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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-08-03 · 31 (3.8.1900) · p. Seite 491

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (3.8.1900)
Date
1900-08-03
Page
Seite 491 (sequence 15)
Language
German
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Nr 31. Israelitische Wochenschrift. Seite 491. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Herr Lipschitz in Bonn ist einstimmig zum korrespondierenden Mit- 'glied der französischen Akademie der Wissenschaft gewählt worden. Vakanzen. Wiesbaden. Prediger für hohe Feiert'. Meld. an Simon Heß. — Wiesbaden: Vorb. für hohe Feiert. Meld. an Simon Heß. — Rhees a. Rh. Elem.-L. u. K., 1200M. Anfangsgeh., fr. W. Meld. an Superintendent Greeven. — Bad Nauheim. Vorb. u. Ball, für hohe Feiert. Meld. an Louis Lob. — Geroda bei Brückenau. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 700 M. Geh, fr. W., 200 M. Nebeneink. Meld. an Samuel Heß. - Vilbel. Sem. geb. Lehrer, K, Sch., Balt., 800 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Vorst.— Saarlouis. Hilfsk. für hohe Feiert. Meld. an Vorst. — Parchim i. M. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Geh, fr. W., 400 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Nikolaiken i. Ostpr. Rel.-L., K., Sch., 900 M. Geh. Meld. an H. Wolff. — Bingen a. Rh. Rel.-L. und erster K. (ledig), 2000 M. Anfangsgeh., fr. W. Meld. an Bernhard Groß. — Ueckermünde. K. u. Sch., 700 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Sally Pleß. — Crossen a. O. Rel.-L., K., Sch., 1600 M. Geh., 400 M. Nebeneink. Meld. an Max Salomon. — Rawitsch. Zweiter Beamter (2. Sch., Hilfsk., Balk. und Scham.), 1200 M. Geh., fr. W. Auch Hilssvorb. für hohe Feiert. Meld. an Vorst. — Baldenburg i. Westpr. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Geh. Meld. an Leopold Salinger. — Pyritz in Pomm. Sem. geb. Rel.-L„ Hilfsk., Sch., 1200 M. Anfangsgeh., fr. W. Meld. an Max Schwarz. — Cörlin a. Persante. Rel.-L., K., Sch., 1000 M. Geh., fr. W. Meld. an Egmont Joseph. — Eberswalde. Hilfsvorb. für hohe Feiert. Meld. an N. Lindemann. — Kallstadt, Rheinpfalz. Rel.-L., K., Sch., 1000 M. Geh., fr. W. Meld. an Carl Kühn. — Rummelsburg i. P. Vorb. für hohe Feiert. Meld. an H. Blau. — Schlochau i. Westpr. Pred., K., Sch., 2000 M. Geh., fr. W. Meld. an A. Freundlich. — Seligenstadt, Hessen. Zweiter Vorb. für hoh. Feiert. Meld. au Markus Mayer. Feuilleton. Das „Scheker-Kilbill". Von C. Berg. (Fortsetzung.) „Halt's Peh! Was hast Du Dich rauszustellen? Siehst Du, daß hier irgend ein anderer Jüd steht und etwas sagt? Willst Du auf's Gericht gehn, Zeuge sein, ja? Komm nur da weg!" Der Erstere wollte nicht recht, aber der Andere zerrte ihn mit fort: „Komm, komm! Worauf geht das aus? Aus ein Scheker-Bilbul sag ich Dir! „Gott behüt' vor breite Treppen*)!" Der Andere hatte richtig beobachtet. Die Mehrzahl seiner Glaubensgenossen hatte sich gleich bei Beginn des Auflaufes mehr ahnungsvoll als tapfer in ihre Häuser und Läden zurückgezogen. Unruhig sah Perez nach einem Fürsprecher umher. Da kam der Doktor Thorner quer über den Markt, neben ihm Philipp Hirschthal, der neue Referendar. „Herr Doktor," schrie Perez aus vollem Hals, „lieber Herr Doktor, kommen Sie nuc da her!" *) Die Treppen des Gerichtsgebäudes. Thorner erblickte den Bürgermeister, den Gendarmen, Perez ängstlich schreiend inmitten eines Haufen Volkes, er witterte Unheil, trat schnell zu der Gruppe und bedeutete den Referendar gleichfalls heranzukommen. „Was ist hier los?" „Ah, meine Herren," rief der Bürgermeister, strahlend vor Wichtigkeit, „ich bin soeben dem Urheber der Verbrechens sehr energisch auf der Spur." „Ei Potztausend!" Der Doktor wäre beinahe damit herausgeplatzt, wie viel er von den kriminalistischen Fähigkeiten des Bürgermeisters hielt. „Sie?" „Jawohl, meine Herren, einen Moment von eminenter Wichtigkeit habe ich entdeckt. Diese Rezepthälfte, welche die Herren Doktoren nicht zu entziffern vermochten, hat der Mensch da am Thatort, am Kiwitzabache verloren." „Was weiß einer, wo er was verliert," rief Perez, dem die Gegenwart seines alten Beschützers wieder Kourage einflößte. „Lüge nicht!" schrie der Bürgermeister, „Du hast es bereits gestanden." „Gestanden," jammerte Perez, „ausgestanden Hab' ich, Herr Doktor; so soll ich gesund sein, wie ich hier Zores aussteh'." Thorner winkte ihm mit den Augen Ruhe zu; der Bürgermeister fuhr erregt fort: „Gleichfalls hat dieses Mädchen, die Franja Luschek, ausgesagt, sie habe gesehen, daß in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag dieser Perez mit Julek eimn Streit gehabt habe — komm' mal her, Franja, und wiederhole Deine Aussage vor diesen Herren!" Franja hatte beim Herannahen des ihr unbekannten, eleganten jungen Herrn vor Ueberraschung zu weinen aufgehört, dann in einem unbewachten Augenblick schnell ihr Haar aufgebunden, ihr Kleid glatt gestrichen und die zerrissene Stelle mit einer Nadel versteckt, jetzt trat sie dreist heran: „Jawohl, Herr Bürgermeister, ich Hab' es ganz genau gesehen: Der Julek stand vor unserm Hause, da kam Perez, schimpfte ihn und schlug auf ihn los, mit der Faust nach seinem Rücken, da lief der Julek nach dem Wäldchen zu und Perez ihm nach, ich Hab' es klar und deutlich gesehen." „Du hast gesehen, wie Julek vor dem Perez davongelaufen ist?" fragte Thorner. Franja sah ihren früheren Dienstherren nicht an, sie kehrte sich gegen den Bürgermeister und sprach noch lauter als vorher: „Ich hab's genau gesehen, ich kann es beschwören!" Gemurmel beistimmenden Unwillens erhob sich, man akklamierte Franja, entrüstete sich über Perez, alle aber überschrie der Doktor, wütend über das kleine, freche Ding: „Schämst Du Dich nicht, uns so albern anzulügen. Du erzdumme Gans?! Der stämmige Julek soll vor dem elenden Menschen hier davongelaufen sein? Herr Bürgermeister, glauben Sie doch diesem Frauenzimmer kein Wort, sie lügt, wenn sie das Maul nur öffnet." „Ich bin kein Frauenzimmer," schrie Franja erboßt. „In der That," stammelte der Bürgermeister, schwankend zwischen seinem drängenden Amtseiser und dem Respekt vor ' dem alten, erfahrenen Arzt, „ich weiß wirklich nicht, Herr

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