Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · p. Seite 697

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
44 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
Seite 697 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9607256-9607576--7928-9607589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 44 Israelitische Wochenschrift. Seite 697. Berlin, 28. Oktober. (Der Sonntagsgottesdienst.) Am 18. Februar hat die Berliner Repräsentantenversammlung beschlossen, einen außerordentlichen, aus fünf Mitgliedern bestehenden Ausschuß einzusetzen, der die auf Errichtung eines sonntäglichen Predigtgottesdienstes abzielende Petition eines Gemeindeangehörigen beraten sollte. Am 4. März hat die Repräsentantenversammlung unter Ablehnung des Vorstands- Vorschlags, die Angelegenheit in einem gemischten Ausschuß zu erörtern, jene Kommission gewählt. Sie setzte sich aus den Herren Geheimrat Senator (kons.-lib.) Leonhard Sachs (kons.), Oppenheim (kons.), Professor Geiger (radikal) und Professor Blaschke (lib.) zusammen. Die Kommission ist nach acht Monaten zu einem Beschluß gekommen, bei dem nur vier Mitglieder mitwirkten, da Herr Oppenheim bei der Abstimmung fehlte (er war versehentlich nicht geladen). Mit drei Stimmen gegen die des Herrn Leonhard Sachs wurde beschlossen, der Repräsentantenversammlung die Einrichtung von religiösen Sonntagsvorträgen in den Synagogen vorzuschlagen. Bei der Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung ist kaum Hoffnung vorhanden, daß dieser Beschluß, der die Berliner jüdische Gemeinde mit Auflösung bedroht, abgelehnt wird. Dagegen dürften die Bestrebungen der Sonntagsjuden einstweilen an dem Widerspruch des Vorstands scheitern. Von den Mitgliedern des Rabbinats würde nicht eines sich zum Sonntagsprediger hergeben. Berlin, 31. Oktober. (Israelitischer Frauen-Unterstützungs-Verein.) Der Israelitische Frauen-Unterstützungs- ^..Pe^ein, dessen Mitglieder in allen Stadtteilen Berlins wohnen feine Thätigkeit nicht auf einzelne Bezirke bebakt, veranstaltet auch in diesem Jahr einen Cyclus )on 4 Vorträgen, die im Bürgersaal des Rathauses stattfinden. Den ersten dieser Vorträge wird Herr Dr. Gustav Karpeles am Sonnabend, den 3. November, über „Heine in Berlin" halten; es folgen die Herren Julius Freund, Ulrich Frank, Eugen Zabel, Alex. Moßkowski, Julius Stettenheim, Hans Olden, die in uneigennützigster Weise dem wohlthätigen Zweck des Vereins, arme kranke Frauen und Wöchnerinnen zu unterstützen, ihren Beistand freundlichst zugesagt haben. Die Vorträge beginnen abends 8 Uhr. Billets für den ganzen Cyclus zu 3 Mark sind in der Trautweinschen Buchhandlung, Leipzigerstr. 13, und bei Herrn Max Schimmel, Königstr. 41, zu haben. Einzel-Billets zu 1 Mk. an der Abendkasse. Während des Winters mehren sich regelmäßig die Unterstützungsgesuche, denn zu den notwendigsten Lebensbedürfnissen gesellt sich das Heizungs-Material, das zu beschaffen den Armen ohne Beihilfe oft unmöglich wird. Der Vorstand bittet alle Menschenfreunde um rege Beteiligung. Berlin, 28. Oktober. (Turnverein „Bar Kochb a".) Der jüdische Turnverein „Bar Kochba" feiert am 7. November sein zweites Stiftungsfest im Hotel König von Portugal, Burgstraße 12. Wien, 26. Oktober. (Ritter von Gutmann.) Der kürzlich hier verstorbene Dr. Ludwig Ritter von Gutmann war nicht nur ein bedeutender Finanzmann, sondern auch ein hervorragender jüdischer Gelehrter. Sein Vater, der