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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · p. Seite 698

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
44 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
Seite 698 (sequence 14)
Language
German
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Seite 698 Israelitische Wochenschrift. Nr. 44. Während seines Aufenthalts in England war er ein überaus thätiges Mitglied der Anglo-Jewish Association, er gehörte ihrem Vorstand, der Baukommission und der Exekutivkommisston an. Einer seiner Brüder, Major F. L. Nathan, ist Vorsteher der königlichen Pulverfabriken in Waltham Abbey; ein anderer Bruder, Nathaniel Nathan, ist Kolonialrichter. Manchester, 26. Oktober. (Gastpr'edigt.) Am letzten Sabbat hat der orthodoxe Londoner Rabbiner S. Singer in unserer Reformsynagoge, deren erster Rabbiner L. S. Simmons vor einiger Zeit gestorben ist, den Gottesdienst geleitet und eine Gastpredigt gehalten. Vertreter sämtlicher hiesigen Gemeinden der verschiedensten Richtung haben dem Gottesdienst beigewohnt und sich sehr anerkennend über das Geschick und den Takt ausgesprochen, den Dr. Singer vor einer Gemeinde bewiesen, deren religiöse Richtung und deren Synagogengebräuche ganz von den ihm gewohnten abweichen. Seines Heimgegangenen Freundes Dr. Simmons gedachte der Redner in bewegten herzlichen Worten. Eine Konzession hat Rabbiner Dr. Singer der Reformgemeinde gemacht, indem er die Haftarah in englischer Sprache vortrug. Liverpool, 26. Oktober. (Einweihung.) Ein neues von der David Lewis-Stiftung errichtetes Wohlfahrtsinstitut ist in der letzten Woche hier eingeweiht worden. Es ist ein Kinderheim, für das ein älteres aber für den Zweck besonders geeignetes Haus mit etwas umliegendem Land von den Erben und Testamentsexekutoren angekauft worden ist. Der vor ewigen Jahren verstorbene David Lewis hatte sein ganzes beträchtliches Vermögen seinen beiden damals in Australien lebenden Neffen Benn W. Lewy und George Cohen zur freien Verfügung hinterlassen, und die beiden Erben, von denen Benn W. Lewy seitdem nach England verzogen ist, haben die gesamte Hinterlassenschaft zu einer den Namen des verstorbenen Onkels verewigenden Stiftung gemacht, die für die beiden Städte London und Manchester fortgesetzt Wohlfahrtseinrichtungen zu schaffen bestimmt ist. Petersburg, 26. Oktober. (Jüdische Arbeiterwohnungen.) Die Gesellschaft zum Bau billiger Arbeiterwohnungen für russische Juden hat unter dem Vorsitz des Baron Horaee Günzburg ihre erste Generalversammlung abgehalten. Nach Entgegennahme der Mitteilung, daß das erforderte Kapital bei der Kaiserlichen Bank deponiert worden ist, wurde ein aus den Herren Lazar I. Brodsky, I. A. Wawelberg, Baron Horaee Günzburg, D. S. Poliakoff und Anderen Petersburger Gemeindemitgliedern gebildeter Ausschuß gewählt, der die praktische Durchführung der Zwecke des Vereins in die Hand nehmen soll. Das in Wilna bereits fertiggestellte Musterhaus mit 216 Arbeiterwohnungen wird von der Gesellschaft übernommen. Von diesen Wohnungen ist erst der vierte Teil vermietet, meist an Arbeitsleute, Tagelöhner, Kleinhändler, Setzer und Steinträger. Nikolajeff, 21. Oktober. (Senatsentscheidung.) Vor zwei Jahren war der jüdische Arzt Dr. Schulmeister am hiesigen städtischen Krankenhaus angestellt worden. Einige judenfeindliche Stadträte behaupteten, daß diese Anstellung gegen