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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-11-23 · 47 (23.11.1900) · p. Seite 745

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
47 (23.11.1900)
Date
1900-11-23
Page
Seite 745 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 47 Israelitische Wochenschrift. Seite 745. platz der letzterwähnten That, bitrd) die Bitkower vielen Tausenden von Juden das Leben gerettet hat, durch Predigt und Psalmengesang begangen. London, 18. November. (Missionskniffe). Die Herausgeber der Missionszeitung „Morgenstern" nehmen mit Vorliebe Artikel von solchen Autoren auf, deren Namen jüdisch sind oder jüdisch klingen, um ihre Argumente um so sicherer auf jüdische Leser wirken zu lassen. In einer Nummer dieses Blattes schreibt ein Reverend I. Levinson über „Zionismus", ein Reverend Soltan über „Israel und die Kirche", ein Dr. A. A. Isaaks über „Die große Trauer". Am erstaunlichsten aber ist ein vom Rabbiner Dr. M. Hyamson Unterzeichneter Artikel über „Jüdisches Gerichtsverfahren in alten Zeiten." Die Thatsache, daß ein amtierender jüdischer Rabbiner für ein Misstonsblatt schreibt, gab zu Nachforschungen Veranlassung, und es stellte sich heraus, daß ganz einfach der unbefugte Abdruck einer Predigt vorlag, die Dr. Hyamson vor einigen Monaten in der Dalston-Synagoge gehalten hat, und die von jüdischen Zeitschriften veröffentlicht worden war. London, 18. November. (Rabbiner Professor Marks). Am Donnerstag, den 22. d. M. tritt Rabbiner Professor Marks in sein neunzigstes Lebensjahr. Trotz seines hohen Alters und seiner angegriffenen Gesundheit fungiert Professor Marks immer noch als Rabbiner der West London Synagogue of British Jews, deren Gottesdienst er erst vor wenigen Tagen geleitet hat. David Wolf Marks, der Seniorgeistliche dieser Gemeinde, hat ihr sechzig Jahre lang seine Dienste gewidmet. In diesen Zeitraum fällt auch de<Termin der englischen Judenreform, deren Begründer Professor Marks insgesamt überlebt hat, obwohl einige von ihnen zu hohen Jahren gekommen waren. Drei Generationen englischer Juden, ungefähr tausend Ehepaare, hat Professor Marks unter den Trauhimmel geführt. Von all seinen Erinnerungen gehören zu den interessantesten die Wandlungen, die die Haltung der Londoner Judenschaft seiner eigenen Gemeinde gegenüber durchgemacht hat. Die strikte Opposition, die den Reformbestrebungen der West-London-Gemeinde von einer Generation entgegengebracht wurde, der noch Solomon Herschel, David Meldola, Dr. Nathan Markus Adler, Sir Moses Montefiore und andere berühmte Juden angehörten, ist heutzutage nicht mehr zu verspüren. Statt dessen sind verschiedene Verbesserungen in der Gottesdienstordnung, für deren Einführung di. West-London-Synagogue beinahe in den Bann gethan worden wäre, im Lauf der Jahre von mehreren orthodoxen Gemeinden unter Zustimmung geistlicher Autoritäten übernommen worden. Professor Marks ist durch seine Liebenswürdigkeit und seine Toleranz in allen Kreisen beliebt; sein neunzigster Geburtstag wird seinen Freunden willkommene Gelegenheit bieten, ihm ihre Liebe^und^Verehrung zu beweisen. Jassy, 3. November. (Gouvernementale Erpressung.) Der hier erscheinende „Adverul", der für wohlunterrichtet und zuverlässig gilt, veröffentlicht nachstehende Artikel, die in Deutschland bekannt zu werden verdienen: „Vor einigen Tagen erschien in den Zeitungen folgende Nachricht: „Die im Lande geborenen und ausgewachsenen Fremden brauchen weder einen