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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-12-07 · 49 (7.12.1900) · p. Seite 777

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
49 (7.12.1900)
Date
1900-12-07
Page
Seite 777 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 49. Israelitische Wochenschrift. Seite 777. Oberstleutnants ernannt wurde. Zwei Jahre danach wurde er General und der Sultan wählte ihn zum Leibarzt. Vor Kurzem erhielt Dr. Elias Cohen Pascha den Rang eines Divistonsgenerals mit dem Prädikat Exzellenz. Seit 12 Jahren ist er Professor an der medizinischen Fakultät und seit 1894 Mitglied der damals geschaffenen höheren Sanitätskommisston. Elias Pascha hat wiederholt Gelegenheit genommen, beim Sultan in günstigem Sinn für seine Glaubensbrüder zu wirken; seinem Einfluß ist es zu danken, daß eine vor fünfzehn Jahren in der Vorstadt Kadikiöi gegen die Juden gerichtete Emeute im Keim erstickt und viel Unheil verhütet wurde. General Dr. Elias Pascha ist eine zeitlang Mitglied des jüdischen Konsistoriums gewesen und hat in dieser Stellung segensreich gewirkt. Er ist Ritter verschiedener hoher türkischer Orden, er besitzt den Groß-Cordon des Meschidje- und des Osmanie-Ordens, die Jmtiaz-Lifkat-Medaille und verschiedene andere Auszeichnungen. Dr. Elias Cohen Exzellenz ist ein Studiengenoffe der Berliner Professoren Hirschberg, Israel und Fränkel. Newyork, 25. November. (Vermächtnis.) Der kürzlich hier verstorbene Millionär Abraham Wolff hat folgende Summen für wohlthätige Zwecke hinterlaffen: Für die United Hebrew Charities in Newyork 10 000 Dollars; dem jüdischen Wohlfahrts- und Waisenhaus-Verein 5000 Dollars; dem jüdischen Alters- und Siechenheim 5(^00 Dollars; dem Berg Sinai-Krankenhaus 1000 Dollars; dem Kinderschutzveretn 1000 Dollars; dem Neger-Waisenhaus 1000 Dollars; der jüdischen technischen Schule 2500 Dollars; dem Erziehungsverein 3000 Dollars; dem deutschen Krankenhaus 1000 Dollars; dem jüdischen Kinderasyl 1900 Dollars; der Kinderhilfsgesellschaft 1000 Dollars; dem Jndustrieheim 1000 Dollars; dem amerikanischen Verein der Krankenwärterinnen 1000 Dollars; dem Krebskrankenhaus 5000 Dollars; dem Cypreß-Hilfs-Beerdigungsverein 2500 Dollars. Außer diesen Newyorker Instituten erhalten noch Zuwendungen das Krankenhaus in Edenkoben in Deutschland 2500 Dollars und der jüdische Friedhof in Worms 1500 Dollars. Die Angestellten des Geschäftshauses, dem der Verstorbene Vorstand, werden mit Legaten von je 150—1000 Dollars — je nach ihrem Dienstalter — bedacht. Die Summe sämtlicher für Wohlfahrtszwecke ausgeworfenen Legate beweist, daß man stark übertrieben hat, als man die Hinterlassenschaft von Abraham Wolff aus 20 Millionen Dollars schätzte. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der König der Belgier hat dem Kapitän-Kommandanten Bernheim in Brüssel den Leopoldorden verliehen. — Der Oberkantor der portugiesischen Synagoge in Paris, Albert Mendvs, ist plötzlich gestorben. Der Grandrabbin von Frankreich und der Gemeinderabbiner Weill haben am Grabe des talentvollen Sängers in herzlichen und anerkennenden Worten ihrem Mitgefühl über seinen Verlust Ausdruck gegeben. Vakanzen. Helmarshausen. Rel-L., Vorb., möglichst auch Sch., 1000 M. Geh. Meld. an Landrabbiner Dr. Prager in Cassel. — Fürth. Rel.