Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 39 (28.9.1900)
- Date
- 1900-09-28
- Page
- Seite 615 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39. Israelitische Wochenschrift. Seite 615. Festakt, wobei Herr Rabbiner Dr. Carlebach eine schwungvolle kurze Rede hielt. Hamburgs 21. September. (Tod zweier Rabbinen.) Wenige Stunden nach einander sind die beiden Klaus-Rabbiner G. Schlesinger und M. Frieden zur ewigen Ruhe eingegangen. Rabbiner Schlesinger, der seit 1844 an der Klause fungierte, ist 85 Jahre alt geworden; Rabbiner Frieden gehörte dem Institut seit 1873 an und hat ein Alter von 69 Jahren erreicht. In der zur Klause gehörigen Vorhalle fand am Sonntag vor zahlreichem Trauergefolge die Totenfeier für die beiden Lehrer der Anstalt statt. Oberrabbiner Dr. Hirsch rühmte in seiner Ansprache die Gelehrsamkeit und die treuen Dienste der Dahingeschiedenen und gab dem Bedauern der Gemeinde über ihren Verlust beredten Ausdruck. Die beiden Rabbinen wurden nebeneinander in der Ehrenreihe des Friedhofs zu Langenfelde beigesetzt. Budapest, 23. September. (Einweihung des Altofner Tempels.) Vertreter sämtlicher in Altofen ansässiger Konfessionen wohnten der Einweihung des glänzend restaurierten Altofner Tempels bei, die in voriger Woche unter üblichem Ceremonieü erfolgte. Der Einweihung ging eine Festsitzung der Repräsentanz der Altofner Kultusgemeinde voran. Der verdienstvolle Gemeindepräses Samuel Ehrlich eröffnete die Sitzung mit einer längeren Rede, in der er die Geschickte des Altosner Tempels skizzierte und allen, die zur Deckung der Restaurierungskosten beitrugen, * Dank votierte. Nach der Sitzung begaben sich die Herren in den Tempel, wo um vier Uhr die Einweihung^ eeremonie ihren Anfang nahm. Eine festlich gekleidete Menge nahm im Tempel Platz, dessen der Ludwigsgasse zugewendete Faeade mit Trikoloren reich dekoriert, dessen Hofraum in einen Palmengarten umgewandelt war. Die vorderen Bankreihen waren für die geladenen Gäste reserviert. Der Einladung der Kultusgemeinde hatten die Meisten Folge geleistet. Es waren erschienen der Neustifter röm.-kath. Pfarrer Dr. Adam Ott, der res. Pastor Meßaros, die, Rabbiner Dr. Ludwig Pollak (in Vertretung des Pester Rabbinats) und Dr. Ludwig Venetianer (Neupest). Außerdem waren mehrere delegierte Offiziere der Garnison anwesend. Die Hauptstadt war durch Bürgermeister-Stellvertreter R6szavölgyi und Baudirektor Heuffel vertreten. Es hatten zugleich die Pester und Neupester israelitischen Kultusgemeinden Vertreter entsendet. Seitens des hauptstädtischen Munieipalausschusses erschienen die Stadtrepräsentanten Rudolf Palotai, Dr. Reiß, Alexander Schubert u. v. A. Nachdem Gemeindepräscs Ehrlich in der Vorhalle dem Bürgermeister-Stellvertreter Roszavölgyi für die Munifieenz der Hauptstadt gedankt hatte, erklärte dieser, daß die Hauptstadt mit Freude ihr Möglichstes dazu beigetragen habe, damit das Altofner Gotteshaus in neuem Glanz prange. Mit dem Einzug der Vornehmsten der israelitischen Kultusgemeinde in das Innere des Tempels nahm die Einweihungsseierlichkeit ihren Anfang. Den Zug eröffnete ein Mitglied des Arrangierungskomites, das einen blumengeschmückten, siebenarmigen silbernen Leuchter trug, sodann folgte Oberrabbiner Dr. Adler, nachher 38 Mitglieder der Kultusgemeinde, von denen