bekannte Philanthrop David Ritter von Gutmann, hatte seine Freude daran, daß der auch in den modernen Wissenschaften glänzende einzige Sohn die althebräischen Schriftsteller im unpunktierten Urtext las. Der eben verstorbene Dr. Ludwig von Gutmann hat mit seiner Gattin, einer Tochter des Baron Horace von Günzburg in Petersburg, die religiöse Erziehung ihrer 6 Kinder auf das strengste überwacht, sein häuslickes Leben trug eckt jüdischen Stempel. Er ist nur vierzig Jahre alt geworden. London, 26.Oktober. (Bericht der Armenkommissiou.) In der letzten Sitzung der jüdischen Armenkommission wurde nach einigen geschäftlichen Mitteilungen sestgestellt, daß vom Juni bis zum Neujahrsfest 455 Rumänen auf Kosten der Armenkommisston mit einem Aufwand von 1000 L. St. in die Heimat roo^en sind; ebenso hat die Kommission in 416 Fällen eingewanderte Russen und Polen zu ihrer Heimreise mit insgesamt 360 L. St. unterstützt. Im vergangenen Jahr sind in demselben Zeitraum 188 Fälle mit 160 L. St. gebucht morden. Nach den Feiertagen sind wieder 200 Gesuche um Unterstützung zur Heimreise bei der Kommission eingelaufen, 75 davon kamen von rumänischen Auswanderern, die übrigen von Russen und Polen. Bei den großen Geldsorgen der Armenkommission — am 1. Juli betrug ihr Defizit 2300 L. St. — muß jetzt bei diesen Reiseunterstützungen die größte Vorsicht walten; man muß die Leute näher ansehen und die Wahrheit ihrer Angaben prüfen. In der Zeit vom 1. Januar bis 30. September er. beliefen sich die Einnahmen der Armenkommissiou auf rund 11 500 L. St. gegen 10 027 L. St. im Vorjahr; die Ausgaben in direkten Unterstützungen auf rund 11 029 L. St. gegen 8998 L. St.^.i^ Vorjahr. Die Verwaltungskosten betrugen 2226 L. St. gegen 2122 im Vorjahr. Mit den Defiziten der letzten drei Jahre ist die Unterbilanz der Armenkommission auf 4000 L. St. gestiegen. Die regelmäßigen Beiträge der Gemeindemitglieder sind so niedrig, daß unmöglich damit gewirtschaftet werden kann. Die Schenkungen sind oft sehr bedeutend, doch müssen notwendig Einrichtungen getroffen werden, die regelmäßigen Einkünfte der Armenkommission um jährlich 1500—2000 L. St. zu erhöhen. Ist das nicht zu erreichen, so müssen die Unterstützungen bedeutend eingeschränkt werden. Die I. C. A. hat zweimal 500 L. St. als Beihilfe für die rumänischen Auswanderer beigesteuert, und kürzlich hat der Vorsitzende der Armenkommission 1000 L. St. durch private Sammlung aufgebracht. London, 29. Oktober. (Ernennung.) Major Matthew Nathan ist von der Königin zum Nachfolger von Sir Frederic Mitchell Hodgson als Gouverneur der Goldküste ernannt worden. Major Nathan, der erste englische Jude, der eine so bedeutende Stellung im Kolonialdienst einnimmt, hat während des letzten Jahres seinen beurlaubten Vorgänger auf diesem Posten vertreten und hat seines Amtes mit so großem Geschick und gutem Erfolg gewaltet, daß nunmehr seine definitive Anstellung erfolgt ist. Major Nathan ist erst 39 Jahre alt. Nach Beendigung seiner Studien an der Militärakademie i in Woolwich ist er in das Königliche Jngenieurkorps eingetreten. Er diente in Egypten während der Nilexpedition, war leitender Ingenieur in Sierra Leone, als dort eine englische Kohlenstation errichtet wurde, und beteiligte sich 1889 an der Luschai-Expedition. Bis zum vergangenen Jahr war Major Nathan Sekretär der Kolonial - Verteidigungs - Kommission.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.