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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · p. Seite 586

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
37 (14.9.1900)
Date
1900-09-14
Page
Seite 586 (sequence 14)
Language
German
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Seite 586. Israelitische Wochenschrift. Nr. 37. an N. G. Cohn. — Vegesack. Sem. geb. orthod. Rel.-L., K., Sch., (verh.), 1360 M. Geh., 200 M. Nebeneink. Meld. an H. D. Herz. — Hegenheim, Ober-Els. Gepr. El.-L., K., Sch. (ledig), 1200 M. Geh., 300 M. Schächtgeb., fr. W. Meld. an Moritz Nordmann. — Schmalkalden. Vorb. für hohe Feiert. Meld. an Joseph Müller. — Neuwedell. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Geh. Meld. an G. Casparius. — Langenschwalbach, Kreis Untertaunus. Rel.-L., K., Sch., 1000 M. Anfangsgeh., fr. W. Meld. an Emanuel Hamburger. — Mußbach, Pfalz. Vorb. f. Jomk. Meld. an Wilhelm Reiß. — Godesberg a. Rh. Rel., Vorb. (ledig) 1000 M. Geh. Meld. an D. Levy. — Sprendlingen, Rheinhessen. Hilfsk. für hohe Feiert. Meld. an Ludwig Schloß. — Egelsbach bei Frankfurt a. M. Rel.-L., K., Sch., 600 M. Geh., fr. W. Meld. an Laz. Simon. — Wind ecken. Lehrer, K., Sch., 600 M. Geh., fr. W. Meld. an Vorst. Hirsch in Hanau. Feuilleton. Das „Schektt-Wul". Von C. Berg. (Fortsetzung.) „Charmant!" Der Referendar zählte kaum vierundzwanzig Jahre; er war stolz, Christinen Ritterdienste zu weihen, nur hätte er seine schöne Gefährtin in freundlicherer Stimmung gewünscht. Er war just noch kein tiefer Kenner der Weibesseele, dennoch wußte er von Mutter und Schwester, daß das heilsamste Mittel für Frauenunmut sei, sich den Aerger vom Herzen zu reden. Neigte Christine dazu, ihren Groll schweigsam in sich zu verschließen? Er sondierte behutsam: „Gnädige Frau, darf ich indiskret sein?" „Fragen Sie! Nur zu!" „Warum nehmen Sie so hervorragenden Anteil an dem Schicksal des Wasserträgers? Es kann unmöglich das alltägige Mitleid mit einem Angeklagten sein; denn Sie, eine Richtersfrau, sind an dergleichen Auftritte, wie der heutige, gewöhnt. Warum verpflichten Sie sich so eifrig für die Unschuld jenes Mannes, da doch Ihr Gemahl infolge gewisser augenfälliger Lügen und Widersprüche des Perez Grund genug hat, ihn für schwer belastet zu halten!" „So!" Ihr Ton war eisig. „Ich menge mich sonst nie in die Berufsgeschäfte meines Mannes. Es ist dies ein Glück für uns beide, ich könnte vielleicht nach der Erfahrung dieses Tages an der Unparteilichkeit und dem Wert des Urteils Ihres Chefs zweifeln lernen." „Tausend, das klingt bös! Aber erlauben Sie, daß ich meinem Chef assistiere! Wenn Perez nicht der Urheber selbst ist, sicher halte ich ihn für den Mitschuldigen und Begünstiger jenes Verbrechens." „Schweigen Sie!" fast brutal preßte Christine ihre Hand auf Philipps Mund, „schweigen Sie! Wollen Sie einen Unglücklichen noch tiefer stürzen?" Sie blickte sich scheu um; hinter ihnen, vor ihnen, auf Bänken, in den Hausthüren saßen und standen Zladno's Bürger und Bürgerinnen, müßig, schwatzend, strickend, aber ausnahmslos mit der dummdreisten Verwunderung der Kleinstädter das seltsame Paar anstarrend. „Gehen wir schneller!" flüsterte die junge Frau, „in fünf Minuten können wir den Riegner'schen Park erreichen. Diese Leute hier schnappen nach jedem Wort aus Ihrem und meinem Mund, wie die Frösche nach den Fliegen. Gott sei Dank! Hier sind wir ungestört . . ." Sie führte ihn durch eine stattliche Birkenallee eine geringe Anhöhe hinauf nach einer Moosbank, die zu Füßen einer prächtigen alten Blutbuche errichtet war. An dem knorrigen, breiten Stamm des Baumes hatten fromme Hände ein Marienbild gehängt, und der Besitzer des Parkes hatte eine kleine Lampe davor angebracht, welche allabendlich das fein gemalte Bildchen, Baum und Bank, wie einen Teil des Weges mäßig erhellte. Christine schien das Plätzchen zu lieben; aufatmend setzte sie sich und lud Philipp an ihre Seite. „Man kann von diesem Punkt aus am Besten gewahren, ob uns Lauscher nachspüren. Frieren Sie, Herr Referendar?" „In Ihrer Nähe, gnädige Frau?" „Schön, machen Sie mir immerhin ein wenig den Hof, das wird Sie um so schneller als meinen Bundesgenossen gewinnen." Er wollte ihre Hand küssen, sie entzog sie ihm, verschränkte die Hände mit anmutiger Geberde und sah ihm so ehrlich vertrauensvoll ins Gesicht, daß er verlegen die Augen zu Boden senkte. „Wir wollen von Perez reden." „Ich höre, gnädige Frau." „Warum ich mich für die Unschuld dieses Wasserträgers so stark interessiere? Nun, ich werde Ihnen die Wahrheit gestehen: aus Egoismus. Er war mir stets treu ergeben, dieser mißachtete Perez, treu wie der Narr dem Lear und Cordelien, und diensteifrig, wie nur je ein Sklave seiner Königin. Selbstlose Treue und Ergebenheit ist sehr selten, 'Herr Hirschthal, und darum hochzuschätzen, selbst bei der Geringsten Einem. Ich will gar nicht davon sprechen, daß ich seinem geschickten Botendienst all' mein heutiges Glück verdanke, ließ ich doch seinerzeit durch den verschmitzten Burschen meinem Heinrich das Gewahrsam verraten, in welchem mich der Zorn meines Vaters versteckt hielt . . . Mein Mann" — sie lachte — „trotz aller Schlauheit, deren er sich rühmt, hätte mich niemals gefunden. Perez ist auch der treueste Freund meines Sohnes, sein gefälligster Spielkamerad, sein Wächter, ja, ein besserer Erzieher, als die Eltern des kleinen Schlingels. Was wir mit Schelten und Schlägen nicht erreichen, das thut der Bub Perez zu Lieb auf ein gutes Wort. Kinder irren in ihrer Liebe nicht, ihr Instinkt leitet sie so viel sicherer und klüger." „Aber, sagten Sie nicht aus Egoismus?" warf Philipp ein. „Ganz recht, aus Egoismus zieh ich für Perez ins Feld. Jeder Vorwurf, der ihn trifft, fällt auf mich zurück . . ." „Unmöglich!" „Nein, leider voraussichtlich. Wiederholen Sie mir das Motiv der Anklage!" „Perez soll Julek aus Eifersucht ermordet haben, weil er mit Pelagia ein Liebesverhältnis unterhielt . . ." „Aber begreifen Sie denn nicht? Diese Beziehungen könnten sich nur in meinem Hause entwickelt haben; ich habe

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