jedes einzelne eine Thorarolle trug. Oberrabbiner Dr. Adler zündete das ewige Licht an, worauf er die Kanzel bestieg. In anderthalbstündiger, gedankenreicher Rede betonte der Rabbiner, daß das Judentum trotz der seit vielen Jahrhunderten andauernden Feindseligkeiten keinen Augenblick vergessen habe, daß das höchste menschliche Gebot die Nächstenliebe ist. „Die jüdische Religion ist die Religion der Liebe zur gesamten Menschheit. Und sollten welche Stürme immer gegen die Bekenner der Lehre Moses toben, das Judentum wird selbst seinen ärgsten Feinden verzeihen, sie niemals hassen." Zugleich erörterte Redner auf Grund historischer Beweise, daß in den Zeiten der Drangsal und der Not nur das religiöse Gefühl Beruhigung und Trost verleihen konnte. Der Tempel war stets das Asyl gegen Haß und Verfolgung. Mit der Mahnung, die Religion nicht zu verlassen, und einem Gebet schloß Redner seine andächtig angehörte Predigt. Nachdem der Tempelchor den „Hymnus" gesungen, hatte die Einweihung des Tempels ihr Ende gefunden. London, 23. September. (Jüdische Parlamentsmitglieder.) Von den jüdischen Parlamentsmitgliedern, die dem jetzt aufgelösten Unterhaus angehört haben, werden die Herren Sir Samuel Montagu und H. I. Marks keine Wahl mehr annehmen; die übrigen acht Abgeordneten: B. L. Cohen, Hauptmann H. M. Jessel, S. F. Mendl, Walter Rothschild, Harry S. Samuel, Sir Edward Sassoon, Louis Sinclair und Arthur Strauß werden in ihren bisherigen Wahlkreisen wieder als Kandidaten aufgestellt. Neun weitere jüdische Kandidaten sind für bisher anderweitig vertretene Wahlkreise in Aussicht genommen; sieben von ihnen gehören der liberalen, zwei der konservativen Partei an. Von den acht bisherigen jüdischen Unterhausmitgliedern sind sieben konservativ oder unionistisch und einer liberal. Der Sekretär der Londoner jüdischen Gemeinde hat an die Wahlkommission ein Schreiben mit der Bitte gerichtet, für solche Wahlkreise, in denen jüdische Wähler in Betracht kommen, die Parlamentswahlen .nicht für den 3. Oktober, den Versöhnungstag, und für den 8. und 9. Oktober anzusetzen, da die Juden an diesen Festtagen weder schreiben noch fahren dürfen und demgemäß in vielen Fällen ihr Wahlrecht nicht würden ausüben können. Bei den allgemeinen Wahlen in den Jahren 1880 und 1885 ist im gleichen Fall auf Ersuchen des Vorstands der Londoner jüdischen Gemeinde die gleiche Rücksichtnahme gewährt worden. — Ein Schreiben ähnlichen Inhalts hat der Chief-Rabbi von England Dr. Adler an die „Times" geschickt. London, 23. September.^ (Hoher Besuch.) „Der Prinz von Wales hat sich nach Schottland auf die,Besitzungen des Sir Edward Sassoon begeben, den er durch seine Freundschaft auszeichnet. London, 21. September. (Jüdisches Rekonvaleszentenheim.) Bei der im Dezember 1898 erfolgten Eröffnung des Baronin Hirsch-Rekonvaleszentenheims war es allgemein bedauert worden, daß nach den Statuten des Heims nur Erwachsene ausgenommen werden durften, und daß dadurch erholungsbedürftigen Kindern die Wohlthat fürsorglicher Pflege während der Rekonvaleszenz nicht zugänglich war. Diese Lücke ist sitzt durch den hochherzigen Gemeinsinn von Herrn und Frau H. L. Bischoffsheim ausgesullt worden, die auf eigene Kosten einen Flügel an das jüdische Rekonvaleszentenheim haben anbauen und einrichten lassen, der aus-