Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 36 (7.9.1900)
- Date
- 1900-09-07
- Page
- Seite 567 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36. Israelitische Wochenschrift. Seite 867. kreise und hat erst vor wenigen Monaten infolge eines Schlaganfalls seine künstlerische Thätigkeit eingestellt. Er malte hauptsächlich Scenen aus dem holländischen Fischerleben; eines seiner berühmtesten Gemälde „Invaliden der See" ist vom städtischen Museum im Haag erworben worden. Der Verstorbene hat seine Ausbildung in Paris erworben, wo er sich zuerst mit der Holzschneidekunst beschäftigte. Verveer war Ritter des Nassauischen goldenen Löwen- und des Belgischen Leopold-Ordens. Seiner Beerdigung auf dem jüdischen Friedhofe wohnte ein großes Trauergefolge bei. London, 2. September. (Tod von Sir Saul Samuel.) Mit Sir Saul Samuel, der am Mittwoch hier starb, ist einer der bedeutendsten englischen Juden dahingegangen. Er war im Jahr 1820 in London geboren, hat aber seine Hauptthätigkeit in Australien entfaltet, wohin er schon 1834 auswanderte. Schon 1854 wurde er Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft von Neu-Südwales, und als im Jahr 1856 die Kolonie eine Konstitution erhielt, wurde Saul Samuel in das Parlament gewählt. Schon drei Jahre später gehörte er dem Ministerium als Schatzsekretär an und blieb in wechselnden Stellungen Mitglied des Ministeriums und als Generalpostmeister bis zum Jahr 1880, wo er als Generalagent der Kolonie Neu- Südwales nach London übersiedelte. Dieses Amt hat Saul Samuel sechzehn Jahr lang bekleidet, ein Zeichen besonderen Vertrauens seiner Mitbürger, denn gewöhnlich währt die Amtsperiode eines Generalagenten der Kolonien nur drei Jahre. Während dieser Zeit hat er verschiedene wichtige finanzielle Abschlüsse für seine Kolonie gemacht. In London hat Sir Saul Samuel wenig Zeit gefunden, sich mit den öffentlichen Angelegenheiten seiner jüdischen Mitbürger zu beschäftigen, in Sydney ist er längere Zeit Vorsteher der jüdischen Gemeinde gewesen. Als Generalpostmeister hat er den Postverkehr von Neu-Seeland nach Europa über San Francisco organisiert, wofür er von der Königin von England mit dem St. Michaels- und St. Georgsorden ausgezeichnet wurde. Später erhielt er einen der höchsten englischen, den Bath-Orden, und wurde zum Baronet gemacht. Das Andenken des verdienstlichen Staatsmanns wird in seinem Mutterland und in der Kolonie, der er seine ganze Arbeitskraft gewidmet, stets in Ehren gehalten werden. Manchester, 2. September. (Ein neues Wohlfahrtsinstitut der David Lewis-Stistung.) Die Testamentsvollstrecker der David Lewis-Erbschaft, die unserer Stadt schon so viele Wohlfahrtseinrichtungen geschenkt haben, haben die Errichtung eines neuen Instituts vorbereitet, das demnächst gebaut werden und einer großen Anzahl von leidenden Menschen Erholung und Heilung bringen soll. Es handelt sich um ein Heim und ein Krankenhaus für Epileptische, das auf dem Land in der Nähe von Manchester seinen Platz finden wird. Die größten ärztlichen Autoritäten in England und auf dem Kontinent sind um Ratschläge für die geeigneten Einrichtungen des neuen Instituts angegangen worden, das das erste seiner Art in England ist und einen Kostenaufwand von 100 000 L. St. erfordert. Herr Benn W. Levy, einer der Testamentsvollstrecker, nimmt persönlich an allen Vorberatungen teil, und ist bestrebt, den Bau und die Einrichtung der segensreichen Heilstätte nach Möglichkeit zu beschleunigen. Petersburg, 31. August. (Gedenkfeier.) Der von der russischen Regierung als erster Ingenieur beim Bau der sibirischen Eisenbahn angestellte jüdische Baumeister Ignaz Abramowitsch Berenstein aus Kiew ist am 2. Juli d. I. auf dem Weg von Wladiwostok nach Chabarowsk nebst zwölf Mitreisenden von Chinesen überfallen und ermordet worden. Vor einigen Tagen fand in unserer großen Synagoge eine Trauerfeier zum Andenken an den unglücklichen Beamten statt, bei der Rabbiner Drabkin eine ergreifende Rede hielt. . Der russische Verkehrsminister Fürst Khilkoff, die Familie und die Kollegen des Verstorbenen und zahlreiche Freunde wohnten der Gedenkfeier bei. Moskau, 30. August. (Denkmal für Jsaae Levitan.) Die Moskauer Künstler haben den Wunsch, ihrem kürzlich verstorbenen Kollegen Jsaac Levitan ein würdiges Grabdenkmal zu setzen. Die dazu erforderlichen Mittel sollen durch eine Ausstellung der Werke des Verstorbenen gewonnen werden. Mit der Ausarbeitung eines geeigneten Entwurfs sind ein Maler, ein Bildhauer und ein Architekt betraut worden. Sitomir, 28. August. (Regiments-Jubiläum.) Das Sitomirsche Regiment, dessen oberster Chef Großfürst Wladimir, der Onkel des Zaren, ist, hat vor einigen Tagen das Jubiläum seines 200 jährigen Bestehens gefeiert. Zu dieser Feier, der Großfürst Wladimir persönlich beiwohnte, hat unser Rabbiner Dr. Skomarowski eine offizielle Einladung erhalten. Später wurde Dr. Skomarowski vom Großfürsten empfangen und überreichte ihm eine silberne Krone als Geschenk der jüdischen Soldaten des Regiments. t. New-Iork, 26. August. (Einwanderungsstatistik.) Im Monat Juli sind über den Hafen von New-Iork 7582 Juden gegen 6872 im Monat Juni in die Vereinigten Staaten eingewandert. Davon stammen aus Rußland 4267 (im Juni 3542), aus Galizien 2045 (1891) und aus Rumänien 1168 (1361). Von den Eingewanderten blieben 5383 in New-Iork, während im Monat Juni nur 1658 da verblieben sind. Von deutschen Juden sind im Juni 51 und im Juli 43 nach New-Iork eingewandert. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Die portugiesische Gemeinde in Amsterdam hat in der Person des Rabbiners I. de Palache einen neue Chacham erhalten und ihn in feierlichem Gottesdienst in sein Amt eingeführt. Zu Ehren des neuen Rabbiners hat auch die deutsche Gemeinde einen Festgottesdienst veranstaltet. I. de Palache ist im jüdischen Waisenhaus zu Amsterdam erzogen worden. — In Capstadt ist am 6. August eine neue jüdische Schule eröffnet worden. Rabbiner Joel Rabinowitz hat 1000 L. St. zur Errichtung dieser Schule hergegeben. Vakanzen. Bingen a. Rh. Rabbiner. Meld. an Dr. Schirling. — Germers heim. Rel.-L., K., Sch., 800 M. Geh., fr. W., 200 M. Nebeneink. Meld. an Gutmann..— Rehlingen a. Saar. Rel.-L., K. (ledig). Meld. an Ferd. Kasel. — Frankfurt a. O. Mus. geb. verh. Lehrer, Waisenvater u. 2. Kantor, 2000 M. Anfangsgeh. u. fr. W. Meld. an Vorst. — Bad Langenschwalb ach, Kreis Untertaunus. Rel.-L., K., Sch., 1000 M. Anfangsgeh. und fr. W. Meld. an Emanuel Hamburger.