Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- Seite 775 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 49. Israelitische Wochenschrift. Seite 775. lichen Korporationen mußten wohl oder übel diesen Angriffen entgegentreten — so gut sie es vor ihrer „christlichen" Korporation verantworten konnten. Da nämlich diese Vereine, obgleich sie ganz oder zum größten Teil aus Juden bestanden, dem Judentum grundsätzlich indifferent gegenüberstanden, so war die Verteidigung, die die jüdische Sache durch sie erfuhr, so unsympathisch wie ungenügend: sie galt eben nicht dem Judentum, sondern der persönlichen Ehre der einzelnen Angegriffenen. Deshalb hielt es der Verein jüdischer Studenten für seine Pflicht, Kandidaten auszustellen, die als offiziell jüd^^e Vertreter der zahlreichen jüdischen Studenten Berlins (ca? *400) int einzigen Ausschuß der gesamten Berliner Studentenschaft die Interessen der jüdischen Komilitonen wahren sollten. Mit den Vertretern des Vereins jüdischer Studenten werden also der geschlossen antisemitischen Gruppe zum ersten Mal die angegriffenen Juden als solche gegenübertreten. Nicht nur in der jüdischen Studentenschaft, sondern auch in den weitesten interessierten Kreisen ist das Auftreten des Vereins mit Freude begrüßt worden. Mehrere jüdische Gruppen der Berliner Studenten haben beschlossen, für ihn zu stimmen, wie es auch in den Wählerversammlungen zum Ausdruck kam, auf deren interessante Debatten wir später zurückkommen möchten. — Wir hegen die Erwartung, daß alle jüdischen Studenten für die Kandidaten des Vereins jüdischer Studenten, Herren cand. med. Jakobsohn und cand. med. Zwirn ihre Stimme'abgeben werden. Berlin, 2. Dezember. (Wissenschaftliche Lehrervereinigung.) Die ordentliche Generalversammlung der wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin findet am 8. Dezember abends 872 Uhr im Vereinslokal statt. Auf der Tagesordnung steht die Erledigung der im § 7 der Statuten vorgesehenen Punkte und der Vortrag des Kollegen Golde: „Die Sozialpädagogik und ihre Bedeutung für dm jüdischen Religionsunterricht". Gäste sind herzlich willkommen. Magdeburg, 2. Dezember. (Gedenkfeier für Ludwig Philippson.) Heute Mittag 12 Uhr fand hier in der neuen Aula der Religionsschule eine seltene Feier statt, die Aufstellung der Büste des verewigten Rabbiners Dr. Ludwig Philippson. Auf Einladung des Vorstandes waren die Söhne, Töchter, Enkel und sonstigen Verwandten aus Berlin, Bonn, Brüssel, Seesen, Straßburg i. Elsaß, Salzwedel und von hier erschienen, ferner der Vorstand und die Repräsentanten, sowie die Vorstände der verschiedenen hiesigen literarischen und Wohlthätigkeitsvereine, Lehrer und Schüler der Religionsschule. Die Feier wurde durch ein Quartett des Synagogen-Gesang-Vereins eingeleitet, worauf unser bereits 33 Jahre hier amtierender Rabbiner Herr Dr. Rahmer in dreiviertelstündiger Rede die Verdienste Philippsons um die Magdeburger Gemeinde während seiner hiesigen, fast 29jährigen Wirksamkeit (von 1833—1862) schilderte. Herr Professor Dr. Martin Philippson dankte hierauf dem Vorstand und dem Rabbiner für die seinem Vater erwiesene Ehrung. Nach einer kurzen Erwiederung des Vorstandsvorsitzenden wurde die stimmungsvolle Feier wieder mit Gesang um IV» Uhr geschlossen. Magdeburg, 2. Dezember. (Vortrag.) Am 27. November hielt Herr Felix Falk