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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-11-30 · 48 (30.11.1900) · p. Seite 755

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
Seite 755 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 48 Israelitische Wochenschrift. Seite 755. in photographischer Wiedergabe reich geschmückt ist, erzählt Herr Direktor Frauberger von dem zufälligen Anlaß, der zu der Gründung der Gesellschaft geführt hat, und von dem Aktionsprogramm, das er aufgestellt und die Gesellschaftsleitung gutgeheißen hat. Gegen Ende 1895 war Herr Direktor Frauberger ersucht worden, bei der Beschaffung eines Entwurfs zu dem Umfassungsgitter für ein jüdisches Grab behilflich zu sein. Als er den Architekten bat, bei seinem Entwurf jüdische Symbole zu verwenden, erklärte dieser, daß er keine kenne. Die Vorbildersammlung des Düsseldorfer Kunstgewerbemuseums zeigte eine empfindliche Lücke. Nach Tausenden zählten die Vorlagen für die katholische und evangelische Kirche, sehr reich war sie an Vorbildern für den mohamedanischen und buddhistischen Kultus, für die in Rheinland und Westfalen wohnenden Juden war nicht gesorgt; nur 5 Blätter unter 30 000 stellten ältere Synagogen dar. Umfragen bei Museumsdirektoren, jüdischen Gelehrten und Buchhändlern ergaben, daß diesem wichtigen Zweig bisher keine Aufmerksamkeit geschenkt war. Auch die Photographiegeschäfte, die sonst Vorbildersammlungen zur Verfügung stellen, versagten hier vollends; sie hatten außer einigen Abbildungen moderner Synagogen nur die der Altneuschul in Prag und der Alten Synagoge in Worms. Herr Direktor Frauberger faßte den Plan, durch photographische Ausnahmen und Zeichnungen Jüustrationsstoff zu beschaffen und in einem großen Vorlagenwerk einen Formenschatz jüdischer Kunst der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Ein Band sollte alte jüdische Kultusbauten, ein zweiter Band eine Auswahl neuer Synagogen, ein dritter und vierter Band Kultusgegenstände für die Synagoge und das Haus enthalten, ein fünfter Band sollte Proben verzierter hebräischer Schriftgaben, ein sechster Band kulturhistorischen Stoff, Kostümliches u. dergl., in Bild und Wort vorsühren. Herr Charles L.Hallgarten in Frankfurt a.M., für alle schönen Aufgaben stets hilfsbereit, gab die für die einleitenden Arbeiten erforderlichen Mittel, und deren sachgemäße Verwendung führte zur Bildung der „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler". Das vorliegende erste Heft der „Mitteilungen" dieser Gesellschaft enthält zahlreiche Jllustrattonsproben und nennt als die zu erstrebenden Ziele: 1. Sammlung von Einzelblättern oder Vorbildersammlung; 2. Anlegung einer Büchersammlung, namentlich illustrierter Werke entsprechenden Inhalts; 3. Handschriftensammlüng; 4. Sammlung jüdischer Originalgegenstä'de; 5. Vorübergehende Ausstellungen jüdischer Kunstgegenstände; 6. eine Denkmälerstatistik und eine jüdische Kunsttopographie; 7. Publikation wissenschaftlicher Forschungen; 8. Abhaltung von belehrenden Vorträgen; 9. Einrichtung eines Auskunftsbureaus; 10. Preisausschreiben. Hoffentlich findet das große und rühmliche Werk auch anderwärts Freunde und Förderer. Einstweilen steht die Berliner Judenschaft, wie in den meisten jüdischen Dingen, in mitleiderregender Bescheidenheit bei Seite. Israelitische Eyiehimssanßalt \\\ Ahlem bei Hauuom. Am 11. November d. I. hat in Hannover die diesjährige ordentliche Sitzung des Kuratoriums der Erziehungsaustalt Ahlem stattgefunden. Nach statutengemäßer Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten kam ein Antrag des Vorstands zur Beratung, der für die Folgezeit von höchster Bedeutung zu werden verspricht. Schon bei Errichtung der Anstalt bestand die Absicht, den Mädchen unserer ärmeren Glaubensgenossen die entsprechende Erziehung für das praktische Leben in ähnlicher Weise angedeihen zu lassen, wie den Knaben. Inzwischen haben die Zeitverhältniffe die Erstrebung dieses Zieles immer dringlicher erscheinen lassen. Von allen Seiten hört man die Klage, daß so sehr wenig jüdische Mädchen Lust haben, als Köchinnen oder Hausmädchen Stellungen anzunehmen, daß sie .anscheinend Berufe vorziehen, die zwar geringere körperliche Anstrengung erfordern, aber der Gesundheit nachteiliger sind (Schneiderin, Putzmacherin, Ladnerin). Bekanntlich sind die Löhne hierbei sehr gering, und va angemessene gute Kleidung verlangt wird, --ist ohne entsprechenden Zuschuß in der Regel die Deckung der Bedürfnisse nicht zu erreichen. Es hat bisher an der geeigneten Anstalt gemangelt, in der die jüdischen Mädchen neben dem Unterricht einer guten Volksschule schon im frühen Alter, gleichsam spielend, nicht nur an die Besorgung aller häuslichen Arbeiten, sondern auch an ländliche Arbeiten, die für Frauen geeignet sind, wie Gemüsebau, Milchwirtschaft, Geflügelzucht u. s. w. gewöhnt werden, wodurch die Neigung für die der Gesundheit mehr förderliche körperliche Arbeit angeregt wird. Auf solche Weise herangebildete Mädchen werden später nicht nur tüchtige Köchinnen und Wirtschafterinnen, sondern auch tüchtige Hausfrauen für Handwerker, Gärtner und Ackerbauer. Dem Mangel in letzterer Hinsicht ist hauptsächlich der Mißerfolg eines großen Teils bisheriger jüdischer Ansiedelungen zuzuschreiben. Hier muß daher der Hebel für den späteren Erfolg angesetzt werden. Nur der Umstand, daß die dazu nötigen Geldmittel nicht vorhanden waren, ließ bisher den von den Zeitverhältnissen dringend geforderten Plan nicht zur Ausführung gelangen. Zu den veranschlagten Kosten in Höhe von 120 000 bis 140 000 Mark sind 40 000 Mark schenkungsweise zugesichert. Die Verwaltung hat in der Hoffnung, daß sich weitere Wohlthäter finden werden, den Mut gefaßt, ans Werk zu schreiten, und hat demgemäß beschlossen, daß der Vorstand ermächtigt werde, eine mit der Anstalt verbundene Mädchenabteilung — von der ersten räumlich getrennt — zu errichten, und zwar in der Nähe, an der anderen Seite der Straße. Es soll zu diesem Zweck aus der nördlichen Parzelle des Anstaltsgrundstücks ein Gebäude errichtet werden, und es sollen die zur Ausführung fehlenden Geldmittel einstweilen durch ein Anlehen aufgebracht werden.

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