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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · p. Seite 570

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
36 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
Seite 570 (sequence 14)
Language
German
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Seite 570. Israelitische Wochenschrift. Nr. 36. Perez gehorchte willenlos. An der Thür wandte er sich noch einmal um; seine irrenden Augen suchten einen Trost und blieben schließlich aus Philipp-Z Antlitz haften. Philipp hätte dem Unglücklichen gern ein freundliches Wort gesagt, aber zu hoch stand ihm die Subordination und Achtung vor dem Vorgesetzten, er wagte es nicht. Da ging die Thür zum Speisezimmer auf, Frau Christine erschien auf der Schwelle und lächelte Perez freundlich zu. „Adieu Perez, gehen Sie getrost," sagte sie sanft, „ich werde Ihrer Mutter Ihre Grüße bringen/' Laut ausweinend wankte Perez hinaus, gefolgt von dem Gendarmen. Es litt den Bürgermeister nicht länger in dem Raum; er mußte hinaus: nur durch seinen Mund sollte Zladno die große Neuigkeit erfahren; am liebsten hätte er Tilmann, der mit vielen Kratzfüßen gleichfalls sich davon machte, einen Eid auf unverbrüchliches Schweigen abgenommen. * Allein mit ihrem Gatten und Philipp war es mit Christinens Zurückhaltung zu Ende. „Da habt Ihr etwas Schönes angesteüt!" begann sie ohne Scheu und blickte vorwurfsvoll zürnend auf den Amtsrichter wie den Referendar. „Redet dem armen Juden so lange ein Verbrechen an den Hals, bis er selber glaubt, er habe es begangen, um ihn schließlich für nichts und wieder nichts einsperren zu lassen." „Bist Du seiner Unschuld so sicher?" fragte der Amtsrichter. „Glaubst Du doch selbst nicht an seine Schuld!" rief Christine, rot vor Eifer. „Mulier taceat!" Müller schritt dröhnend im Zimmer auf und ab, warf sich dann wuchtig in einen Lehnstuhl und sah mit schier herausfordernder Ueberlegenheit auf seine Frau. „Freilich, Niemand kann über seinen Schatten springen. Du bist ein Weib, Christine, doch so weibisch und unvernünftig Hab ich Dich aCT Dein Lebtag nicht reden hören. Mit Deinem Gefühl, Deinen persönlichen Sympathien und Deiner subjektiven Meinung dünkp Du Dir alles gethan zu haben. Du besitzest nicht eine Spur von Rechtsbewußtsein und wirst niemals welches erlangen. . . . Glauben! Ein Richter hat nichts zu glauben — er hat sich über den Thatbestand zu unterrichten, hat zu prüfen und . . ." Die junge Frau hörte mit halbem Ohr. „Philipp," unterbrach sie jäh ihren Gatten, „halten Sie Perez für schuldig?" „Keineswegs für unverdächtig." „Natürlich! Sie auch! Es scheint, daß man, um Jurist zu werden, erst seinen gesunden Menschenverstand ad acta legen muß. Aber ich schwöre, daß ich die Unschuld des armen Narren an den Tag bringen werde." „Genug! Genug!" Der Amtsrichter sprang auf und klopfte seiner Frau begütigend die erhitzten Wangen. „Die Sache wird mir zu groß, gehen wir zum Abendessen über!... Don Philipp, gieb unserer angenehmen Wirtin den Arm! Und Du, Liebste, bemühe Dich, Dir eine weniger pathetische Miene abzuringen! Wir werden von jener fatalen Angelegenheit des Verdrießlichen noch zu viel erfahren ’. . ." Der Amtsrichter schritt ins Speisezimmer voran, Philipp folgte mit Christinen. Er fühlte, wie sie an seinem Arm heftig zitterte. Ce que la femme veut. Bald nach dem Abendessen erhob sich Christine; sie bitte Gast und Gemahl herzlich um Entschuldigung, sie müsse auscehen, nach der verwundeten Nelly sehen. Der Amtsrichter fragte: „He Philipp, wollen wir meine Frau begleiten?" „Danke, auf Dein Geleit verzichte ich. Dagegen wenn Herr Hirschthal mitzugehen Lust verspürt . . ." Philipp sprang dienstbeflissen auf, Müller aber lehnte sich um so behaglicher in dem großen Polsterstuhl zurück und betrachtete seine Frau mit komischer Bestürzung: „Du verurteilst mich also zur Einzelhaft?" „Ich wünschte, ich hätte zu urteilen . . . Dann solltest Du was erleben!" Der Amtsrichter seufzte: „Ich muß mir diesen achten Oktober in meinem Ehestandsmemorial notieren: es ist der erste Tag, an dem mein Weib mir ernstlich böse ist. Adieu, Philipp, ich soll Dich entbehren, aber Du weißt ja, oder vielmehr Du Glücklicher weißt nicht, ce que la femme veut!" Aus der Straße nahm Christine ohne Weiteres Hirschthals Arm, wie den eines alten Freundes: „Wir gehen zuvörderst einen andern Weg als zu Thorners." „Weit von hier?" „Zehn Minuten, eher länger als weniger." (Fortsetzung folgt.) Geschäftliche Mitteilung. Die wichtigste Aufgabe für die Hygiene des Menschen ist eine richtige vernunftgemäße Ernährung. Zu dieser gehören vor Allem die Nährsalze, wie sie in den Gemüsen, Salaten und im Obst enthalten sind. Da aber Obst und frische Gemüse gemeinhin nur in den Sommermonaten und in geringen Mengen genossen werden, haben sich hervorragende Mediziner mit dem Problem beschäftigt, wie die der Gesundheit nötigen Mineralsalze den allgemein üblichen Nahrungsmitteln künstlich beizumischen wären. Die Lösung dieser Aufgabe ist dem bekannten Hygieniker Dr. Lahmann, Besitzer der Kuranstalt Weißer Hirsch bei Dresden, gelungen. Sein Nährsalzextrakt ist den bestgeeigneten Gemüsen und Früchten entnommen; ein erbsengroßes Quantum davon genügt zur Verbesserung für einen Teller Suppe oder eine Portion Gemüse. Die ebenfalls von Dr. Lahmann präparirte vegetabile Milch ist ganz besonders dazu geeignet, an Stelle mehlhaltiger Surrogate die Säuglings- Nahrung zu verbessern und dem Kind die zu seinem Gedeihen notwendigen Teile von Pflanzenkost zuzuführen. Von besonderem Interesse dürfte es für die bildersammelnde Welt sein zu erfahren, daß die weltbekannte Chocoladenfabrik von Hartwig & Vogel in Dresden 4 neue Bilder-Serien zu je 6 Bildern in prächtiger Ausführung soeben herausgegeben hat und zwar: Serie 6: Walküre, 7: Andreas Hofer, 8: der siebenjährige Krieg, 9: Gespanne verschiedener Völker und daß, um den Wagner-Cyclus zu vervollständigen, noch folgende Serien in Aussicht genommen sind: Siegfried, Rheingold, Götterdämmerung, Meistersinger, Tristan und Isolde, Rienzi, Fliegender Holländer. Soviel uns bekannt, ist von anderer Seite auf diesem Gebiete bis jetzt noch nichts Vollständiges geboten worden. Die Bilder befinden sich in den Tafel-Chocoladen und in sämtlichen gepackten Cacaos der Firma Hartwig & Vogel und sind Albums zu den Bildern zu 1 Mk. das Stück erhältlich.

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