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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · p. Seite 565

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
36 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
Seite 565 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36. Israelitische Wochenschrift. Seite 565. Gesangstalent. Er besuchte eifrig die Gemeindesynagogen und lauschte mit ganz besonderer Aufmerksamkeit dem Gesang der Oberkantoren Deutsch und Spiro. So entstand in ihm ein , Kampf, und er empfand den „zarten Unterschied zwischen Rabbiner und Kantor," von dem Herr Oberkantor Singer- Wien treffend in einem Artikel spricht, und vertiefte sich in seinen Mußestunden in das Wesen des Gesangs. Neben dem Rabbinerseminar besuchte er das Institut des Meisters Deutsch und wurde von diesem in den Geist des alten und neuen mm ebenso in Theorie, Kontrapunkt und Geschichte der Musik eingeführt. Nach absolvierten Studien in Breslau und nach Ablegung eines Examens bei der Königl. Regierung zu Bromberg nahm Herr Sarasohn die Prediger- und Kantorstelle in Schubin an, wurde alsdann nach Bunzlau in gleicher Eigenschaft berufen. Ueberall wirkte er zur großen Zufriedenheit und erwarb sich viel Liebe und Verehrung von Seiten seiner Gemeinden. Er strebte immer mehr nach Vervollkommnung im Gesang und in der Musik; seine Stimmmittel und seine musikalische Auffassung wurden immer bedeutender. Er galt als einer der besten Jünger seines Lehrers Deutsch. Und so erging an ihn der ehrenvolle Ruf vom Vorstand der Stettiner Synagogengemeinde, den dortigen Oberkantorposten anzunehmen. Er folgte dem Ruf und sein Probevortrag fiel so glänzend aus, daß er einstimmig gewählt wurde. Da damals die Kanzel in Stettin verwaist stand, sollte Herr Sarasohn auch hier Proben seines Predigertalents ablegen. Er entledigte sich dieser Aufgabe in hervorragender Weise bis zur Anstellung des Herrn Rabbiners Dr. Vogelstein. Nun widmete sich Sarasohn ausschließlich seinem kantoralen Beruf. Mit großem Geschmack und Geschick organisierte er den Gottesdienst und brachte den Synagogengesang auf eine künstlerische Höhe. Anerkennung für seine Leistungen ' und Verdienste wurde ihm oft von den Behörden in Wort und Schrift kundgethan. Sarasohn führte die Gesänge von Deutsch ein und errang, da er sich in den Geist dieser Schöpfungen vertiefte, großen Beifall. Seinem liebenswürdigen und einnehmenden Wesen ist es zu verdanken, daß mehrere Wohlthätigkeitsvereine ins Leben gerufen wurden. Unter diesen sei besonders der „Knabenverein" erwähnt, aus dessen Jahresbeiträgen unbemittelte Kinder in höhere Schulen geschickt werden. Alljährlich veranstaltet dieser Verein eine Chanukka-Feier, an der alle Kreise der Gemeinde teilnehmen. Eine ganz besonders rührige Thätigkeit entfaltet Herr Sarasohn in den Ferienkolonien. Vermöge seiner großen Bekanntschaft ist es ihm gelungen, den Schülern in Familien Freistellen zu verschaffen. Denn die von ihm geäußerte Bitte darf der Erfüllung sicher sein. Auch nahm er sich oft der Witwen und Waisen verstorbener Kollegen an und trat väterlich für diese ein. Zu den Gemeindemitgliedern steht Sarasohn in freundschaftlichem Verhältnis. Er nimmt an allen Familienereignissen regen Anteil. So kann Herr Sarasohn auf ein weites, umfangreiches Arbeitsfeld und aus eine gesegnete Amtsthätigkeit zurückblicken. Aber nicht allein in seinem Berus, auch im Kreis seiner Familie waren ihm viele Freuden beschieden. A. Friedmann-Berlin. Laasphe, 