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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · p. Seite 585

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
37 (14.9.1900)
Date
1900-09-14
Page
Seite 585 (sequence 13)
Language
German
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S:r. 37. Israelitische Wochenschrift. Seite 585. habe und nach dreistündiger Hetzjagd eingeholt und zu s Ende tolgeschlagen worden sei. Oderberg, 10. September. (Synagogen-Eiuweihung.) Die hiesige auf fünfhundert Seelen angewachsene israelitische Gemeinde weihte gestern ihre neue Synagoge ein. Ein großer Teil der Kosten ist durch Spenden aufgebracht worden. Der Landeshauptmann von Oesterr.-Schlesien, Graf Larisch, schenkte den Bauplatz. Die Stadt hatte auf Anordnung des Bürgermeisters Edler Ritter v. Portenschlag Fahnenschmuck angelegt. Der Feier wohnten die Staatsbehörden bei. Die Woihepredigt hielt Dr. Spiro aus Mährisch Ostrau. An dem Bankett nahmen die Staatsbeamten, die katholische Geistlichkeit, die Vertreter der deutschen und österreichischen Staatsbahnen teil. Die Vertreter aller Behörden wetteiferten in ihren Toasten in den Versicherungen, daß sie alles daran setzen werden, daß der Friede der Konfessionen gewahrt bleibe und kein Mißton des Hasses je an diesem Platz geduldet werden solle. Großen Beifall erregte auch ein von Menschenliebe erfülltes Glückwunschschreiben des Reichsratabgeordneten Superintendenten Dr. Theodor Haase in Teschen. Straßburg i. E., 9. September. (Bekehrung.) In der „Straßburger Post" schreibt ein Berichterstatter vom südafrikanischen Kriegsschauplatz: „Gegen Mittag kamen wir an einen Winkel, der von einem deutschen Juden gehalten wurde. Ich wollte Brot kaufen, aber es war nichts da, auch sonst nichts Eßbares. Als der Inhaber des Ladens jedoch entdeckte, daß ich Deutscher und noch dazu Süddeutscher war — er selbst stammte aus Nürnberg — da nötigte er mich mit meinen vier Kameraden ins Zimmer und seine liebenswürdige Frau briet für uns schnell einige Eier, kochte Kaffee und setzte uns das letzte Brot vor, das sie im Haus hatte. Vom Bezahlen wollten die Leute nichts wissen, und so nmßten wir uns begnügen, den Menschenfreunden — ihr Name war Bernheim — herzlichst zu danken. Ich bin einmal krasser Antisemit gewesen, aber ich wurde schon ums Jahr 1890 zur Zeit der Winterbälle einigermaßen bekehrt, heute trete ich freiwillig von diesem Glauben zurück." Es giebt „krasse Antisemiten" genug, die nicht wissen, was sie thun, und die ihre Krankheit, selbst nach deren Ueberwindung, einen „Glauben" nennen, weil sie eben keine Erklärung für die Umnebelung haben, in der sie besangen gewesen. Wäre die Heimatliebe bei allen Deutschen stets so groß gewesen, wie allezeit bei den deutschen Juden, die Stellung des Deutschtums in der Welt wäre eine bessere, als sie ist. London, 7. September. (Missionsdericht.) Der Bericht der Londoner Missionsgesellschaft ist dieser Tage in einem hiesigen Wochenblatt erschienen. Die Gesellschaft hat sieben Missionsgebiete, die im letzten Berichtsjahr das Sümmchen von 171 903 L. St. verbraucht haben. In Canton in China unterhält die Gesellschaft 5 Missionen mit 6 Stationen, die erste ist vor 93 Jahren errichtet worden. Da die dortige Kirche 253 Mitglieder zählt, so ist durchschnittlich von jeder Station in je drei Jahren seit ihrem Bestehen ein Chinese getauft worden, ein recht merkwürdig dürftiges Resultat. In Indien