Legitimationsschein noch einen Paß, üm im Lande bleiben zu können, wenn sie beweisen, daß sie ein Naturalisationsgesuch eingereicht haben. Diese Nachricht verdient mehr Aufmerksamkeit, denn diese scheinbar gleichgültige und unschuldige Maßregel enthält eins von den Mitteln zur Lösung der finanziellen Krise, die den Staat heimgesucht hat. Wir geben hier die bestimmten Einzelheiten in dieser seltsamen, aber wahren Frage: Der letzten Volkszählung nach befinden sich im Lande 261 000 Juden. Die Unzuverlässigkeit dieser Volkszählung berücksichtigend, müssen wir annehmen, daß es 300 000 sind. Da das Ausland unsere Juden nicht aufnehmen wollte und der Konflikt mit Bulgarien eine strikte Regelung der Verhältnisse der Fremden im Lande, sowohl der autochthonen wie der neu hinzugekommenen, aufgezwungen hat, andererseits aber zugleich die finanzielle Krise sehr akut geworden ist, so ist die geniale Idee entstanden, diese Zustände zu benutzen, um den leeren Kassen des Aerars einen neuen Geldstrom zuzuführen. Die Idee gelangte bis zu den Regierenden, und Herr Carp hat sich ihrer sofort bemächtigt. Die Beamten des Ministeriums des Innern erhielten Befehl, sofort eine genaue Statistik aller volljährigen Juden im Lande auszuarbeilen, damit sie dem Finanzminister als Grundlage für die Berechnung der von dieser neuen Kombination zu erwartenden Einkünfte dienen könne. Die Einzelheiten der Kombination sind folgende: Es finden sich im Lande 100 000 volljährige Juden, die als Fremde betrachtet werden, jedoch keinen fremden Paß vorweisen und sich daher keinen Aufenthaltsschein verschaffen können. Diese werden gezwungen sein, die Naturalisation nachzusuchen, um die Bescheinigung darüber vorweisen zu können, was in klingender Münze übertragen folgende Summen ergiebt: 100 000 Naturalisationsgesuche zu je 25 Frcs. sind 2 500 000, wenigstens 500 000 verschiedene Aktenstücke, die zur Begründung des Gesuches erforderlich sind (Nachweise über Steuerzahlungen, Militärdienstleistung, Aufenthalt im Lande u. s. w.) zu je 1 Frc. für den erforderlichen Stempelbogen ergeben 500 000 Frcs., 600 000 Certifikate, um die angeführten Akten zu authentifizieren, ergeben andere 600 000 Frcs., unzählige Gesuche für die Beschaffung angeführter Aktenstücke, Abschriften verlorengegangener Dokumente u. a. m. werden auch ungefähr 700 000 ausmachen, zusammen 4 000 000 Frcs., die die Juden in kürzester Zeit aus ihrer Tasche zu zahlen gezwungen sein werden. Mit dieser Berechnung befassen sich im Geheimen die hohen Beamten des Finanzministeriums. Die Arbeit ist beinahe fertig, ein Auszug ist Herrn Carp vorgelegt worden. Als Herr Carp gelegentlich einer Auseinandersetzung mit dem Minister Filipesen über die Einzelheiten des Projektes (dessen Urheber dieser sein soll) die Meinung äußerte, daß die Juden größtenteils arm sind'und deshalb das neue finanzielle Flickwerk nicht einmal eine Million ergeben werde, erwiderte Filipesen: „Sie täuschen sich; die jüdische Finanz des Auslandes wird die Juden Rumäniens mit Geld unterstützen, um sie als Rumänen durchzubringen". Im Allgemeinen hat diese Idee nicht einmal das Verdienst der Orginalität. Sie ist bereits unter Michail Sturdza unter dem Namen „jüdisches Kopfgeld" erschienen. (Damals zahlten die Juden 60 Piaster 20 Frcs. und waren von allen Steuern befreit). Die Regierung bemächtigt sich jetzt dieser Idee des einstigen Fürsten der Moldau, mit dem Unterschied, daß sie nur dem Staat,

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