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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-08-10 · 32 (10.8.1900) · p. Seite 504

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
Seite 504 (sequence 12)
Language
German
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Seite 504. Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. eines Hügels, hob ihn auf fern Pferd und ritt unter einem Hagel von Geschossen zur Truppe zurück. Nebst dem hohen Orden erhält der jüdische Soldat noch das Leutnantspatent. t. Odessa, 5. August. (Krawalle.) Am 39. und 30. Juli haben hier einige Krawalle gegen die Jud.en stattgefunden. Die hiesige Presse durfte darüber zunächst nicht sprechen, jetzt ist ihr der Mund geöffnet werden. Die „Nowoje Wremja" berichtet über die Vorgänge: „Seit 3 Tax,en sieht es in Odessa aus, als wenn die Stadt von einem Feinde erobert wäre. Die Unruhen begannen am Sonntag auf dem Trödelmarkt mit einer großen Schlägerei, wonach der Pöbel die kleinen jüdischen Läden zerstörte. Nachts brachen die Krawalle in der Vorstadt Moldawanka aus, wo sämtliche jüdische Läden erbrochen und geplündert wurden. Darauf wagte sich der Pöbel am nächsten Montag ins Centrum und warf in allen Läden der Preobraschenskajastraße die Fensterscheiben ein, ebenso wurden alle elektrischen Lampen dieser Straße zerschlagen, die Seltersbuden zertrümmert, umgestürzt oder mitten auf die Straße getragen. Auch auf der Jekatarinenstraße haben viele Läden gelitten. Den größten Schaden hat das Geschäft von Rosow, in dem alle Thüren und Fenster kurz und klein geschlagen wurden. In der Nacht vom Montag zum Dienstag wüteten die Unruhstifter in den Vorstädten, ließen aber das Centrum der Stadt in Ruhe, so daß manche Juden den Versuch machten, ihre Geschäfte zu öffnen; allein gegen 8 Uhr kam der Pöbel wieder ^und zwang sie, die Jalousien vor Fenster und Thüren herabzulaffen. Die Krawalle währten den ganzen Dienstag hindurch. Das Stadtoberhaupt Graf Schuwalow griff energisch ein, bot Militär auf, nahm zahlreiche Verhaftungen vor und bestrafte die Lärmmacher. Die nicht nach Odessa zuständigen Arbeiter unter diesen wurden abgeschoben, die Lärmmacher im Cylinder auf 3 Monate eingesperrt. t. Warschau, 5. August. 1 (40 o/g iges Recht.) Die vom Finanzminister konzessionierte, von der Warschauer Kaufmannschaft, d. h. von^den^Juden Warschaus, errichtete Handelsschule besitzt alle Rechte eines Realgymnasiums. Seine Absolvierung berechtigt zum Eintritt in eine technische Hochschule, gewährt beim Militär das Recht der IV2 jährigen Dienstzeit und verleiht dem Abiturienten den Titel eines Ehrenbürgers. Die Eröffnung der neuen Handelsschule bedeutet für die Juden Warschaus eine große Erleichterung, da die Mittelschulen nur 10 0/0 jüdische Zöglinge ausnehmen dürfen, während in der Handelsschule 40 % jüdische Zöglinge zugelassen werden. Es ist kein Geheimnis, daß das Unterbringen eines jüdischen Knaben in einem Gymnasium oder einer Realschule 500 Rubel Bakschisch kostet! Ob durch die neue am 1. September zu eröffnende Schule dem Bedürfnis der Juden nach einer Mittelschule auch nur für die erste Zeit abgeholfen wird, hängt von der Zahl der sich meldenden Christen ab. Bleiben diese der neuen Schule fern, was bei dem Umstand, daß den Nichtjuden der Zutritt zu den andern Schulen offensteht, nicht ausgeschlossen ist, so ist den Juden bei der Beschränkung