Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 27 (6.7.1900)
- Date
- 1900-07-06
- Page
- Seite 423 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 27. Israelitische Wochenschrift. Teile 423.. Der englische Konsulardienst verliert in dem Verstorbenen > einen seiner besten Beamten. Seine Konsularberichte gehören zu den vorzüglichsten ihrer Art und haben der englischen Geschäftswelt vorzügliche Dienste geleistet. Sir Charles ^V. Oppenheimer hat ein Alter von 64 Jahren erreicht. Havre, 29. Juni. (Russische Auswanderer.) Eine dänische Dampfschifffahrtsgesellschaft hat mit der französischen Compagnie transatlantique das Abkommen getroffen, russische Auswanderer von Libau direkt bis Havre und von hier nach Südamerika zu befördern. Die Reisenden brauchen weder einen deutschen, noch einen belgischen oder englischen Hafen zu berühren und werden hier umgeschifft. Im Lauf dieses Monats sind 363 Auswanderer — meist junge Leute und Kinder — auf dem Weg nach Moiseville in Argentinien. Sie führten einen Schochet mit sich, der sie während der Seereise mit frischen Fleisch versehen sollte. Die am Abend angekommenen Reisenden wurden sofort auf das nach Südamerika bestimmte Schiff gebracht, das am nächsten Morgen in See gehen sollte. Um die heiße Nacht nicht in den engen Schiffsräumen zuzubringen, kehrten die russischen Auswanderer wieder an Land zurück und blieben nachts über in ihre Mäntel und Decken eingehüllr auf dem Quai du Bresil. Vor ihrer Einschiffung hielten sie im Freien ihren Gottesdienst ab, legten ihre Gebetmäntel und Gebetriemen an, und trotzdem dieser Anblick den zahlreichen Seeleuten und Schtffsarbeitern ein ganz überraschender war, hat Niemand die Andacht der Auswanderer gestört. Paris, 1. Juli. (Jüdische Bildhauer.) Unter den russischen Bildhauern, die im diesjährigen Salon ausgestellt haben, befindet sich eine ungewöhnlich grotze Anzahl von Juden. Der größte, schon längst bekannte russische Bildhauer Mark Antokolsky hat 23 Werke ausgestellt, die ein besonderes Zimmer füllen. Wir sehen u. A. einen „Peter den Großen", „Spinoza/" „Nestor," „Mephistopheles," den „Frieden." Herr Günzburg hat eine Riesenbüste, eine Statuette von Tolstoi und verschiedene Gruppen ausgestellt; Herr Bernstam figuriert mit 20 Portraitbüsten bekannter Persönlichkeiten. Die Herren M. Kaplan, Rasumey, Nahum, Aronson, Bernstein und Jampolsky sind mit verschiedenen Arbeiten vertreten. Die russischen Kritiken heben mit besonderem Lob die Arbeiten ihrer jüdischen Landsleute hervor, deren Künstlerschaft sie doppelt anerkennen, weil bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts den Juden in Rußland jede künstlerische Ausbildung verschlossen gewesen ist. jüdischen Wohlfahrtsveranstaltungen gewidmet. — Bei der letzten Prüfung in der Academy of Arts in Philadelphia haben drei Jüdinnen die ersten Preise erhalten. — In der italienischen Deputiertenkammer ist nach den letzten Wahlen die Zahl der jüdischen Abgeordneten von neun auf zwölf gestiegen. Die drei neugewählten Deputierten sind die Herren Donati, Sorani und Arthur Luzzatto. — In Odessa soll demnächst eine für 500 Schülerinnen bestimmte jüdische Mädchenschule errichtet werden. Herr Leon Brodsky hat zu diesem Zweck 135 000 Rubel gespendet. — An Stelle seines verstorbenen Vaters ist Herr Ignatz Posnansky in Lodz zum Vorsteher der jüdischen Gemeinde gewählt worden. — Der Verein jüdischer Handelsgehilfen in Odessa hat den Bau eines Klubhauses und eines Heims für junge Kaufleute beschlossen. 