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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-11-30 · 48 (30.11.1900) · p. Seite 760

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
Seite 760 (sequence 12)
Language
German
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Seite 760. Israelitische Wochenschrift. Nr. 48. Baron Hirsch-Stiftung hat in dieser Woche den Appellationsgerichtshof beschäftigt. Die I. C. A. war vom Vorderrichter im Mai dieses Jahres zur Zahlung von 125 000 L. St. Erbschaftssteuer an den englischen Fiskus verurteilt worden und hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Das Urteil des Appeügerichts wird demnächst ausgesprochen werden. London, 25. November. (Der Appell an den Papst.) Zu der aus Brüssel kommenden Nachricht über die von einem dortigen Komitee dem Papst unterbreiteten Vorstellung über das Märchen vom Ritualmord meldet das hier erscheinende Blatt „Tablet": Die Nachricht über diese belgische Bewegung wird in unserem Land besonders die Leute interessieren, die vor einigen Monaten an einer in derselben Angelegenheit nach Rom gerichteten Eingabe sich beteiligt haben. Der inzwischen verstorbene Lord Rüssel of Killowen, der das seltene Ideal in sich vereinigte, zugleich der oberste Richter und der gerechteste Mann in England zu sein, hat seinerzeit ein lebhaftes Interesse für dieses Memorandum bewiesen, das von einflußreichen Persönlichkeiten unterzeichnet und vom Kardinal-Erzbischof dem Heiligen Stuhl übermittelt worden ist. Kurz vor seinem Tod hat Lord Rüssel ein sehr herzliches Schreiben vom Kardinal Rampolla erhalten, in dem dieser den Empfang des Memorandums bestätigt und verspricht, es Leo XIII. zur persönlichen Kenntnisnahme zu unterbreiten. — Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß der hervorragende jüdische Jurist Sir George Lewis die Anregung zur Errichtung eines Denkmals für den allgemein betrauerten Chief Justice Lord Ruffel gegeben und selbst einen Beitrag von 100 L. St. dafür gezeichnet hat. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der Zeitungsberichterstatter Ignaz Wachtel in Berlin ist im Alter von 70 Jahren in voriger Woche gestorben. Er war ein überaus liebenswürdiger, bescheidener und pflichttreuer Mann und von der echten Charakterfestigkeit, die jede Ostentation verschmäht. Bei der Beerdigung erschienen im Auftrag des Magistrats Stadtrat Dr. Straßmann und Bureaudirektor Benrreke, für die Stadtverordnetenversammlung dieMadtverordnetenJacobi undKalisch.—In Colmar im Elsaß ist der Bankier Lucien Mannheimer zum Mitglied des Landesausschusses für Elsaß-Lothringen gewählt worden- Herr Mannheimer ist auch Mitglied des jüdischen Konsistoriums für den Oberelsaß. — Der jüdische Oberst Goldsmid wird demnächst aus Südafrika nach England zurückkehren. — Rabbiner Elijah Akiba Rabbinowitsch in Poltowa in Rußland giebt eine neue rabbinische Monatsschrift unter dem Titel „Hapleß" heraus. - Zum Andenken an seinen kürzlich verstorbenen Sohn hat David Ritter von Gutmann in Wien der jüdischen Gemeinde Baden bei Wien 30 000 Kronen zum Bau einer Synagoge geschenkt. — Unter den noch in S.ebastapol lebenden Veteranen, die seinerzeit die Festung so heldenmütig verteidigt haben, befinden sich 11 Juden, von denen der älteste 78, der jüngste 69 Jahre alt ist. — Am 22. November ist dem jüdischen Komponisten F. Hymen Cowen von der Universität Cambridge