im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur einen Vortrag über „Bar Kochba in Geschichte und Dichtung", der sich allgemeinen Beifalls der zahlreich erschienenen Zuhörer erfreute. Köln, 4. Dezember. (Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den .Juden.) Der Verein zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter der Juden hielt Ende vorigen Monats im neuerbauten Lehrlingsheim, hier, seine jährliche Generalversammlung. Aus dem Bericht über das Jahr 1899/1900 entnehmen wir, daß unter der Obhut des Vereins in Düffeldorf 32 Lehrlinge bezw. Fachschüler standen. Es wurden neu ausgenommen bezw. unterstützt 12 Lehrlinge; nach beendeter Lehrzeit schieden 12 Lehrlinge aus. Am Ende des Berichtjahres waren noch 32 Lehrlinge bezw. Fachschüler vorhanden, von denen 22 im Lehrlingsheim zu Düsseldorf untergebracht waren. Im abgelaufenen Berichtsjahr standen unter der Fürsorge der Abteilung Köln 38 Zöglinge, davon waren 23 im Lehrlingsheim, 4 bei ihren Eltern in Köln und 11 bei auswärtigen Meistern untergebracht. Aus Köln waren 10, aus dem übrigen Rheinland 15, aus Westfalen 3, Hessen-Nassau 3, Hannover 3, Oldenburg 2, Westpreußen 1, Sachsen-Meiningen 1. Als Gesellen wurden entlassen 3 Klempner und Installateure, 2 Schreiner, I Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Polsterer. Vor beendeter Lehrzeit mußte ein Lehrling wegen schlechten Betragens entlassen werden. Eine erfreuliche Mitteilung macht die Abteilung Köln in folgendem: „Unser seit langen Jahren mit Eifer und Freude verfolgtes Streben, fleißigen und gut veranlagten strebsamen Zöglingen nach Beendigung der Lehrzeit eine weitere Fachbildung bezw. Ausbildung zu höheren technischen Berussarten zu gewähren, hat durch die verständnisvolle Stiftung eines Vorstandsmitglieds eine rege Förderung erfahren. Es sind uns dadurch jährlich Mk. 600 zu Stipendien für obigen Zweck zur Verfügung gestellt, von denen freilich vorläufig nur Mk. 300 jährlich verausgabt werden dürfen. Mehreren früheren Zöglingen konnten wir durch Gewährung von Pension in unserem Heim die weitere Ausbildung erleichtern, mehrere Gesuche von Schloffergeseüen, früheren Zöglingen, um Aufnahme in die Anstalt, damit sie sich auf der Maschinenbau - Schule als Maschinen-Jngenieure ausbilden, hoffen wir nach dem Wunsch der Bittsteller erledigen zu können. Der erzieherische Einfluß, den dieser Zweig unserer Thätigkeit aus unsere Zöglinge ausübt, ist unverkennbar, und wir bitten unsere Gönner, diesem Stipendienfond größere Zuwendungen zu machen. Eine nicht minder erfreuliche pädagogische Hilfe gewährte uns derselbe Gönner, indem er jährlich Mk. 400 zur Anlegung von Sparkassenbüchern für fleißige, ordentliche Lehrlinge bereitstellte, mit der Bestimmung, daß auch davon vorläufig nur Mk. 200 jährlich verwandt werden sollen. Die einzelnen Einlagen sollen Mk. 10 bis Mk. 20 betragen, das gesamte Sparkaffenbuch aber, außer in dringenden, vom Vorstand zu bestimmenden Fällen, nicht vor dem 21. Lebensjahr ausgehändigt werden. Betreff des Rechnungsabschlußes ist zu bemerken: Die Einnahmen in Düsseldorf betrugen incl. Lohnvergütung der Meister Mk. 14 000.70, die Ausgaben Mk. 11 707.25. Die Einnahmen in Köln Mk. II 264.12, die Ausgaben Mk. 10 588.22. Dem Kölner Lehrlingsheim sind bereits von einigen auswärtigen Handwerker- ' vereinen Knaben gegen teilweise Erstattung der Unterhaltungs-