2. September. (Auflösung einer jüdischen Schule.) In hiesiger Stadt bestehen zwei Schulsozietäten, eine evangelische und eine jüdische. Der definitiv angestellte jüdische Lehrer fungiert zugleich als Kantor der jüdischen , Gemeinde. Er ist seit dem Jahr 1883 im Amt. Die jüdische Schule ist eine öffentliche Elementarschule, der jüdische Lehrer ist auf Grund einer Vokation des Fürsten von Wittgenstein- Hohenstein angesteüt. Ein den unerläßlichen Anforderungen entsprechendes Schullokal ist nicht vorhanden. Bis zum Jahr 1884 waren dazu 2 Zimmer in einem Privathaus gemietet, in diesem Jahr wurde in dem Synagogengebäude ein Lokal bezogen und bis heute benutzt, das allerdings nur 2,08 m hoch und rings von Düngerstätten umgeben ist. Weil die Gemeinde nicht imstand war, ein anderes Lokal zu beschaffen und pekuniär nicht so gestellt, ein Schulhans zu bauen, erhob der Lehrer keinen Einspruch gegen den zur Erteilung des Unterrichts ihm überwiesenen Raum. Im Jahr 1897 fand eine Revision durch den Regierungs- und Schulrat Dr. Sachse aus Arnsberg statt. Dieser erklärte das Lokal für durchaus ungenügend. Dasselbe sagte später der Kreisphysikus in einem von ihm eingeforderten Gutachten. Darauf wurde die Gemeinde aufgefordert, ein anderes Schullokal zu beschaffen. Als sie das nicht that, weil keins zu beschaffen war, drang die Königl. Regierung auf einen Neubau, wozu sie eine ansehnliche Beihilfe in Ausficht stellte. Nach langen Verhandlungen wurde durch einen unter Vorsitz des Königl. Landrats zustande gebrachten Beschluß des jüdischen Schulvorstands und der jüdischen Schulrepräsentanten unter dem 11. Januar 1900 einstimmig der von der Königl. Regierung vorgeschlagene Neubau einer Schule mit Lehrerwohnung genehmigt. Dazu wurden 5000 Mk. bewilligt, und die Königl. Regierung gebeten, den Rest der Bausumme mit 13 000 Mk. aus dem Staatsfonds zu bestreiten, weil die Gemeinde ein Weiteres aufzubringen, nicht in der Lage sei; sie ist ohnedies schon schwer belastet; sie zahlt 130 % der Einkommen-, Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer nur als Schulfteuer, außer den Synagogen- und städtischen Steuern. Laut Verfügung an den hiesigen jüdischen Schulvorstand vom März d. I. trat die Regierung dem Beschlüsse der jüdischen Schulrepräsentanten vom 11. Januar bei mit dem Bemerken, daß sie den fehlenden Rest der Bausumme beim Minister beantragt habe; sie forderte die Gemeinde auf, schleunigst einen geeigneten Platz für das Schulgebäude zu beschaffen, was auch sofort geschah. Darauf kam im Mai d. I. ein Reskript des Ministers durch die Königl. Regierung an den hiesigen evangelischen Schulvorstand ungefähr folgenden Inhalts: Der Minister hat Bedenken, eine Beihilfe zum Neubau einer jüdischen Schule zu gewähren, wegen der großen Anforderungen an den Elementarschulbaufonds im hiesigen Regierungsbezirk. Darum beabsichtigt die Regierung, die jüdische Schule aufzulösen und die jüdische» Schulväter der evangelischen Schulsozietät zuzuweisen, so zwar, daß die jüdischen Scküler eine besondere Klaffe bilden, oder daß sie den einzelnen Klaffen einverleibt werden. Schwierigkeiten würde die Unterbringung des Lehrers Steinweg bieten, dessen Kündigungsverhältniffe zu prüfen seien. Dieser könne auch von der evangelischen Sozietät übernommen werden; er könne dann auch sein Kantorat weiter führen und die Einnahme daraus (300 Mk.) ihm verbleiben. Wenn das geschähe, so wolle die Regierung den einen noch nicht definitiv

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