Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-08-10 · 32 (10.8.1900) · p. Seite 503

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
32 (10.8.1900)
Date
1900-08-10
Page
Seite 503 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9607256-9607491--7841-9607502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

r. 32. Israelitische Wochenschrift. Seite 803. verfügt, daß die ungarisch-rumänische Grenze von nun an solche Auswanderer passieren dürfen, die mit einer Reifete bis zur Endstation des Auswanderungszieles, bis nach Amerika, oder mit einer entsprechend großen Geldsumme, ündestens aber 150 fl., versehen sind. Außer dieser Verfügung das Ministerium des Innern die ungarischen Grenzbehörderr^fdgewiesen, bis zur endgiltigen Regelung der Auswanderungsfrötze mit Rumänien überhaupt keinen Auswanderer die ungarisch-rumänische Grenze passieren zu lassen. Es ginge nicht an, daß tausend mittel- und beschäftigungslose Leute die ungarische Grenze übe^chreiten, um überOesterreich und Deutschland nach Amerika Ländern, von Wien aus,aber wieder hierher zurücktransporti^t werden und den ungarischen Behörden, sei es durch den notwendig werdenden Rücktransport, es dadurch, daß sie sich hier längere Zeit aufhalten, zur ^st fallen. Diese Regelung hätte viel früher erfolgen sollen, jetzt, da sich die unglücklichen Auswanderer bereits zu Tausenden zwischen Rumänien nnd Oesterreich befinden. Von Oesterreich werden sie, kaum daß sie in Wien anlangen, zurücktransportiert. Von Budapest geht es dann an die rumänische Grenze, und dort beginnt ein geradezu schmähliches Treiben, rs für das kulturstolze Europa ein wahre Schande ist. Die N Oesterreich zurückgewiesenen Auswanderer dürfen die Dänische Grenze nicht mehr passieren. Eine starke Generieabteilung verstellt ihnen den Weg nach Rumänien, lese Ausgestoßenen und Aermsten verließen, nachdem sie ^Verpflichtung unterzeichnet, daß sie nie mehr wieder nach Linien zurückkehen werden. Nach Ungarn dürfen sie nicht zurück, dafür sorgen nun gleichfalls starke ungarische ^darmerieabteilungen. Sie können nicht vor- und nicht Von zwei Kolonnen bewaffneter Leute eingeschloffen, ^Aermsten der Gefahr ausgesetzt, wohin sie sich auch einfach niedergemetzelt werden. In der Nähe von ^ern gegenwärtig Hunderte von Leuten, die kein »Verbrechen begangen haben, als daß sie Juden sind, ohne triftigen Grund in ihrem Vaterland boykottiert izwungen hat, zum Wanderstab zu greifen. Die Diplomatien augenblicklich für solche „Lappalien" keine Zeit, sie sollten doch dafür sorgen, daß bald Wandel gewerde. Sehr tadelnswert ist auch das Vorgehen der m und ungarischen Behörden, wobei schwer zu wem von Beiden die größere Schuld zuzuschreiben lWiener Israelitische Allianz beruft sich darauf, sie ^chentlich nur 150 Personen über Rotterdam nach lefördern, wo nach Angabe der Allianz die Regierung (tsfähige Männer und Frauen, die über mindestens pr verfügen, aufzunehmen gewillt ist. Das hat sich )eile als ein Irrtum herausgestellt. Die Wiener ^.hat, trotzdem gegenwärtig in Wien über 1200 der iderer stecken, die nachfolgenden Trupps, statt ein po in ihre Aktion zu bringen, einfach zurücken. Die ungarischen Behörden haben natürlich;s gethan und die Leute unter strenger polizeimittelst Bahn nach Predeal geschickt. Erst sige Judengemeinde von dem unbeschreiblichen ^energisch eingriff, scheint eine