der aufzunehmenden jüdischen Zöglinge aus 40 °/0 der nichtjüdischen noch wenig gedient, obwohl die Handelsschule fast ausschließlich auf ihre Kosten gegründet worden ist. Radomisel, Gouvernement Kiew, 4. August. (Stiftung d e r F a m i l i e O h r e n st e i n). Es ist immer ein Zeichen^ der Pietät, wenn sich die jüngere Generation zusammenthut,' um das zu befestigen, was die Alten vor vielen Jahren gestiftet haben. Ein solcher Akt der Pietät läßt sich von der hier wohnenden orthodoxen Familie Ohrenstein berichten.^. Die hiesige Talmud-Thora war bisher in einem Hgus^M^^ gemietet, das einer hölzernen Scheune glich und für weitere Benutzung gänzlich unbrauchbar war. Da kam Hilfe vom Allwissenden. Der selige Herr Naftali Ohrenstein spendete 30000 Rubel; er war es, der nicht eher rötete, als bis man den passenden Ort käuflich erhielt un-^>en Bau begann. Nun ragt, von schönem Garten umschloß, ein Heim für die Thorastudien, und der Anblick gewährt einem Jeden die malerisch schönste Aussicht. Im Parterregeschoß liegen die Wohnungen für die Lehrer und die Räume für die Altersschwachen; der erste Stock ist fast ausschließlich für Studierraum Vorbehalten. Die Zimmer sind geräumig, hell und fast durchgehends mit Balkons versehen. Im ersten Stock befindet sich auch ein Zimmer für Lombard. — Hier sitzen tagtäglich 4 sogenannte „Gaboim", die Geld auf Wechsel oder Wertsachen, natürlich ohne Zinsvergütigung, ausleihen. Auch entspricht dieses echt jüdische Heim allen hygienischen Forderungen der, Neuzeit, und die Knaben, die dort Unterricht genießen, steher immer unter strenger Beobachtung. Überhaupt hat sich big großartige Stiftung vorgenommen, den noch unentwickelt jungen Menschen, körperlich wie geistig, jede Pflege und Herar bildung im Geist unserer heiligen Thora angedeihen zu lasses Sind die Knaben der Schule erftwachsen und treten di? schweren Mühen eines anstrengenden Berufs an sie heran, sc sollen sie untadelige und musterhafte Menschen sein. Mit neuerrichteten Wohlsahrtsinstttut beschäftigen sich nun Söhne des verstorbenen Millionärs; allwöchentlich ki neue jüdische Wohlfahrtseinrichtungen, die unser armes^ lein aufrecht halten. Die genannte Familie hat also für fromme Judentum Großartiges und Prächtiges gesch^l Man kann nur wünschen, daß alle die, die in opferwM Liebe dieses Werk echter Humanität zum Heile der leider Menschheit haben fördern helfen, Dank vom Allvater hat daß alle ihre Hoffnungen voll in Erfüllung gehen mc Isidor Braun, Buchhalter der Familie Ohrenste London, 5. August. (Palästina-Ausstellung.) Wär der Dauer des Zionistenkongresses wird hier eine öffeutlic Ausstellung von Bildern stattfinden, die das Leben in Palästj in biblischen Zeiten und in der Gegenwart darstellen. Ws die vollständigste Sammlung, von Palästina-Bildern merll die jemals vereint gewesen ist. London, 5. August. (Die Juden in China), der Wiedergabe eines von Markus N. Adler in Londor haltenen Vortrages über „Die Juden in China" ist auch^ wähnt worden, daß die in Shanghai lebenben Juden bi sind, sich der im Innern Chinas vorhandenen Reste eig jüdischen Gemeinde anzunehmen. Am 14. Mai hat in^ eine von über dreißig europäischen und orientalift besuchte Versammlung stattgefunden. Herr Sim/ führte den Vorsitz, und Herr S. I. Solomon vo^ Saffoon und Comp, berichtete über die Schritte.

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