Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- Seite 771 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 49. Israelitische Wochenschrift. Seite 771. künftigen Welt. Laß deines Namens Herrlichkeit ausstrahlen auf die, die deinen Namen heiligen, laß deines Namens Heiligkeit in deiner Welt leuchten, laß deine Hilfe unsre Kraft erhöhen. An Ungezählten erprobst du deines Namens Heiligkeit — Herr, sei gepriesen! Du hast uns durch deine Gebote geweiht, du hast uns befohlen, die Worte deiner Lehre uns einzuprägen — sei gepriesen, Herr unser Gott, Weltenkönig! Herr unser Gott, laß die Worte deiner Lehre in unserm Mund und in ganz Israels Mund lieblich sein, daß wir und alle kommenden Geschlechter Israels deinen Namen erkennen, deiner Lehre kundig sind. Du bist deinem Volk Israel ein Lehrer, du hast durch das Geschenk deiner Lehre uns vor allen ausgezeichnet — Herr unser Gott, Weltenkönig, sei gepriesen! Der Herr segne und behüte dich. Der Herr lasse sein Antlitz dir leuchten und begnade dich. Der Herr wende sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden. Für folgende Vorschriften ist kein bestimmtes Maaß gegeben: für die Ecken der Felder, deren Ertrag den Armen gehört; für die Erstlingssrüchte, die darzubringen sind; für Opfer beim Erscheinen im Tempel; für Werke der Nächstenliebe; für Beschäftigung mit dem Gotteswort. Für folgende Werke genießt der Mensch den Lohn auf Erden und bleibt gleichwohl sein Verdienst für das Jenseits bestehen: Für Ehrfurcht vor Vater und Mutter; für thätige Nächstenliebe; für Besuch des Lehrhauses am Morgen und Abend; für Gastlichkeit gegen Fremde; für Krankenpflege; für Ausstattung von Bräuten; für Totengeleit; für Gebetsandacht; für Friedensstiftung unter den Menschen; doch das Forschen im Gotteswort schließt all das in sich ein. -p-n Du sprachst, und die Welt erstand. Du bist der Schöpfer. Dein Wort ist ein Vollbringen, dein Beschluß die Ausführung. Du erbarmst dich der Erde und der Geschöpfe. Du schenkst reichen Lohn denen, die dich ehrfürchten. Du lebst in Ewigkeit und bestehst ohne Ende. Du erlösest und rettest. Sei gepriesen, Herr unser Gott, Weltenkönig, barmherziger Vater! Dich rühmt der Mund deines Volks, die Rede deiner frommen Diener preist dich. Mit den Gesängen Davids wollen wir dein Lob verkünden, in Liedern dich erheben, deinen Namen anrufen und dir als unserm König huldigen, du einziger, ewig lebendiger Gott. Gepriesen sei dein großer Name, in Sang sei gefeiert, unser König und Gott! §>pre<$faa£. Der Mein p Förderung der Bodenkultur nuter den Inden Deutschlands. Wie erhalten folgende Zuschrift: Herr Rabbiner Dr. E. Finkel-Pasewalk hat in Nr. 47 der „Israelitischen Wochenschrift" einen Aufsatz unter dem Titel: „Ahlem und der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" veröffentlicht, auf welchen ich mir im Interesse der Sache Nachstehendes zu erwidern erlaube: Er beginnt damit, daß er, obwohl er die Tendenzen des Vereins billigt, den Vorwurf macht, daß der Verein trotz seines mehrjährigen Bestehens noch keine Erfolge aufzuweisen habe, und daß die Ursache dieser betrübenden Erscheinung vor Allem in der Art der Propaganda zu suchen sei. Er zeigt in längerer Ausführung, wie wenig neu der Gedanke der Ueberführung der Juden zur Landwirtschaft ist, und vertritt dann die Ansicht, daß der Entwicklung des Vereins die Erziehungsanstalt Ahlem im Wege sei, und daß der Verein viele Freunde der Landwirtschaftsidee vor den Kopf gestoßen hat, weil er Ahlem nicht jenes Wohlwollen angedeihen ließ, welches der Anstalt von rechtswegen gebührt. Schließlich glaubt er, daß es Aufgabe des Bodenkulturvereins wäre, Ahlem in seine Obhut zu nehmen, bezüglich sich als Zentrale zu gestalten, wohin die Beiträge und Spenden aller Gönner der Landwirtschaftsidee fließen rc. Wir begrüßen es freudig, daß Herr Dr. Finkel dieser ernsten Sache Aufmerksamkeit schenkt, und wenn wir auch seine Ansicht in mancher Beziehung nicht teilen, so hoffen wir durch nachstehende Ausführungen, daß er als Freund der Sache, sich zu den unfern bekennen wird. Der Vorwurf, daß der B. K. V. seit der Zeit seines Bestehens nichts geleistet habe, ist ungerecht und kann nur von denjenigen erhoben werden, die sich um die Angelegenheit wenig bekümmern. Wir haben allerdings insofern noch keinen Erfolg zu verzeichnen, als wir noch kein Gut zum Zweck der Parzellierung erworben und Ansiedelungen geschaffen haben. Dazu gehört aber Geld und zwar viel Geld, und woher dasselbe nehmen? Ueberall werden unsere Glaubensgenossen zu wohlthütigen Zwecken stark herangezogen, und wenn man nun gar mit einer so großen Idee kommt, die praktisch noch nicht erprobt ist und der man deshalb sehr skeptisch gegenübersteht, da ist es sehr schwer, Geld zu erhalten Daher war es unsere Aufgabe, in Schrift und Wort den Gedanken der Ueberführung der Juden zur heimischen Bodenkultur unter unfern Glaubensgenossen zu verbreiten, was wir gethan haben und was in immer größerem Maßstab geschehen wird, und das ist der Erfolg, den wir bis jetzt erzielt haben. Herr Dr. Finkel hat ganz recht, daß die Idee der Ueberführung der Juden zur Bodenkultur nichts Neues ist, aber praktisch ausgeführt hat man sie noch nicht, und wir werden in kurzer Zeit, wenn es uns gelingt, die Mittel leihweise zu beschaffen, unsere Theorie in die Praxis überführen, da der Vorstand der B. K. V. beschlossen hat, Mittel zum Ankauf eines Gutes aufzubringen und nach einem Vorschlag der Herren Rosenthal und Werner in Posen die Ansiedelungen zu beginnen. Ist dies nicht die beste und wichtigste Propaganda, Herr Dr. Finket? Wenn man den Juden Deutschlands beweist, daß jüdische Ansiedelungen blühen und gedeihen in unserem deutschen Vaterlande, dann wird es uns nicht an Mitteln fehlen, das begonnene Werk fortzusetzen. Und welches Material , haben wir für unsere Ansiedelungen? die ausgcbildeten und ' fertigen Zöglinge von Ahlem! Ja dies ist das Programm