konvertiert die Gesellschaft in 572 Jahren einen Heiden pro Station und giebt dafür die Kleinigkeit von! 57 095 L. St. jährlich aus. Im Matabeleland teilen sich 1 sechs Missionen in 51 Konvertiten, und in Centralafrika haben neun Missionen 39 Seelen gewonnen. Wie teuer die Missionen eine jüdische Seele bezahlen, ist schon oft nachgerechnet worden. Merkwürdig ist der Mangel an Originalität bei den Missionären; dieselbe Methode, die in London zur Bekehrung eines Juden angewendet wird, muß auch bei den Chinesen und Indiern Vorhalten: man gewinnt die Seele durch den Körper. Auch die nichtjüdische Presse — so das Wochenblatt, dem die obenstehenden Ziffern entnommen sind — macht wiederholt auf die verhältnismäßige Erfolglosigkeit der christlichen Missionen aufmerksam. In den heidnischen Ländern erwecken sie vielfach den Haß der Eingeborenen gegen die Europäer überhaupt, und in Europa, wo die Judenmission ihre einzige Thätigkeit bildet, schüren sie die Gegensätze zwischen den Konfessionen und führen eine für das Gemeinwohl schädliche Entfremdung herbei. London, 9. September. (Diamantene Hochzeit.) Vor einigen Tagen ist im Joel Emauuel-Armenhaus die diamantene Hochzeit der Insassen Herr und Frau John Jakobs festlich begangen worden. Unter Führung eines der Vorsteher des Instituts, Laurie Magnus beglückwünschten die Hausgenossen das Jubelpaar und überreichten Herrn Jakobs eine goldene Kette und seiner Frau einen goldenen Ring. In seiner Ansprache erwähnte Herr Magnus, daß seine Mutter, Lady Magnus, und sein Onkel Barrow Emanuel — deren Familie das Armenhaus gestiftet — sehr bedauerten, ihre Glückwünsche nicht persönlich aussprechen zu können. Im Auftrag der jüdischen Gemeinde war ihr Sekretär Stephany erschienen, der Chies-Rabbi Dr. Adler hatte einen herzlichen Gratulationsbrief geschrieben, der am Samstag in der Synagoge des Armenhauses öffentlich verlesen wurde. Der Jubelbräutigam war von allen ihm und seiner Frau erwiesenen Aufmerksamkeiten so gerührt, daß er seinen Dank kaum aussprechen konnte. Die Wohnung des Jubelpaars und die Synagoge waren zur Feier des Tages reich mit Blumen geschmückt. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der vor einiger Zeit in London verstorbene Kaufmann Jacob Feis, Senior der gleichnamigen Firma, hat in seinem Testament erhebliche Summen für Wohlfahrtszwecke hinterlaffen. Die jüdische Armenkommission in London erhält 2000 L. St.; zu Händen des Bürgermeisters von Deidesheim in der Rheinpfalz kommen 1000 L. St. deren Zinsen zur Unterstützung eines in dieser Stadt geborenen Studenten der Medizin, Jura oder technischen Wissenschaften verwendet werden sollen. 600 L. St. soll ein Prager Institut zur Unterstützung von kranken und bedürftigen Handschuhmachern bekommen und 600 L. St. an solche Angestellte des Erblassers verteilt werden, die mindestens 5 Jahre in seinem Haus gearbeitet haben. Der nach Abzug aller Legate auf ungefähr 14 000 L. St. geschätzte Rest des Vermögens soll nach von der Witwe zu treffenden näheren Bestimmungen englischen Hospitälern und ähnlichen Wohlfahrtseinrichtungen zugeführt werden. Vakanzen. Bingen a. Rh. Rabbiner. Meld. an Dr. Schilling. — Straßburg i. Elf. Oberlehrer an Rel.-Sch., 3000 M. Geh., 1500 M. Staatszusch. Meld. an Synagogenkommission. — Sinzig. Lehrer u. K., 900 M. Anfangsgeh. Meld. an A. Hirsch. — Könitz. Vorb. für hohe Feiert. Meld.

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