Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 32 (10.8.1900)
- Date
- 1900-08-10
- Page
- Seite 502 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 502. Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. schmidt hielt im Anschluß an Jesaias 1,27 die Festpredigt und erwähnte an deren Schluß die im Lauf des Jahres zugefattenen Legate bezw. die neugewonnenen „immerwährenden Mitglieder," sowie die verstorbenen Wohlthäter des Hauses. Auf die Festpredigt folgte eine Gedächtnisfeier für die verewigten Wohlthäter. — Am 31., abends 8 Uhr, fand zur Nachfeier im Festsaal des neuen Strandschlosses das zum Besten der Anstalt angekündigte Konzert vor einem zahlreichen, kunstsinnigen Auditorium statt. Es war durchaus gelungen und ganz eigenartig, wie es in dieser Weise bisher in Kolberg kaum zu Gehör gebracht worden. Eingeleitet wurde der herrliche Abend von Fräulein Schoenberger aus Potsdam mit Rubinsteins reizendem Kammenoi-Ostrow, das die aus dem Vorjahr bereits bekannte Künstlerin meisterhaft zum Vortrag brachte. Den gesanglichen Teil haben Herr Holy vom Westentheater zu Berlin und Fräulein Bradsky vom Königl. Hostheater zu Kassel, beide durch ihre Wirksamkeit am hiesigen Stadttheater unserm Publikum wohlbekannt und bei ihm sehr beliebt, in liebenswürdigster Weise übernommen. Herr Holy trug im ersten Teil des Programms „Winterlied" von Koß und „mein Herz thu dich aus" von Seidel, im zweiten Teil „Der letzte Gruß" von Levi und „Vergebliches Ständchen" von Brahms mit künstlerischer Gewandtheit vor. Fräulein Bradsky sang mit gewohnter Meisterschaft mehrere sehr glücklich gewählte Lieder von Suppe, Aletter und Lincke. Einen besonderen Reiz verlieh dem Konzert der durch vollendete Technik ausgezeichnete Harfenvortrag des Fräulein Girod aus Dresden, die Oberthürs „Im Sonnenschein" spielte und durch ihr seines Spiel die Zuhörer zum Verlangen einer Zugabe hinriß, die nicht minder beifällig ausgenommen wurde. Herr Dr. Schenk auf Sanatorium Helenenhöh erfreute das Auditorium durch Vieuxtemps Konzert d-moll, Satz I, für Violine. Dr. Schenk zeigte sich als gottbegnadeter Künstler, der sein äußerst schwieriges Instrument mit viertuoser Meisterschaft beherrscht und ganz besonders die Pianissimos durch die vollendetste Feinheit zur Geltung zu bringen weiß. Unterstützt wurde der Künstler noch besonders durch seine Violine, die, eines der schönsten Exemplare von Petrus Guarnerius in Cremona (1690) von dem berühmten Jnstrumentenfabrikanten Richard Weichold zu Dresden ihm gütigst für diesen Abend überlassen war. Auch Herr Dr. Schenk wurde durch das stürmische Verlangen der Zuhörer zu einer Zugabe gezwungen und spielte darauf die Mazurka von Winniawsky. Den Höhepunkt des Abends bildete „Chanson sans paroles," für Violine und Harfe von Tschaikowsky. Diese Nummer wurde von den beiden Künstlern, Herrn Dr. Schenk und Fräulein Girod, mit solcher Meisterschaft und Feinheit vorgetragen, daß sämtliche Zuhörer geradezu zur Begeisterung hingerissen und, wie wir zu bemerken glaubten, mehrere Damen zu Thränen gerührt wurden. Nicht unerwähnt bleiben darf eine höchst feinsinnige und humorvolle Deklamation, die durch Fräulein Judith Salomon aus Berlin, eine hoff" nungsvolle Gymnasiastin zur Ausführung kam. Schließlich — last not least — ist noch eine hochbedeutende Künstlerin, die Pianistin Fräulein Valentine Lammfromm aus München zu nennen, deren ausgezeichneter Anschlag