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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-08-03 · 31 (3.8.1900) · p. Seite 486

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (3.8.1900)
Date
1900-08-03
Page
Seite 486 (sequence 10)
Language
German
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Seite 486. Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. die in Hessen, genommen hat, und wies in überzeugender Weise nach, daß man trotz der am Ende des Jahrhunderts sich zeigenden trüben Erscheinungen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken dürfe. Nachdem der Vorsitzende die Kollegen und Ehrengäste, Herren Landrabbiner Dr. Prager vom Vorsteheramt zu Kassel, Provinzialrabbiner Dr. Munk, Bankier. Eichelberg, Kaufmann Erlanger und Goldberg vom Vorsteheramt zu Marburg — dieses hatte die Konferenzteilnehmer zu einem gemeinschaftlichen Mal im Hotel Goldschmidt eingeladen — sowie Gemeindeältester Strauß ein herzliches Willkommen entboten, begrüßte Herr Dr. Munk in seinem und des orsteheramts Namen die Versammlung. Herr Dr. Prager überbrachte Grüße und Wünsche des Vorsteheramts zu Kassel, und Herr Gemeindeältester Strauß hieß die Versammlung im Namen der Gemeinde willkommen. Der Vorsitzende dankte für die schönen von Herzen kommenden und zum Herzen gehenden Worte und erstattete hieraus den Jahresbericht über die Thätigkeit des Ausschusses. Ganz besonders bedauert der Ausschuß das Ausscheiden seines seitherigen Vorsitzenden, des Herrn Gutkind-Kassel, der, durch ein Leiden veranlaßt, sein Amt niederlegen mußte. In einer Adresse hatte der Ausschuß Herrn Gutkind bereits seinen und der Konferenz tiefgefühlten Dank zum Ausdruck gebracht. Die Versammlung selbst erhob sich, ihm zu Ehren, von den Sitzen. In dem Jahresbericht wird mitgeteilt, daß in den letzten zwei Jahren fünf israelitische Volksschulen, im Regierungsbezirk Kassel aufgelöst worden sind; diese Mitteilung weckte schmerzliche Empfindungen. An die Mitteilung schloß sich ein warmer Appell an die Kollegen, zur Erhaltung der Schulen nach Kräften beizutragen. Der Jahresbericht erwähnt ferner, daß gemäß dem Beschluß der 31. Jahresversammlung zur Verbreitung der 4. Auflage des Dr. Stein'schen Lesebuchs sich eine Kommission konstituiert habe, in die außer den Mitgliedern des Ausschusses die Herren Seminardirektor Dr. Lazarus-Kassel, Plant-Grebenstein, Perlstein-Gudensberg, Spier-Sontra und Stahl-Bebra eingetreten sind. Das Vorsteheramt zu Kassel hat sein Interesse an der Arbeit der Kommission dadurch bethätigt, daß es ihr zu den Kosten 50 Mk. bewilligte. Das Andenken der aus dem Leben geschiedenen Lehrer Weingarten-Bebra und Provinzialrabbiner Dr. Kores-Hanau, denen der Jahresbericht Worte ehrenden Gedenkens widmete, ehrte die Versammlung in herkömmlicher Weise. Der Jahresbericht teilte ferner mit, daß der Ausschuß an die am 1. April d. I. aus dem Amt geschiedenen Kollegen Cornelius-Rotenburg, Neuhaus-Guxhagen und Neumark-Felsberg warme Worte des Abschieds gerichtet habe. Es folgte das vom Vorsitzenden noch in letzter Stunde übernommene Referat: „Wie ist eine religiöse Gesinnung bei unserer Jugend dauernd zu begründen?" Ausgehend von der Wahrnehmung, daß sich bei allen Konfessionen betrübende religiöse Gleichgiltigkeit zeigt und gerade in jüdischen Kreisen eine besorgniserregende Fahnenflucht konstatiert werden müsse, verbreitete sich das Referat über die ganze Schularbeit und legte dar, wie jeder einzelne Unterrichtsgegenstand in den Dienst der religiösen Erziehung gestellt werden könne und müsse. Redner empfiehlt die Erhaltung der konfessionellen Schule. Das Referat behandelte dann die Erziehung der Jugend im noch schulpflichtigen Alter. Als Förderungsmittel wurden Gründung von Jünglingsvereine, sowie Heranziehung der Jugend zu den bestehenden Chebroth, Literatur- und Geschichtsvereinen u. n. a. empfohlen. Die Leitsätze lauten: 1. Das nächste Ziel der religiösen Erziehung und Unterweisung — ganz besonders in unserer Zeit — muß die Begründung einer religiösen Gesinnung bei unserer Jugend sein- 2. Zur Erreichung dieses Zieles ist das Handinhand- Arbeiten von Elternhaus, Schule, Gemeinde, sowie aller Kreise des Judentums erforderlich. 3. Der Begründung einer religiösen Gesinnung muß in erster Linie der Religionsunterricht, daneben aber auch der Gesamtunterricht dienstbar gemacht werden. Daher ist die Erhaltung und weitere Ausbreitung der jüdischen Volksschule notwendig, und ist diese vornehmlich vor der Einschulung in christlich-konfessionellen Schulen zu bevorzugen. 4. Die religiöse Erziehung darf nicht mit der Schulentlassung aushören. 5. Duldung gegen Andersgläubige und Andersdenkende soll besonders gepflegt werden. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine gediegene Arbeit, die durch Drucklegung weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden möge. Kollege Oppenheim-Treysa stattete als stellvertretender Vorsitzender dem Referenten den Dank der Versammlung ab. An der an den Vortrag sich anschließenden Diskussion, an der sich die Herren Rabbinen und eine größere Anzahl Kollegen beteiligten, zeigte sich das Interesse, das das Referat zu wecken verstanden hatte. Die Leitsätze wurden bis aus den 5. Punkt in ihrer ursprünglichen Fassung angenommen; letzterer erhielt auf Vorschlag einer aus Herrn Dr. Prager, dem Referenten und Kollegen Strauß-Marburg bestehenden Kommission folgenden Wortlaut: „Bei Besprechung konfessioneller Unterscheidungslehren muß ganz besonders Duldsamkeit und Fernhaltung an jeder Herabwürdigung beobachtet werden." Nach Verlesung des Kassenberichts durch den Kassierer Kollegen Oppenheim-Treysa folgte die Beratung der verschiedenen Anträge. Der von dem Unterzeichneten Spiro begründete Ausschußantrag, die Jahresversammlung wolle den Ausschuß bevollmächtigen, zur Herbeiführung der Besoldung des Vorsängerdienstes die geeigneten Schritte zu thun, wird angenommen; desgleichen der Antrag des Kollegen Rothschild- Neukirchen , betreffend die Regelung der Ferien. - Kollege Hörter-Jesberg, der in sehr ausführlicher Weise das Bedürfnis der Errichtung einer mit dem Seminar zu Kassel organisch zu verbindenden Präparandenanstalt nachzuweisen sich zur Aufgabe gestellt hatte, zieht, nachdem Herr Dr. Preyer die Errichtung einer solchen Anstalt in Aussicht gestellt, seinen Antrag zurück. Die vorgerückte Zeit veranlaßt Kollege Oppenheim- Treysa seinen Antrag, betr. Gründung einer Vereinsbibliothek für die nächste Jahresversammlung zurückzustellen. Für die 33. Jahresversammlung, welche in Kassel stattfinden wird, übernimmt Kollege Strauß-Marburg einen Vortrag über das Thema: „Inwieweit sind Talmud und Midrasch beim biblischen Geschichtsunterrichte zu verwerten?" Der

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