Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 47 (23.11.1900)
- Date
- 1900-11-23
- Page
- Seite 746 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 746 Israelitische Wochenschrift. Sir. 47 wie den Polizei- und Verwaltungsbeamten nützen wird, während den Juden das Zahlen und Nachsehen bleiben wird, da die rumänischen Kammern auch nicht ein einziges Naturalisationsgesuch der Erledigung unterziehen werden." — Ein zweiter Artikel desselben Blattes lautet: „Wir haben uns bereits damit befaßt, auf welche Weise die Regierung die Frage des Aufenthaltes der Fremden im Lande, oder besser gesagt der „rumänischen Halbbürger" regeln will, denn es ist hier die Rede von den Juden, über deren Zuweisung in eine bestimmte Fremdenkategorie man nicht schlüssig werden kann. Die Regierung sagt: Wer fremder Unterthan ist, soll seinen Paß vorweisen und sich einen Aufenthaltsbewilligungsschein verschaffen. Wer kein rumänischer Vollbürger, aber auch kein fremder Unterthan ist, soll den Aufenthalt in Rumänien durch das Nachsuchen des Bürgerrechtes begründen. Die Maßregel ist im Ausland sehr schlecht verstanden worden. Die Wiener Presse hat sie als erstes Anzeichen der guten Gesinnung, die die Regierung für die einheimischen Juden hegen soll, hingenommen, als den Beginn, sie als einheimisches Element, das Bürgerrechte verlangen darf, anzuerkennen. Wir sind der Ansicht, daß sich die ausländische Presse gewaltig täuscht. Die Regierung verfolgt nur einen rein fiskalischen Zweck. Sie hat ausgerechnet, daß es 100 000 Juden giebt, die, da sie keinen fremden Paß vorweisen können, einen solchen auch nicht annehmen dürfen, gezwungen sein werden, das Bürgerrechtsgesuch einzureichen und die hierzu nötigen 50 Frcs. auszugeben, woraus eine Einnahme von 5 Millionen für den Aerar erwächst. Die Juden werden sich fügen müssen. Sie werden innerhalb eines bestimmten Zeitraumes Nachweisen müssen, daß sie entweder das Gesuch für die Erlangung der Bürgerrechte eingereicht haben oder einen fremden Paß besitzen, um die Ermächtigung zum Aufenthalt im rumänischen Königreiche zu erhalten. Es ist nicht anzunehmen, daß nach den mit der letzten Emigration gemachten' traurigen Erfahrungen die Juden das Verlassen des Landes vorziehen würden. Es giebt daher für die Juden die einzige Wahl, entweder ein fremder Paß oder 50 Frcs. für Stempelbogen. Welches waren die Folgen? Die große Majorität der Juden ist bettelarm. Für 4/5 sind 50 Frcs. ein Vermögen, für manche sogar ein unerreichbares Ideal. Wie werden die Unglücklichen die Summe beschaffen können? Man sagt, die reichen Juden des In- und Auslandes werden eine Sammlung veranstalten, um die Taxen für die Armen zu bezahlen. Wir glauben das nicht, denn nur in dem Fall, wenn diese Verfügung der wirkliche erste Schritt der Regierung zurWösung der Juden frage wäre, würden sich die reichen Juden dieses Opfer auferlegen. Da es aber klar ist, daß die »Regierung nur die Erlangung der 5 Millionen von den Juden vor Augen hat, wird Niemand den Armen zu diesem Zwecke beistehen wollen. Es werden den Armen nur folgende drei Wege offen bleiben: Das Verlassen des Landes, fremder Paß oder Bestechen der mit dem Vollzüge betrauten Beamten. Das Verlassen des Landes ist nicht mehr möglich. Dieser traurige Exodus wird an der Grenze in den Bajonetten der österr.-ungarischen Gensdarmen das erste Hindernis finden. Das Beschaffen eines fremden Passes paßt weder den Juden noch uns, selbst wenn sich ein fremder Staat dazu hergeben sollte; den Juden * nicht, weil Viele Söhne dieses Landes bleiben wollen und sich mit der Hoffnung herumtragen, daß sich hier das Schicksal günstig gestalten wird. Uns wiederum stehen große Gefahren bevor, wenn es Oesterreich, Deutschland oder Rußland gelingen sollte, bei uns Zehntausende ihrer Unterthanen zu haben. Wir verweisen nur auf die Konsulatkonventionen. Dann würden die Juden eine wirkliche Gefahr für das Land bilden. Wer würde das wünschen? Das Bestechen der Vollzugsbeamten bleibt daher der einzige Ausweg. Diese Beamten haben vor Freude erbeben müssen, als sie von der Verfügung der Regierung hörten. Ob der Fiskus je 50 Frcs. per Kopf von den Juden nehmen wird oder nicht, ist dem Polizei- und Verwaltungsbeamten gleichgiltig, wird er doch von Jedem bestimmt ein Fünffrankenstück erpressen können. Da der bedauernswerte arme Jude also die 50 Frcs. auf einmal der Regierung nicht geben kann, wird er sich eine permanente, an die Regierungsagenten zu entrichtende Steuer von Fünffrankenstücken auferlegen lassen. Was im Gehirn des Ministers, der diese geniale Erpressungsidee ersonnen hat, als etwas Vorübergehendes gedacht ist, wird im Gehirn und in den Taschen der Polizeiorgane permanent bleiben. Es bleibt aber noch eine Frage: Was wird die Regierung mit den Juden machen, die weder auswandern noch einen fremden Paß sich verschaffen können, aber auch nicht in der Lage sind, das Bürgerrechtsgesuch einzureichen oder die Beamten zu bestechen? Uns erscheint diese Verfügung als eine ungerechte, voll ernster Konsequenzen, Skandale und Unsicherheiten. Wäre es nicht besser, aus sie zu verzichten und etwas Besseres zu ersinnen? Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Bei den vor einigen Tagen in London stattgehabten Wahlen der städtischen Behörden sind drei jüdische Stadträte gewählt worden: H. H. Collins im Stadtteil Paddington; John Harris in Stepney; Joseph Trenner in Holborn. Vakanzen. Ettelbruck, (Luxemburg). K., Sch., 800 M. Geh., 400 Mk. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Fi lehne. Elem.-L., K., Sch., Koreh, 1500 M. Geh., fr. W., circa 600 M. Nebeneink. Meld. an Dr. Fronzig. — Pinne. K., Sch., Koreh, 1000 M. Geh., circa 1000 M. Nebeneink. Meld. an A. Borchard. — Zell a. Mosel. Lehrer, Vorb., Sch., 300 M. Geh., freie Station und Nebeneink. Meld. an R. Bender. — Emden. K., Sch., Koreh, 2000 M. Geh., freie Wohn. Meld. an Jacob Pelz. — Eydtkuhnen. Hilfsvorb., Sch., Bal Tokeas, 1200—1600 M. Eink. Meld. an Vorst. — Aumundt-Veg esack. Rel.-L., Vorb., Sch., 1350 M. Geh., 150 M. Wohn.-Zuschuß, 200 M. Nebeneink. Meld. an H. D. Herz in Vegesack. — Homberg in Detmold. Rel.-L., 1000 M. Geh. Meld. an S. Weinberg in Detmold. — Guhrau Rel.-L., K., Sch., 1200 Mk. Geh., 400 M. Nebeneink Meld. an Beerel. — Zielen zig, Reg.-Bez. Frankfurt a. O. Rel.-L., K., Sch., 1500 Mk. Geh. Meld. an M. A. Markus.