großen Florentiner, wie er den Tal mud in glänzender Weise verteidigt. Im dritten Teile seiner „Divina Commedia“, im zwanzigsten Oiesange des ..Panidiso“ lesen wir folgende Verse: „Regnum Coelonim viulcnzia patt* Pa caldo amore, e da viva speranza. ('lu* vince la divina vulontate: Nun a guisa che l'uoin all' uomd sovtanza. Ma vince lei, perch& vuole esser vinta, K vinta vince con sua beninanza.“ Das Reich der Himmel leidet Uebenvält'gung Durch briinft’fie i'icb und durch lebend'gc Hoünnng, Bon denen (Lottes Wille wird besieget Nicht, wie der Mensch den Menschen überwältigt. Vielmehr siegt er, weil er sich läßt besiegen. Und w besiegt, siegt er durch seine (ßiitc." Diese herrlichen Verse Dante'S sind der poetische .Kommentar zu unserer von Eisenmenger verspotteten Allegorie. (i)olt läßt sich besiegen, nicht etwa, weil er lvie ein Mensch überwältigt wird, sondern weil er sich willig besiegen läßt, uild obwohl besiegt als Lieger aus dein Kampfe beroorgeht. Bei Dante ist es seine eigene Oliite, von welcher sein göttlicher Wille sich besiegen läßt; im Talmild — in es sein Ebenbild oder die, dem Menschen verliehene göttliche Vernunft, welche gegen Wunderzeichen und Himmelsstimmen kraft ihrer Denkgeietze und Schlüsse siegt. Es siegt die Liebe in Orott, wenn sein Wille der brünstigen l'iebe und der lebendigen Hoffnung der Menschen nachgiebt; es siegt die Weisheit iil 0>ott, wenn ihre Tochter, die menschliche Vernunft, nicht vor Wundern und übernatürlichen Manifestationen sich beugt, sondern sich selbst und der ihr innewohnenden (siolteskraft vertraut. Die jüdischen .Kommentatoren haben sich sehr viel Müle gegeben, unsere talmudische Allegorie zu deuten, besonders die Lchlußüelle derselben; der unsterbliche Dichter der ..Divina Commedia“ kommentiert ftp am besten und belebt ihren Schlußsatz nitt dem poetischen Hanche seines „Paradieses". Der feindseligste aller modernen Antisemiten, Eugen Dührittg, will den Einfluß des jüdischen Schrifttums auf Dante verantwortlich machen für die grausamen Strafen, die er in seiner Hölle über die Verdammten verhängt. Wohl hat nach dem Urteile Oiioberti's die Sprache der Bibel auf die wunderbare Diktion der Divina Commedia mächtigst eingewirkt Di was aber die Hölle belrint, so hat deren Schöpfer sich durchaus nicht vom (sieitte des Judentums in spiriereft lassen. Wahrhaft rührend ist es, wenn Dante in dem „limbo“ oder in dem „Vorhof" der Hölle die edelsten Griechen und Nömer „sonder Hoffnung, in Sehnsucht schmachtend" sehend, weil sie der Taufe entbehren, wehmütig ausruft: „(trän dnol mi presse al cur quando lu inte«>i, l’eroccht* geilte di molto valore (’onobbi che in qu**l limbo eran aospesi.“ »Als ich dies hört', ergrisi mich tiefer Lchmerz, Weil ich erkannte Leute großer Tugend, Die in dem Zwifchenrcich des Vorhofs schwebten". Wäre Dante'S großes Werk vom Hauche des Judentums durchweht, so hätte der Anblick von Sokrates und Plato in dem „limbo“ das Herz des Dichters nicht mit Schmerz erfüllt; denn die Pforten des Paradieses stünden ihnen offen! Der einzige Ausspruch des göttlichen Plato, daß der Mensch ein Ebenbild OlotteS genannt zu werdeu verdient, verleiht ihm ein Anrecht, neben Ben Asai einen Platz einzunehmen, welcher den Vers, daß alle Menschen im Ebenbilde Olottesgeschaffen sind, als ein (Grundprinzip des Judentums erklärte. Die jüdische Hölle ist eng, das jüdische Paradies ist sehr weit und hat Naum für die Edlen und Wüten aller Nationen. DaS „Can Eden“ oder jüdische Paradies ist ein Pantheon, in welchem die frommen der gesamten Menschheit ohne Unterschied der Naee und der Neligion weilen und wandeln und auf dessen Eingang der Psalmvers zu lesen ist: »Diese Pforte führt zu Wott: Alle /frommen ziehen durch sie ein". sin Diditrr der „Urborali“. Von M. A » d e r n , .Hattingen an der Ruhr, j .... Salomon Hermann M o s euthat wurde am 14. Januar 1 S‘21 zu Haffel geboren. Eine schlichte Oledenktasel an seinem Oleburtshause daselbst läßt uns die Stätte finden, wo feine Wiege stand. Nach beendigtem Studium in Marburg kaut er als Erzieher itach Wien, ward daselbst 1850 als Sffi.zial bei einem der Hilfsäntter des Unterrichts ininisteriuins augestellt und erhielt bald darauf die Bibliothekarstelle in demselben. Im Jahre 1871 wtlrde er durch Verleihung des Drdens der eisernen Xrone in den österreichischen Nitterstand erhoben und starb am 17. Iebruar 1877 in Wien. Dieses in kurzen, der Lebensgang des Dichters. Was Mosenthal seinen Namen am litterarischen Himmel mit Beginn der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts verschaffte, war seine ergreifende Erzählung: „Aus dem jüdischen Familienleben." Er selbst schrieb in einem Briefe an die „Olartenlanbe" darüber: „Ich bin überrascht, ja ein wenig II padn* dclla n<»tra poosia <• dulia m*»tra prn»a tu squisitament** biblicu. nun ssolu ndla Piviua <'<<i.um*,dia, ma nol (“uiiviviu c nt*llc nitro sm* oport* >* sarehbe utib* t* curiusu lavuru il r.ucogliere gli orictanii*mi di questo g**ncr*‘ clm sono >j>arsi per b* tru CV.nticht*. Pol Primatu m<>rab* <* civil** degli Italiani pag. .'WC ■ , Anläßlich der Lektüre dieses Dramas in dem ncugegründeken »^cnoercin" isr. junger Leute wurde von dem Referenten obiger Vortrag gehalten.

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