110 982 Rubel sind schon für die Errichtung dieses Hauses gesammelt worden. Vakanzen. Kempen i. Posen. K. und Sch., 2000 M. Geh., 600—800 M. Rebeneink. Meld. an Vorst. — Schwerin a. W. K., Balk., Sch, 1600 M. Geh., fr. W., erhebt. Rebeneink. Meld. an L. Cohn. — Ruß, Ostpr. K., Balk., Sch. (streng orthod.), 1200 M. Geh., 500 M. Rebeneink. Meld. an Vorst. — Vietz a. Ostbahn. 2. Hilfsvorb, Balt., Balk. für hohe Feiert. Meld. an M. Jsaac. — Königsberg i. Pr. Sem. gepr. Rel.-L., 1800 M. Anfangsgehalt. Meld. an Holz. — Kattowitz. Oberk, 4200 M. Geh. Meld. an Vorst. — Neustadt b. P. K und Sch., Balk., Balt., Mohel, 1200 M. Geh., fr. W., 800 M. Rebeneink. Meld. an Vorst. — Holl st ein. Rel.-L., Vorb., Sch., 800 M. Geh., fr. W. Meld. an Rosenberg. — Memel. Elem.- und Rel.-L., 1500 M. Geh. Meld. an Rabbiner Dr. E. Carlebach. — Monsheim. Lehrer, K., Ch., 500 M. Geh., 300 M. Rebeneink. Meld. an Ludwig Löb. — Egeln bei Magdeburg. Rel.-L., K., Sch., 900 M. Geh., fr. W. Meld. an W. Blumenthal. — Breslau. Stellvertr. Leiter der Rel.-Schule I., 3000 M. Geh. Meld. an Vorst. — Zer ko w. K. u. Sch., 1200 M. Geh., fr. W. Meld. an Schreyer. — Langenlonsheim. Sem. geb. Lehrer, K., Sch., 600 M. Geh., fr. W., 300—350 M. Rebeneink. Meld. an Emil Natt. — Markelsheim. Sem. geb. Lehrer, K., Sch. (ledig), 800 M. Geh., fr. W., 300 M. Rebeneink. Meld. an M Strauß. — Wenkheim i. Baden. Lehrer, K-, Sch., 900 M. Geh, fr. W., 400 M. Rebeneink. Meld. an Vorst. Feuilleton. Das „Schktrer-Dilbul". Von C Berg. (Fortsetzung.) Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Herr Dr.A. Feilchenfeldin Hamburg, ein Pädagoge von ausgezeichnetem Ruf, ist zum Direktor der israelitischen Realschule in Fürth gewählt worden und wird am 1. September seine neue Stelle antreten. — Am vorigen Sonntag wurde in Berlin Herr Nathan Cramer beerdigt, dem es beschieden gewesen, bis zum 96. Lebensjahr zu gelangen und Urenkel zu sehen. — Der Talmud-Thora-Verein in Köln hat an Stelle des an den Adaß-Jiroel-Verein in Königsberg i. Pr. berufenen Herrn Dr. Nobel Herrn Dr. B. Wolf in Frankfurt a. M. zu seinem Rabbiner gewählt. — In Jerusalem ist vor einigen Tagen Moses Jsaac Goldschmit im Alter von 58 Jahren gestorben, Er hat den größten Teil seines Lebens den „Man muß doch? Ich will nur die Goleskleider wieder anthun." Er eilte in die Küche und kam nach wenigen Minuten umgekleidet in seinem buntscheckigen Trödelanzug zurück, eine Kappe auf dem Kopf, ein eisenbeschlagenes Tragholz um die Schultern, an dem er zwei hohe Blecheimer befestigte. „Und nach deiner Arbeit," forschte die alte Frau, „kommst du daun nach Haus?" Perez wurde ein wenig verlegen. „Ich wollte einmal zu Amtsrichters hinauf," stotterte er. „Zu Amtsrichters," wiederholte die alte Frau kopfschüttelnd, „sieht man dich dort gern?""