das Gesetz verstoße, nach dem jüdische Beamte im städtischen Verwaltungsdienst nicht angestellt werden dürfen und setzten bei der Krankenhausverwaltung die Entlassung des Dr. Schulmeister durch. Auf eine beim Senat eingebrachte Beschwerde erfolgte der Bescheid, daß jüdische Aerzte innerhalb des Ansiedlungsgebietes bei staatlichen und städtischen Instituten angestellt werden dürfen und daß Dr. Schulmeister wieder in seine Stellung eingesetzt werden solle. Gibraltar, 25. Oktober. (Jubiläum.) Das hundertjährige Bestehen der Nefusot Jehuda-Synagoge ist hier vor einigen Tagen in einem festlichen Dankgottesdienst gefeiert worden. Das von Andächtigen dicht gefüllte Gotteshaus war mit frischen Blumen geschmackvoll ausgeschmückt, der Oberlehrer der jüdischen Schule I. Kossick hatte verschiedene Festgesänge einstudiert und mit gutem Erfolg dirigiert. Nach Schluß des Gottesdienstes wurde die englische Nationalhymne in hebräischer Sprache gesungen. Konstantinopel, 28. Oktober. (Die Abgebrannten.) Das zur Unterstützung der abgebrannten Juden wirkende Hilfskomite hat bereits von verschiedenen Seiten Zuwendungen bekommen und hat auch kürzlich durch ein Wohlthätigkeitskonzert eine namhafte Summe für ihren Zweck eingenommen, doch hat noch nicht viel für die Aermsten gethan werden können. Das Hilfskomite versieht täglich mehrere hundert Personen mit Nahrung, doch mit dem Obdach sieht es noch schlimm aus. Für ungefähr 30 Familien hat auf Antrag des Komites die Regierung ein dem Staat gehörendes leeres Haus hergegeben; andere Familien wohnen in der Camondo-Schule und in leeren Häusern, kampieren unter den Trümmern der abgebrannten Synagoge oder vollständig im Freien. Die Regierung hat erst vier Mal Nahrungsmittel an die Abgebrannten verteilen lassen. ~ — »r Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der Großindustrielle Hermann Grab in Prag, Ritter der Eisernen Krone und Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde, ist gestorben. — Der jüdische Kaufmann Abraham Bergel in Marseille ist zum Kommandeur des spanischen Ordens Jsabellas der Katholischen ernannt worden. — Der schwedische Generalvertreter bei der Pariser Ausstellung Arthur Thiel hat den Grad eines Kommandeurs der Ehrenlegion erhalten. — Die Alliance Jsraolite hat in Marokko eine Knaben- und eine Mädchenschule und in Liberias eine Mädchenschule eröffnet; in Liberias bestand eine jüdische Knabenschule schon seit längerer Zeit. — Der Rabbiner der Holy Law-Gemeinde in Manchester, Aba Reines-Cohen, ist nach langer Krankheit gestorben. Er war ein großer jüdischer Gelehrter und Schüler des bekannten Kownoer Rabbi Jizchock Elchanan, von dem er auch das Rabbinerdiplom erhalten hatte. —» Der bisher in Gehrden angestellte Lehrer Adolf Ginsberg ist von der Kgl. Regierung zu Coblenz nach Dierdorf berufen worden. — Graf Raphael Cahend'Anvers in Paris hat bei einer Automobilfahrt durch einen Sturz seines Wagens den Tod gefunden. Der Verstorbene war 55 Jahre alt. — Die Semstwo (Adelsversammlung) in Orgeieff in Bessarabien hat 306 Rubel für die in jener Stadt begründete jüdische Musterfarm gezeichnet. ' Vakanzen. Pudewitz. K., Sch., Koreh, 1500 M, Geh. und fr. W. Meld. an Hermann Licht. — Frankenstein i. Schl. Rel -L., K., Sch., 1000 M. Geh., 250 M. Rebeneink., fr. W. Meld. an Vorst. - Ettelbruck (Luxemburg). K. und Sch., 800 M.

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