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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · p. Seite 568

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
36 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
Seite 568 (sequence 12)
Language
German
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Seite 568. Israelitische Wochenschrift. Nr. 36. - Pudewitz. K., Sch., BaLk., 15 M. Eink. und fr. W. Meld. an Vorst. — Jastrow, Westpr. K. u. Sch., 100 M. monatlich. Meld. an Louis Apolant. — Tangermünde. Vorb. für hohe Feiert. Meld. an Max Bernhard. — Bad Polzin. Hilfsvorb. für hohe Feiert. Meld. an W. Kamnitzer. — Nicolai, O.-Schl. Vorb. u. Sch., 1200 M. Geh., 200 M. Wohnungszusch. Meld. an Vorst. — Straßburg i. Elf. Oberlehrer an Rel.-Schule, 3000 M. Geh., 1600 M. Zusch. Meld. an Verw.-Komm. der Synagoge. — Illingen (Rheinpreußen). Hilfst, (orthod.) für hohe Feiert. Meld. an A. S. Levy. — Sprendlingen, Rheinhessen. Hilfst, für hohe Feiert. Meld. an Ludwig Schloß. — Neuwedell. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Geh. Meld. an G. Casparius. — Godesberg a. Rh. Rel.-L., K. (ledig), 1000 M. Geh- Meld. an D. Levy. — Mußbach, Pfalz. Vorb. für Jomk. Meld' an Wilh. Reiß. — Rummelsburg i. Pom. Lehrer, K., Sch., 1800 M. Eink. Meld. an H. Blau. — Rheinböllen, Hunsrück. Vorb. für hohe Feiert. Meld. an Wilhelm Michels II. Feuilleton. Da» „SdlttoÖillml“. Von C Berg. (Fortsetzung.) „Warum soll ich mich genieren? Ich bin doch kein jung' Mädchen . . . Herr Amtsrichter, verzeihn Sie, daß ich so frei bin und heraufkomm' in Ihre Wohnung und Sie stör', aber es ist gar nicht auszuhalten, was ich aussteh' von den Leuten. Ich Hab' nicht frei hergehen können durch die Stadt, ich Hab' mich gemußt hinten herumschleichen wie ein Dieb, weil sie mir auflauern, mich zu fangen, als war' ich ein wildes Tier, die schlechten Menschen. Und das alles, weil dieses, mit Verlaub, verlogene, giftige Ding, die Franja Luschek, mir ein Bilbul hat angehangen und Sachen aufbringt, die nicht gestoben und nicht geflogen find. Ich Hab' nichts gehabt mit dem Julek, Herr Amtsrichter, ich Hab' ihn nicht geschlagen, ich Hab' ihn nicht gejagt — für was soll ich einen andern Menschen schlagen, hätt' er es sich denn gefallen lassen von mir? ... Es ist alles erlogen von dieser Person, Herr Amtsrichter, ich red' die Wahrheit, so wahr soll ich gesund sein und von Gott noch gute Tage erleben! Ich bitte, Herr Amtsrichter, verbieten Sie es der Franja, daß sie so etwas Schlechtes von mir in der Stadt herumträgt, und wenn sie damit nicht aufhört, muß ich sie verklagen. Herr Doktor" — er wandte sich zutraulich an Philipp. — „Sie werden mir führen den Prozeß. Sie werden durch mich Kundschaft bekommen in der ganzen Gegend." (Es war Philipp, als höre er leises Frauenlachen; hatte er doch selbst Mühe, seinen Ernst zu wahren). „Und nun empfehl ich mich, Herr Amtsrichter, und wünsche Ihnen, wohl zu schlafen und der gnädigen Frau auch, allerseits geruhsame Nacht!" Er wollte gehen, der Amtsrichter befahl: „Bleib', Perez, ich Hab Dich etwas zu fragen! . . . Hast Du ein Rezept verloren?" „Ja," antwortete Perez fest, „Sonnabend Nacht, als ich durch's Wäldchen von der Apotheke nach Haus ging, Hab ich das Rezept, was der Herr Doktor meiner Mutter verschrieben hat, verloren." Jetzt glaubte der Bürgermeister intervenieren zu müsien und fragte seinerseits mit scharfer Betonung: „Warum hast Du das Rezept gerade dort verloren?" „Warum! Heißt ein Gefrage warum?" fuhr Perez heftig auf; „weil ich gehabt Hab' ein Loch in der Tasche, ist mir das Papier durchgefallen. Ist Ihnen noch nie im Leben etwas durchgefallen, Herr Bürgermeister? Ich weiß. Sie sind selber durchgefallen bei der letzten Wahl." Wieder klang das Kichern, sehr vernehmbar; der Amtsrichter sah unmutig nach der Thür und sagte dann streng: „Sei nicht unbescheiden, Peretz! Antworte, wie sich's gehört! Was hattest Du nachts am Kiwitzabache zu suchen?" „Gar nichts hatte ich dort zu suchen, Herr Amtsrichter. Auf dem Heimweg hatte ich mich verirrt und das war alles." Die ruhige, bestimmte Antwort des Wasserträgers hätte beinahe den Amtsrichter überzeugt, aber der Bürgermeister war schwer beleidigt durch den vorlauten Burschen, der es gewagt, ihn an ein unliebsames Ereignis zu erinnern. (Hartmann war bei der letzten Reichstagswahl als Versuchskandidat gegen den ständigen Vertreter des Zladnoer Kreises, einen polnischen Grafen, von den Konservativen vorgeschoben worden und hatte, wie seine Wähler es kaum anders erwartet, bei der überwiegend polnisch-katholischen Bevölkerung nicht gesiegt.) Hartmann war nicht gewillt, Perez so leichten Kaufes davonzulassen. „Herr Amtsrichter," rief er zornig, „dem Menschen da ist nicht eine Minute zu trauen, er ist bekannt für einen intriguanten, unmoralischen Patron. Soll ich Ihnen sagen, was von seinen Fahrten zu halten ist? Warum er sich Nachts im Walde herumtrieb? Es war mir nur genant vorhin, vor Ihrer Frau Gemahlin von dergleichen odiosen Dingen zu reden. Die Leute sagen: er führte einen Haß gegen den Julek, weil er mit dessen Liebste, der Pelagia, eine Liebschaft angebandelt hatte. Die Frau Schmula hat mir auch heute so was angedeutet, es wird schon etwas dran sein an dem Gerede." Perez antwortete mit einem schallenden Gelächter. „Nu gewiß, so ein schöner Mensch, wie ich bin! Alle Mädel lausen mir nach, für was soll die Pelagia eine Ausnahme machen?" Vor zwei Tagen noch hätte der Amtsrichter die Beschuldigung des Bürgermeisters abgeschmackt und lächerlich gefunden — Perez und eine Liebschaft! Es klang zu ungeheuerlich. Aber sein scharfes Ohr hatte das Erzwungene in des Wasserträgers Heiterkeit wohl herausgehört. Müller war ein erfahrener Jurist, sein Beruf lehrte ihn alle Tage, daß Rauch ohne Feuer selten und die Mehrzahl aller Angeklagten des Schuldigspruches würdig sei — den Bruchteil einer Sekunde schwankte er, dann neigte er sich auf die Seite des Anklägers. Er trat einen Schritt auf Perez zu und sprach, ihn fest anblickend: „Du wirst es doch beschwören können, daß Du keine unerlaubten Beziehungen zu Pelagia unterhieltest? „Beschwören? Warum sagen Sie beschwören?" fragte Perez verwirrt — „ich verstehe nicht. . „Ich meine. Du und Pelagia, Ihr hattet doch keine Liebelei mit einander?"

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