Aenderung ein- Etwa 700 Auswanderer werden hier seit drei Tagen durch wohlthätige Menschen gespeist, und die ungarischen Behörden haben hier einen dreitägigen Aufenthalt gewährt. Dies zu erreichen, kostete größte Mühe. Die jüdische Gemeinde mußte sich verpflichten, für die Armen voll zu sorgen und die Abreise binnen drei Tagen zu garantieren. Nun wird gesammelt, um die erforderlichen Reisespesen für diese Hunderte bis nach Amerika, im Betrag von etwa 35 000 bis 40 000 fl. aufzubringen. Es wird dies gewiß gelingen und die hier festgerannten Auswanderer werden nach Amerika gebracht werden; aber was dann? Wird der schmachvolle Zustand fortdauern und geduldet werden, daß die rumänische Regierung Tausende rumänischer Unterthanen, die ihr unlieb geworden, zur Auswanderung zwingt, sie zu Lasten der benachbarten Staaten als heimatlos und vogelfrei erklärt und sie über die Grenze jagt, , ohne daß auch nur ein Kulturstaat ein Wort zur Sache spricht? Paris, 3. August. (R e f o r m b e w e g u n g). Unter dem Namen Union Liberale Jsraelite hat sich hier ein Verein gebildet, der Reformen im jüdischen Gottesdienst einzusühren beabsichtigt. Das Programm verlangt, daß alle Gebete, die die Gefühle unserer Vorfahren in alten Zeiten wiedergeben und mit unseren Gefühlen in der Gegenwart snichts gemein haben, sortgelaffen werden sollen. Die Anhänger der neuen Richtung scheinen eine eigene Synagoge zur Durchführung ihrer Bestrebungen zu wünschen, denn es heißt^im'.Programm: „Unser Vorgehen ist ebenso legitim wie das^unsere<orthodoxen Glaubensgenossen, die, durch ähnliche Empfindungen veranlaßt, einen ihren Überzeugungen angemessenenj Gottesdienst eingeführt haben." Diese Stelle scheint sich aus die vom Konsistorium unabhängigen Bethäuser zu beziehen, die ultraorthodoxe Juden begründet haben, weil ihnen der Gottesdienst in den „Tempeln" zu fortgeschritten war. Das Organisationskomite der neuen Richtung erklärt, daß sie nicht die Absicht haben, die jüdische Religion zu ändern, sondern nur sie zu erhalten. Die Pariser jüdischen Zeitungen nehmen die neue Bewegung sehr kühl auf. Der „Univers Jsraelite" kritisiert sie in einem eingesandten ^Artikel; die „Archives Jsraelites" erklären sie für „eine Bewegung von Neo-Judaismus, die von einigen Damen der besten^Gesellschaft angeregt und geleitet, und von jungen Rabbinern der beschaulichen, wenn nicht philosophischen Schule unterstützt und bestärkt wird." „Wir sind der festen Überzeugung", so schließt das Blatt, „daß diese kleine Kapelle das traditionelle Judentum in keiner Weise gefährden wird." ^Amsterdam, 5. August. (Ein wackerer Soldat.) Dex Brigadier M. Cohen, Soldat in der holländisch-ostindischen Armee, chat von der Königin Wilhelmina für folgende That den Wilhelmsorden erhalten: Bei der Erstürmung von Tiot- Kala wurde die Truppenabteilung, bei der M. Cohen stand, durch heftiges Gewehrfeuer zum fluchtartigen.Rückzug gezwungen. Da erblickte Cohen das Pferd seines Leutnants reiterlos an sich vorbeigaloppieren. Er machte seine Kameraden darauf aufmerksam und forderte sie auf, mit ihm umzukehren, um den gefallenen Offizier zu holen. Keiner aber wollte das Wagnis unternehmen. Da entschloß sich Cohen, allein auf die Suche zu gehen. Er kehrte in den Kugelregen zurück, suchte das Terrain ab, fand seinen Leutnant verwundet am Fuß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.