und großartige Technik ganz besonders zu rühmen ist und die höchst effektvoll die unvergeßliche Abendunterhaltung mit Verdi-Liszt's „Rigoletto- Paraphrase" ausklingen ließ. In die undankbare und doch äußerst schwierige Aufgabe der Begleitung hatten sich Fräulein Lammfromm und Fräulein Schoenberger geteilt. Beide Damen wußten mit Leichtigkeit ihrer schwierigen Ausgabe gerecht zu werden. Sämtliche Künstler ernteten wohlverdienten, rauschenden Beifall, der besonders bei den Geige-Piecen bis zur stürmischen Begeisterung anschwoll. Fräulein Bradsky erhielt einen prachtvollen Blumenkorb, Herr Dr. Schenk einen Lorbeerkranz aus der Mitte der Zuhörer. Gegen 10,30 Uhr - fand das in allen seinen Teilen wohlgelungene Konzert sein/ Ende und wird noch lange als angenehme Erinnerung a^ die diesjährige Saison im Gedächtnis der zahlreichen Besucher fortklingen. Hannover, 6. August. (AblebendesLehrers Mag n u s Cahn.) Am vorigen Donnerstag ist einer der tüchtigsten und beliebtesten Lehrer der Provinz Hannover, Magnus Cahn in Sarstedt, zur ewigen Ruhe gebettet worden. Der Verblichene hat seinen Beruf nach der praktischen Seite hin meisterhaft ausgeübt. Er war 46 Jahre hindurch an derselben Stelle thätig, der einzigen seines Lebens. Die Anzahl seiner jüdischen Schüler war immer nur gering; aber er genoß das Vertrauen der Bevölkerung in dem Maß, daß die jüdische Schule zugleich stets von 20—30 christlichen Kindern besucht wurde. Der Magistrat hatte-ihn mit der Leitung der Fortbildungsschule betraut. Mit seltener Herzensgüte ausgestattet, hat er im schönsten Einvernehmen mit seiner Gemeinde gelebt, deren Freund und Berater er gewesen. Sein Berufseifer, der von allen angestaunt wurde, da er ihn vom Morgen bis zum späten Abend rege erhielt, duldete es nicht, die Pensionierung nachzusuchen. So ist er denn, auf dem Feld der Arbeit stehend, im Alter von 66 Jahren einer plötzlich eingetretenen Lungenlähmung erlegen. — Fast sämtliche Bürger des Ortes ohne Unterschied des Glaubens, ferner aus der Umgebung, besonders aus der Stadt Hannover, viele ehemalige Schüler und auch viele Lehrer, unter ihnen der Vorsitzende des Hannoverschen Lehrervereins, waren erschienen, um dem teuren Toten die letzte Ehre zu erweisen. Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky kennzeichnete ihn am Grab als den „Mann der Treue, reich an Segen." Treu in der Familie, in der Schule, in der Gemeinde, hat er segensreich gewirkt, und Gottes Segen hat auch auf ihm geruht. Ihn zierte „die Krone der Gelehrsamkeit, des Priestertums und des guten Rufes." Sein Andenken wird zum Segen sortleben. Er ruhe in Frieden! Budapest) 3. August. (Stiftung.) Unser Mitbürger M. Löwi hat zu seinem 70. Geburtstag 100 000 Kronen zu einer Stiftung hergegeben, deren Zinsen an solche jüdische Schüler verteilt werden sollen, die sich in der Uebersetzung des Pentateuch ganz besonders auszeichnen. Herr Löwi hat die Absicht, die für den löblichen Zweck ausgeworfene Summe zu verdoppeln, wenn er seinen 80. Geburtstag erleben sollte. Budapest, 6. August. (Die Auswanderungen aus Rumänien.) In den nächsten Tagen wird hier eine von radikal gesinnten Bürgern einberufene Volksversammlung abgehalten werden, in der die Haltung der ungarischen Regierung gegenüber den rumänischen Auswanderern, die Ungarn passieren, einer Kritik unterzogen werden soll. Die ungarische Regierung hat, wie bereits in voriger Nummer dieses Blattes mitgeteilt