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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-08-03 · 31 (3.8.1900) · p. Seite 485

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (3.8.1900)
Date
1900-08-03
Page
Seite 485 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31. Israelitische Wochenschrift. Seite 485. nicht zu teilen brauchen und sich ohne eigentliche gemeindliche Ordnung zeitweilig zu Gottesdiensten vereinigen. Am Neujahrs- und Versöhnungstag mieten sie einen Saal und leihen einige Thorarollen von uns. Haben sie nicht Minjan, so kommen sie in unsere Synagoge, ohne sich der Gemeinde anzuschließen. Ihre Gräber finden sie in einer Abteilung unseres Friedhofs. Eine Schule haben wir nicht, aber unser Rabbiner, der ein gelehrter Talmudist ist, erteilt Privatunterricht. Besondere Armenanstalten haben wir nicht, weil wir sie nicht brauchen. Die individuelle Wohlthätigkeit reicht vollkommen aus. Jeden Freitag beauftrage ich meinen Hausverwalter, Geflügel und Brot unter die bedürftigen Familien zu verteilen. Das kostet monatlich 50 Dollars, woraus zu ersehen, daß es nicht viel Arme giebt, und dabei wäre noch mancher der Beteiligten imstand, selbst für sich zu sorgen. Die Versorgung mit rituellem Fleisch läßt zu wünschen übrig. Wir haben ein Abkommen mit chinesischen Schlächtern, daß unser Schächter bei ihnen schächten kann. Doch nicht immer ist dazu Gelegenheit, und so kaufen etwa zehn unter hundert von uns ihren Bedarf auf dem Markt. Im Uebrigen sind die Juden von Hongkong ganz orthodox, wenn auch nur wenige von ihnen die Sabbatgesetze streng beobachten. Der Synagogenbesuch am Sabbat ist nur schwach, an den Feiertagen besser, am Neujahrs- und Versöhnungstag ist die^Synagoge überfüllt. Die gottesdienstliche Ordnung ist ganz die der Portugiesen in London, deren Gebetbücher wir auch benutzen. Der Chinese macht zwischen Juden und Christen keinen Unterschied. Ihm sind sie beide „Fremdlinge"; eher giebt er noch dem Juden den Vorzug, den er als Asiaten betrachtet. In Peking giebt es keinen Juden, auch in den übrigen chinesischen Vertragshäfen nicht, ausgenommen Schanghai. Gegenwärtig eröffnen Juden Zweiggeschäfte in Japan, in den Häsen von Kobe und Iokohama. In Kobe ist jüngst eine Gemeinde gegründet worden, die etwa 45 Seelen zählt."! _ \. Zum Trost-Sabbat ). Psalm 92. (Sabbatpsalm.) Chor: Wie lieblich ist's, dem Herrn zu singen, Dir, Höchster, meinen Dank zu bringen, Wenn früh ich Deiner Huld mich freu' Und abends Deiner Vatertreu'. Ertönet Psalmen; Saiten schwingt! Mein innig Lied zur Harf' erklingt. Denn Deine Schöpfung, Herr, ist meine Lust, Und Wonne füllt am Ruhetag die Brust. *) Von obigen Uebertragungen ist nur die des Psalm 93 völlig neu, während die des Psalm 92 im Wesentlichen von Stein herrührt. Wir verdanken diese Uebertragung Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Mayer in Karlsruhe, von dem sie für das vom Großherzoglichen Oberrat der Israeliten Badens herauszugebende Gebetbuch bestimmt ist. Vorb.: Wie groß, o Herr, sind Deine Werke; Wie tief, mein Gott, sind Deine Gedanken! O Unverstand, der es nicht begreift, O Unvernunft, die es nicht versieht: Ob grünen die Frevler wie frisches Gras Und blüh'n die Missethäter alle — Sie werden ausgetilgt auf ewig! Chor: Denn in den Höh'n thronst Du, o Gott! Vorb.: Und die Dir widerstreben, Herr, Ja, die Dir widerstreben, schwinden, Der Uebelthäter Rotte wird zerstreut. Da steigt mein Glückshorn frei empor. Mein welker Zweig grünt neu und glänzet; Mein Auge schauet, Was die Widersacher, Mein Ohr vernimmt, Was frevelnde Empörer trifft. Doch der Gerechte gleich der Palme blüht, Wie Ceder auf Libanon wächst er empor, Die gepflanzt sind in des Ewigen Haus, Die da blü'hn in unsres Gottes Höfen, Sie haben im Alter noch frischen Trieb, Belaubt und saftvoll stehen sie da. Da wird es klar, daß gerade der Herr Und daß kein Fehl ist an unserm Hort. Psalm 93. Der Herr ist König, Hoheit sein Gewand, Allmacht sein Gürtel, Die ganze Welt sein Schemel, Aus ewigen Pfeilern steht sein Thron. Es erheben Ströme ihre Stimme, Mächtig erhebt sich ihr Brausen, Wilder Wogen trotzig Getös. * Gewaltiger noch erdröhnet Des Meeres tosende Brandung. Doch verstummen müssen sie alle Vor des Ewigen, Hocherhabenen, Allgewaltiger Majestät. Untrügliche Wahrheit ist ihr Stempel, Heiligkeit ihres Hauses Zier — So waltest Du, Herr, In Ewigkeit! ImclitW fc^terhoiifetfnt M»s. 32. Jahresversammlung. Im Saal des Cafe Quentin zu Marburg fand am 6. Juni die 32. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens statt. Der Vorsitzende, Kollege Amram-Borken, eröffnetc die Versammlung. In der nach Inhalt und Form gleich ausgezeichneten Eröffnungsrede gedachte er des Einflusses, den das abgelausene Jahrhundert auf Judentum und Juden, insbesondere auch auf die jüdische Schule, vornehmlich

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