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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · p. Seite 694

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
44 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
Seite 694 (sequence 10)
Language
German
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Seite 694. Israelitische Wochenschrift. Nr. 44. die einen Ausgleich der Mittel anbahnte, fehlt es uns. Der Staat hat sie nicht geschaffen, und es ist fraglich, ob er uns gestatten würde, das zu thun, was er nicht veranlaßt hat. Die Gemeinden, die ihre eigene Dauer ins Ungewisse gerückt sehen, scheuen sich vor dauernder Anstellung der Rabbinen, die ihnen die Verpflichtung der Pensionierung auferlegen würde. Unter diesen Verhältnissen muß der Rabbinerstand leiden und in unausweichlicher Folgewirkung die Judenheit selbst. Wir sind es uns schuldig, für unsere Rabbinen und für ihre Hinterbliebenen zu sorgen. Wir erfüllen nur eine Pflicht der Dankbarkeit, der Würdigkeit und gerechter Selbstsucht, wenn wir Veranstaltungen treffen, die den schweren Vorwurf von uns nehmen, daß wir unsere Meister und Lehrer, die Hüter unserer höchsten ideellen Schätze, durch materielle Beeinträchtigung nicht zu der äußeren Freiheit kommen lassen, deren Mangel ihr Wirken notwendig hemmt. Hier ist schon viel versäumt worden, zu unserer Gemeinschaft schwerem Schaden und, wir müssen es bekennen, zu ihrer Unehre. Wir haben das Recht, zu verlangen, daß unsere Rabbinen überall Achtung genießen. Doch wir selbst müssen vorangehen, ihnen Achtung zu erweisen. Wir müssen sie stcherflellen gegenüber den gemeinen Sorgen des Lebens, denn wir verlangen von ihnen auch das Opfer des Lebens, daß sie mit der Fürsorge für unsere Heiligtümer ihr Leben erfüllen. Wir dürfen nicht dulden, daß unsere Rabbiner, die doch in der Regel kein -eigenes Vermögen haben, den Tod fürchten müssen, weil er für Frau und Kinder den Heimfall an die öffentliche Mildthätigkeit bedeutet. Unsere Rabbiner sollen mutige Männer sein, und an uns ist es, dafür zu sorgen, daß die Not des Lebens sie nicht mutlos mache. Es geht nicht an, zu warten, bis der Staat nachholt, was er durch lange Jahrzehnte versäumt hat und trotz aller Mahnungen zu versäumen fortfährt. Schon zu viel ist gezögert worden, schon zu großer Schaden ist angerichtet. Herr Rabbiner Dr. Maybaum hat das Verdienst, einen ersten ernstlichen Versuch zur Beseitigung des Uebels unternommen zu haben. Er will zunächst eine Penstons- und Relietenkasse für die Rabbinen in Preußen ins Leben rufen. Die Beschränkung auf Preußen rechtfertigt sich dadurch, daß anderwärts, namentlich im Süden Deutschlands, durch staatliche Veranstaltung die notwendigste Fürsorge geleistet wird. Er will den Rabbinen in Preußen gewähren, was eigentlich ein natürlicher Anspruch aller in öffentlichen Diensten stehenden Personen ist: eine Pension im Alter für sie selbst, nach ihrem Tod eine Pension für die Hinterbliebenen. Die Beteiligten, denen die Fürsorge gilt, werden gewiß nach ihrem Vermögen Beiträge leisten. Doch diese Leistungen können nicht genügend sein, wenn man nicht die Grausamkeit haben will, die älteren Rabbinen von der Nutznießung auszu- ' schließen und bei alledem die Pensionen so niedrig zu halten, daß ihre Gewährung nur eine grelle Beleuchtung ihrer namenlosen Dürftigkeit wäre. Die Reichen in Israel haben es vordem für den schönsten Gewinn ihres Reichtums gehalten, daß er ihnen gestattete, die Gelehrten und Frommen in Israel der materiellen Sorgen zu überheben. Diese Gesinnung kann nicht ganz verschwunden sein, sie kann höchstens schlummern und wird sich nicht als unerwecklich erweisen. Die Reichen in Israel mögen mit reichen Spenden herantreten, damit die Pensions- und Relietenkasse reich genug dotiert werden könne, um den Rabbinen in Preußen allen, ohne ihre Ueberbürdung und ohne Ausschließung der Gealterten unter ihnen, die Sicherheit einer bescheidenen Pension für sich und später für ihre Hinterbliebenen zu gewä ren. Der Anfang ist gemacht. Herr James Simon in Berlin ist der erste Beitragende, er hat Herrn Rabbiner Dr. Maybaum für die Pensions- und Relictenkaffen den Betrag von 5000 Mark zur Verfügung gestellt. — Auch von anderer Seite find Beiträge gekommen, in wenigen Tagen 24 000 Mark. Ueber die Eingänge wird in diesem Blatt allwöchentlich berichtet werden. * Mögen die anderen Reichen in Israel dem gegebenen Beispiel folgen! Möge keiner sich fürchten, durch größere Gabe den Darreicher der kleineren Spende zu beschämen. Wer solche Besorgnis hegt, darf ungenannt beitragen. Der Reichen unter uns sind so viele, und die Zahl der Wohlthätigen ist so gering! Vielleicht hat ihnen nur der würdige Anlaß gefehlt, ihres Herzens Drang zu folgen. Hier ist der würdigste Anlaß. Ihr Reichen in Israel, kommt und gebt! Bericht an die deutschen Mskumtetz— über die Notlage der Rumänischen ^uden rrnö öie seitherige Kil'fe. Vor vier Monaten haben wir zum ersten Mal unsere Freunde zur Linderung der Not unserer unglücklichen Glaubensgenossen in Rumänien aufgerufen. Seither sind die Verhältnisse nicht besser geworden. Bekanntlich hat zwar der Regierungswechsel einen humanen nach Gerechtigkeit strebenden Mann, Herrn Carp, an die Spitze des rumänischen Ministeriums gebracht, ihm zur Seite stehen einige Gleichgesinnte. Allein das System, welches in Rumänien herrscht, zu ändern, Menschlichkeit und Gerechtigkeit walten zu lassen, die unsägliche Unbill, den Jahrzehnte dauernden Rechtsbruch gegenüber der jüdischen Bevölkerung Rumäniens gut zu machen, dazu fühlt sich offenbar das Ministerium außer Stande. Kleine Mittel, gewissermaßen winzige Abschlagszahlungen, sucht man anzuwenden, um das Vertrauen Europas zu den guten Absichten des rumänischen Staats wieder zu gewinnen, was ja namentlich für die Regelung der rumänischen Finanzen von der größten Bedeutung ist. Das System aber ist dasselbe geblieben. Was nutzt es, wenn jetzt endlich den jüdischen Gemeinden Korporationsrechte verliehen werden, was nutzt es, daß der Minister seinen Präfekten anempfiehlt, in der Befolgung des Verbots gegen Niederlassungen Fremder auf dem Lande nachsichtig zu sein? Dem Grundübel ist doch damit nicht abgeholfen, daß außer den paar naturalisierten Juden die übrigen rechtlos, der Willkür jedes einzelnen Gensdarmen ausgesetzt, von den Gesetzen alsParias

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