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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-02-08 · 6 (8.2.1895) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
6 (8.2.1895)
Date
1895-02-08
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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°.v- < -«... > .-^.V *A>.;;:.4fo «i)i»!^; Nr. 6. Jescyurun. Seite 83. itnb Wo überlassen wir vorläufig der reiflichen Ueberlegung unserer berufenen Faktoren. Hier findet die jüdische Nächstenliebe eine große Ausgabe vor, ein brachliegendes Feld. Helfet, rettet, legt Hand an, es gilt ein Werk der Menschlichkeit. Jede Frau, die sich ihres Gatten, und jede Mutter, die sich ihrer blühenden Kinderschar erfreut, gedenke derer, die dieses größte Glück des Weibes entbehren rnüsien, und jeder, der menschlich zu fühlen und zu denken in unserer rauhen Zeit nicht verlernt hat, trage sein Schärflein bei! Mas vom biblischen KeschichtSNtmicht. Von Rabbiner Tr. Ludwig A- Rosenthal, Rogasen. I. Herr M. Abraham-Kettwig hat in dankenswerter Weise in voriger Nummer eine wichtige Frage, die des biblischen Geschichtsunterrichts, zur Erörterung gebracht. Es würde ihm wenig Ehre ewiesen werden, wenn seine Anregung so sang- und klanglos entgegengenonunen würde, und er hat gewiß nicht darauf gerechnet, widerspruchslos seine Ausfassung angenommen zu sehen. Zunächst wollen wir die Punkte hervorheben, in denen wir mit ihm übereinstimmen: Geeignete Stoffauswahl und wichtige sprachliche Behandlung, wie beständige Verwertung des Gebotenen zur Erweckung sittlich-guter Triebe im Kinde. Wir fügen noch hinzu: Anhänglichkeit an das Judentum und feine Satzungen soll durch die biblischen Erzählungen wie von selbst hervorgerusei: werden. Wenn Herr Abraham dies in seinein ersteir Artikel (nur dieser liegt uns vor) nicht als besonderes Ziel ausgesprochen hat, so liegt es doch an sich selbst in seinen Aussührungen und kann als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Die von ihn: unter dem Striche angeführten Mißhandlungen der deutschen Sprache in manchen Lehrbüchern sind unverzeihlich und können nicht genug gerügt werden. Das schließt aber nicht aus, daß trotz freier, sinngemäßer Wiedergabe derartiger Ausdrücke das Ganze der Darftellungsmeise der Schrift angepaßt sei. Grade den: Kindesherzen sagt diese einfache, herzliche Zeichnung der Thatsachen besonders zu, während in den willkürlichen Wiedergaben, wie sie viele Lehrbücher bringen, grade das für dieses Alter so Fesselnde und Reizvolle einer trockenen oder redensartreichen Darstellung gewichen ist. Außerdem ist es für den Schulmann, der sein ganzes Fach kennt, von Wichtigkeit, den Ausdruck des später zu lehrenden Pentateuch schon ans dieser Altersstufe dem Gedächtnisse unwillkürlich eingeprägt zu haben. Weshalb auf diesen Vorteil verzichten, zumal er nicht einmal durch Auswendiglernen erzwungen zu werden braucht? Das Kind behält nämlich zumeist die Ausdrucksweise bei, in der der Lehrer die Erzählung vorgetragen hat. Zum Theil hat das Herr Abraham auch ausgesprochen und dabei sogar den Gebrauch des Lehrbuches dazu vorausgesetzt. Stehen wir da so weit voneinander? Nun kommt die Kehrseite, wo Herr Abraham bei seinem redlichen Wollen zu weit geht. „In einem Schulbuche darf nur Sicheres stehen, sonst ist Gefahr vorhanden, daß man das Kind einen Irrtum als Wahrheit lernen läßt: ihin für die Zukunft das richtige Verständnis verbaut." Dabei stellt er die Frage, ob auf das „Werde" sofort oder nach längerer Zeit die Welt entstanden ist, ob die Zeitrechnung der Bibel stimmt, als eine offene dar. Mit diesen Verhälnissen soll nach seiner Ansicht der Verfasser eines solchen Buches rechnen. Herr Abraham wird wohl wissen, daß derjenigen Wissenschaft, die er im Auge hat, bis etwa auf die Zeiten des Amos, alles eine offene Frage ist. Soll man also dem Kinde nichts beibringen, wogegen es später Zweifel könnte äußern hören, so müßte der Inhalt de: Bibel bis mindestens zur Zeit des zweiten Jerobeam ihm verborgen bleiben. Und wie steht es in jenen wissenschaftlichen Kreisen mit der Frage der Schöpfung, ja, des Gottesgedankens selbst? Und woher weiß Herr Abraham, daß nicht ein anderer diese gefährlichen Folgerungen zieht, die ihm weit fern liegen? Grundsätze haben eine zweischneidige Schärfe und ihre Anwendung geht viel weiter, als man zuerst geahnt hat. Sagt Herr Abraham nun mit Recht: Soweit gehe ich nicht; so iff es notwendig, sich zu vergewissern, daß nicht andere sich, das Recht nehmen, weiter zu gehen. „Was haben geographisch-geologische Fragen mit dein Religionsunterricht zu thun?" Ausgezeichnet! Ganz meine Meinung! Die Schöpfungsgeschichte befaßt sich auch mit solchen Fragen nicht. „Es wird keinen: Kinde einfallen, die Schaffung der Welt durch Gott in Zweifel zu ziehen." Bis zu der geplanten Behandlung des vierten Gebotes wird es nichts davon wissen, und kommt nicht später der Zweifel? Herr Abraham weiß mit der Schöpfungsgeschichte und noch anderen Urerzählungen erziehlich nichts anzufangen. Bisher hat man das wohl gemußt. Stelle man sich doch das sechsjährige Kind nicht so beschränkt vor! Es lauscht diesen Erzählungen mit großer Spannung; es begreift sehr wohl, daß in der Schöpfung die Allgüte und Allweisheit Gottes (in der Reihenfolge des Geschaffenen), die Absicht, daß immer besseres hervorkomme, "daß alles immer bester, werde, sich kundthut. Grade indem die Schöpfung zuerst erzählt wird, erkennt das Kind vor allem, daß alle sichtbaren Dinge Gottes Eigentun: si>:d. Gestalten wie Kain sind ihm Gegenstände des Mitleids, und von Chan: muß es Verehrung gegen Eltern lernen. Und soll mit der Sündflut ihm die Gestalt Noas verloren gehen? Dem ersten Menschenpaare im Eden gegenüber bewegt Freude und nachher bitterer Schmerz über das durch Ungehorsam Verlorene sein Gemüt. In welchen anderen Lehrbüchern sind so menschlich tiefe und doch den: Kinde so vertraute Saiten angeschlagen? Wir sind auf dem besten Wege, durch Verbannung dieser Vorteile ein Hauptmittel zur Erziehung aus der Hand zu geben, durch welches ich z. B. die besten Wirkungen zu erzielen glaube. Uns sind häufige Konferenzen über diese Gegenstände nötig, worüber die Ansichten so weit auseinander gehen können; häufige gemeinschaftliche Lehrproben, wobei die Grundsätze sofort geprüft werden können. Grade die Notwendigkeit unserer Erörterungen deutet auf dieses Bedürfnis hin. (Schluß folgt.) Dr. Adolf Irllittrk. Gedenkblatt zum ersten Jahrzeitstage. Von Dr. Julius David, Preßburg. V. Große und unvergängliche Verdienste erwarb sich Dr. Jellinek als mutiger Vorkämpfer des Judentums nach außen, k Ai

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