- und Talm.-Lehrer (mögl. akad. geb.), 1200—1500 M. Geh. Meld. an Rektor Dr. A. Feilchenfeld. — Hillesheim (Rheinhessen). Rel.-L., K, Sch. (ledig), 650 M. Geh, fr. W. und Heiz., 300 M. Nebeneink. Meld. an Moritz Hirsch II. — Kirchen. Rel.-L., K., Sch, 700 M. Geh., fr. W., 400 M. Nebeneink. Meld. an Bezirkssynagoge in Freiburg i. Brg. — Nürnberg. K. und Rel.-L. Meld. an Vorst. — Ratibor. Sem. geb. Lehrer und Cho^dir. Meld. an Vorst. — Lubasch. Rel.-L., K., Sch., 1000 M. Eink. und fr. W. Meld. an I Cohn. — Mehl sack. R.-L., K., Sch., 900 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Nathan Jaeoby. — Breslau. Dajan und Oberaufs. der Schoh., 1800 M. Geh. Meld. an Vorst. — Labes i. Pomm. R.-L., K., Sch., 1500—1800 M. Eink. Meld. an Victor Kronheim. — Graudenz. Rabb. und Rel.-L., 3600 M. Anfangsgeh., 1000 M. für Rel.-Unterr. Meld an H. Belgard. — Breslau. Sch., 1500 M. Geh. Meld. an Vorst. Feuilleton. Da» „Wim-Mol". Von C Berg. (Fortsetzung.) Sie öffnete die Flügtlthüren: Drinnen war die Tafel aufs Neue gedeckt, besetzt mit den auserlesensten Nachtischleckereien, mit Früchten und Torten, mit italienischen Salat- Schüsseln, Majonaisen, bonbons glaces, kurz Allem, was einer gastfreien Hausfrau Ehre gewährt. In silbernen Kübeln winkte der Champagner. Christine ergriff einen der hohen, spitzen Kelche, stieg die wenigen Stufen, welche zum Erker führten, empor, winkte aber vorerst ihrem Gatten, der eben die Pfropfen knallen ließ, mit einer Flasche vor sie zu treten, damit er im gegebenen Moment ihr Mundschenk sei. „Willst Du noch eine Rede halten?" fragte Müller, erschrocken zu seiner Frau aufsehend. Sie lächelte von ihrem erhöhten Standpunkt überlegen zu ihm herab. „Warum wohl nicht? So gut als mancher dunkle Biedermann, wird eine helle Frau wie ich auch reden können. Dein vorwurfsvolles „noch" soll meiner Eloquenz kein Hemmnis sein. Das, mein Teurer, ist der Unterschied: vorhin hielt ich eine Brandrede, um eine Hassende hinauszufeuern, und jetzt halte ich eine Standrede, um ein paar Liebende hoch zu feiern". „Gräßlich!" stöhnte der Amtsrichter. Christine aber überschrie ihn: „Meine Damen und Herren, ich bitte ums Wort!" Sofort scharte sich männiglich am Fuß der kleinen Treppe zusammen, man zog für die Damen Stühle heran, Nelly ließ sich etwas schüchtern von ihrem Verlobten herbeiführen. „Philipp", befahl die Hausfrau, „Sie setzen sich dort auf daß Tabouret zu den Füßen Ihrer Dame!" „Gehorsame mit Wonne, edle Herrin! Und Jedermann öffne Aug' und Ohr." Christine begann in launigen Knittelversen die Geschichte der Verlobung herzusagen. Sie webte dabei, mehr originell als kunstvoll, Dichtung und Wahrheit zusammen. Die Dichtung bestand, wie Müller nachträglich kritisierte, „aus handgreiflich dicken Lügen"; und die Wahrheit trat so ungeniert mantellos an den Tag, daß sie die jungen Brautleute des

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