der Doktorgrad honoris causa verliehen worden. — Der frühere Rabbiner der jüdischen ^Gemeinde zu Chatham, Rabbiner Lazarus Pollack, ist in London im Alter von 88Jahren gestorben. Er war ein geborener Deutscher. — Der Violinvirtuose Adolph Politzer ist in London gestorben. Er war 1832 in Budapest geboren, hat in Wien zusammen mit Joseph Joachim studiert und war seit 1861 Lehrer an der Londoner Musikakademie. Seine Leiche ist auf seinen Wunsch verbrannt, die Asche auf dem Begräbnisplatz der West - London - Synagogengemeinde beigesetzt worden. — In Victoria in Australien ist der Hon. Jsaac A. Jsaacs zum Attorney-General ernannt worden. Er hat dieses hohe Amt bereits vor Jahren mit Auszeichnung bekleidet. Vakanzen. Ettelbruck, (Luxemburg). K., Sch., 800 M. Geh., 400 Mk. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Haßloch b. Worms. Sem. geb. Rel.-L., Ch., Sch. (ledig), 600 M. Geh., fr. W. und Heiz. Meld. an Bernhard Dreyfuß. — Crumstadt b. Darmstadt. Lehrer, K., Sch., 650 M. Geh., fr. W. Meld. an Gustav Bruchfeld. — Neustadt a. Warthe. K., Balk., Sch., 1000 M. Geh., fr. W. Meld. an Ph. Held. — Emden. K., Balk., Sch., 2000 M. Geh., fr. W. Meld. an Jacob Pels. — Zirke. Vorb., Balk., Sch., 800 M. Geh., fr. W., 400 M. Nebeneink. Meld. an Simon G. Cohn. — Mehlsack. Rel.-L., K., Sch., 960 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Nathan Jacoby. — Landsberg a. W. Sch. und 2. K., 1500 M. Geh., fr. W., 2-300 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Guhrau. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Geh., 400 M. Nebeneink. Meld. an Beerel. — Graudenz. Rabb. und Rel.-L., 3600 M. Anfangsgeh., 1000 M. für Rel.-Unterr. Meld. an H. Belgard. — Gabes, Pomm. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 1500—1800 M. Eink. Meld. an Victor Kronheim. — Köln a. Rh. Hauptlehrer (Mittelschul-Examen) an jüd. Volksschule, Anfangsgeh. 1760 M. (steigt bis 3550 M.) und fr. W. Meld. an Stadtschulrat Dr. Brandenburg. Feuilleton. Das „Scheker-Kilbul". Von C. Berg. (Fortsetzung.) Und wie dramatisch verstand Franja zu schildern! Sie beschrieb die Größe und Schärfe des Messers, mit welchem Perez den Julek abgeschlachtet, den weißen Kittel, den der Mörder in der Mordnacht getragen — sie weinte, als sie das Hilfeflehen des armen Opfers wiedergab; regte sich hin und wieder ein Zweifel an der Wahrhaftigkeit ihrer Angaben, wagte ein besonders heller Kopf ihr Widersprüche nachzuweisen, dann wußte sie mit betäubender Zungenfertigkeit alle Zweifler und Ungläubigen niederzureden. Unstreitig, Franja war eine Berühmtheit, die grande attraction der Zladnoer Saison. Aber das änderte sich mit einem Schlage. Drei Tage vor dem für Perez so bedeutungsvollen elften Januar, an welchem Datum die erste Schwurgerichtsperiode des Jahres 1889 eröffnet werden sollte, da begann es: Franja ward unzugänglich. schlich bleich, mit gesenktem Kopf scheu umher und beschränkte sich nur auf die allernotwendtgsten Gänge über die Straße. Wollte sie jemand anrcden, so lief sie erschrocken davon und blieb endlich für alle Fremden unsichtbar im Haus ihres Brotherrn verborgen. Selbst dem Amtsrichter, der, wie schon erwähnt, die Kleine nicht leiden mochte und sie daher wenig beachtete, fiel ihre Verstörtheit aus und er fragte: „Was hat das Mädel? Sie scheint krank zu sein. Christine, sende sie zum Doktor!"

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