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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-11-30 · 48 (30.11.1900) · p. Seite 759

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
Seite 759 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 Israelitische Wochenschrift. Seite 759. werden. Eine starke Grundlage erhalten diese Hoffnungen durch den Umstand, daß der Verein binnen Kurzem imstande sein wird, mit einem festen und sofort ausführbaren Projekt vor das Publikum zu treten. Schon vor längerer Zeit veröffentlichte die „Israelitische Wochenschrift" einen Aufsatz des Herrn Mühlenbesitzer Rosenthal aus Posen, in dem die praktische Inangriffnahme der Ueberleitung der Juden zum Ackerbau besprochen wurde. Den dort gegebenen Anregungen und Hinweisungen folgend, hat Herr M. Werner-Posen einen Plan entworfen und ihn, wie in der vorigen Nummer dieses Blattes bereits gemeldet, in der letzten Vorstandssitzung vorgelegt. Es ist darin ein Modus der Geldbeschaffung vorgeschlagen, der erhoffen läßt, daß man in nicht allzu langer Zeit an den Ankauf eines Gutes wird herantreten können, wo jüdische Kolonisten beweisen werden, was sie auf deutschem Boden zu leisten imstande sind. Das Projekt wird augenblicklich von einer Kommission unter Hinzuziehung eines Juristen bearbeitet. Sobald die Vorarbeiten erledigt sind, werden wir weiter darüber berichten. Berlin, 26. November. (Frau Lina Morgenstern.) Frau Lina Morgenstern, die gestern ihren 70. Geburtstag feierte, erhielt aus diesem Anlaß zahlreiche Beweise der Wertschätzung und Verehrung. In früher Morgenstunde lief von der zur Zeit in Koblenz weilenden Großherzogin von Baden ein Glückwunschtelegramm ein, das mit folgenden Worten beginnt: „Ich möchte Ihnen von hier aus, wo mich so viele Erinnerungen an meine in Gott ruhende Mutter umgeben, zu Ihrem heutigen 70. Geburtstage den aufrichtigsten Glückwunsch aussprechen. Ich gedenke an diesem Tage mit lebhafter Dankbarkeit aller der vielen Wohlthätigkeitsanstalten und Einrichtungen, welche Ihrer Thatkrast die Entstehung schulden." Aus vielen Städten Deutschlands, Amerikas, Frankreichs, Englands und Norwegens kamen im Lauf des Tages telegraphische Glückwünsche der dortigen Frauenvereine. Deputationen der verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine, zu denen die Jubilarin in Beziehung steht, überbrachten Blumengebinde und kunstvolle Adressen. Frau Dr. Tiburtius erschien für den Verein für Erziehung schulentlassener Mädchen, Frau Dr. Kästner übermittelte die Glückwünsche der Gartenbauschule Marienfelde, Frau Schulrat Cauer die des Vereins Frauenwohl. Die Egidy-Gesellschaft, die Viktoria-Fortbildungsschule, die Friedensgesellschaft, der Kindergartenverein in Breslau, der Berliner Hausfrauenverein, der Letteverein, vertreten durch Frau Prof. Kaselowski, die Armendirektion, vertreten durch Stadtrat Münsterberg, und verschiedene andere gemeinnützige Vereinigungen hatten Deputationen und Blumenarrangements, teilweise auch kunstvolle Adressen gesandt. Der Volksküchenverein spendete 1000 Mark für eine Morgenstern-Stiftung, während eine Frauenkomitee, an dessen Spitze Frau Oberbürgermeister Kirschner steht, der Jubilarin ebenfalls eine größere Geldsumme zur freien Verfügung überreichte. Die Hauptfestlichkeit fand abends in der Philharmonie statt, wohin auf einem Wagen ein großer Teil der Blumengaben gebracht wurde. Nach einem Bankett erfolgte die Aufführung eines Theaterstückes : „Eine Sprechstunde bei Lina Morgenstern", verfaßt von der Tochter der Jubilarin. Berlin, 25. November. (Siebenzigster Geburtstag.) Dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde Herrn Justizrat S. Meyer wurden in vergangener Woche aus Anlaß seines 70. Geburtstages zahlreiche Ovationen dargebracht. Der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung Dr. Langerhans erschien mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Michelet, um die Glückwünsche der Versammlung auszusprechen; sodann überreichte der Vorstand der jüdischen Gemeinde dem Jubilar eine kunstvoll gearbeitete silberne Votivtasel, verschiedene Spezialverwaltungen schlossen sich unter Ueberreichung von Adressen den Glückwünschenden an. Die Fraktion der Linken der Stadtverordnetenversammlung, deren Vorsitzender der Jubilar ist, entsandte die Stadtverordneten Direktor Dr. Gerstenberg und Justizrat Cassel und ließ einen künstlerisch ausgeführten silbernen Tafelaufsatz mit den Figuren der Berolina und der Justitia überreichen. Im Namen der Freien Fraktion erschien deren Vorsitzender Geh. Regierungsrat Spinola, ferner überbrachte der Oberbürgermeister Kirschner die Gratulation des Magistrats. Frankfurt a. M., 26. November. (Zweiter Rabbiner.) Der Vorstand und der Ausschuß der hiesigen Israelitischen Gemeinde haben im Hinblick auf das Anwachsen der Zahl der Gemeindemitglieder beschlossen, einen zweiten Rabbiner an der Hauptsynagoge anzustellen. Krakau, 26. November. (Reiche Spende.) Dr. Arnold Rappaport hat unserer jüdischen Gemeinde 200 000 Gulden geschenkt und noch außerdem 25 000 Gulden für die Errichtung eines Kinderkrankenhauses in Krakau hergegeben. Dr. Arnold Rappaport, Ritter von Porada, ist der Vertreter der Krakauer Handelskammer im österreichischen Parlament. Petersburg, 25. November. (Wichtige Senatsentscheidung.) In jüngster Zeit haben verschiedene aus Dörfern ausgewiesene Juden sich mit der Bitte an den Senat gewendet, in Rücksicht auf ihren langjährigen Aufenthalt in den betreffenden Dörfern den Ausweisungsbefehl zu annullieren. Der Senat hat diese Eingabe zu Gunsten der Juden entschieden mit der Begründung: Ein seit Jahren von den Juden bewohntes Dorf muß ihnen auch ferner als Aufenthaltsort gestattet werden, weil die Ortsbehörden solcher Dörfer, in denen Juden nicht wohnen dürfen, diese unmittelbar nach ihrer Ankunft hätten ausweisen müssen. Warschau, 23. November. (Ein Talmudlehrer.) In Serei, einem kleinen Städtchen in Russisch-Polen, ist kürzlich Rabbi Simeon gestorben, der im ganzen Land unter dem Namen „Reb Schimmele der Melamed" bekannt gewesen. Mit 19 Jahren hat der Verstorbene seinen Lehrerberuf begonnen. Er hatte das Prinzip, niemals mehr als zehn Schüler zu haben, die je 6 Rubel für halbjährigen Unterricht zu zahlen hatten; er hat sich niemals überreden lassen, seine Schülerzahl oder die Lehrgebühren zu erhöhen. Nachdem ein Hals- und Lungenleiden ihm die fernere Ausübung des Lehrberufs unmöglich machte, wurde er von allen Seiten zur Entscheidung wichtiger talmudischer oder ritueller Fragen herangezogen. Für diese Arbeiten hat Reb Simeon niemals eine Entschädigung angenommen. Er ist 74 Jahre alt geworden. London, 26. Oktober. (Jewish Colonisation Association.) Die Erbschaftssteuersrage in Sachen der

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